Alles im Röhrling-Bereich – mein Pilzwochenende im Schwarzwald

Alexandra Abredat

Manche Leute fahren für ein Wochenende ans Meer, andere in die Therme – und ich tuckerte mit meinem PS-armen Auto 2,5 Stunden lang von Künzelsau in den Schwarzwald. Wer schon einmal dort war, weiß: die Berge sind nicht zimperlich. Der Schwarzwald ist ein anderer Wald als der, den ich von Hohenlohe oder Heilbronn kenne. Hier wirkt alles ein wenig geheimnisvoller: die vielen Nadelbäume – Weißtannen, Fichten und Kiefern – ragen dicht und majestätisch empor, das Licht ist gedämpft, fast so, als hätte der Wald beschlossen, seine Pilzschätze besonders gut zu verstecken. Zwischendurch ein kurzer Blick nach draußen: Am Straßenrand blühte die Heide – ein lilafarbenes Highlight, das man so in unseren heimischen Wäldern kaum findet.


Mein Auto schnaufte bei jeder Steigung, als wolle es selbst Sporen ausstoßen. Aber wir haben es geschafft – Hornberg, ich war da! Und das Ziel war es wert: ein Pilzseminar bei Björn Wergen im Pilzzentrum, mitten im Herzen des Schwarzwaldes.

Schon die Begrüßung versprach ein Wochenende voller Naturglück, Schmunzler und einer guten Portion „Ah, so ist das also!“. Gemeinsam mit den anderen frischgebackenen „Teilnehmys“ (offiziell so betitelt im Ablaufplan – klingt fast wie eine kleine Pilzart, oder?) ging’s los.


Samstag: Von Begrüßung bis Bestimmungsübungen

Nach der Begrüßung und Vorstellung der Teilnehmys startete gleich die erste Exkursion in die Umgebung von Gutach, mit Körben und Messern bewaffnet. Sie brachte uns erste kleine Pilzfunde und die Möglichkeit, den Wald mit wachen Augen zu erleben.


Nach dem Mittagessen beim Griechen – sehr lecker – ging es zurück ins Seminarzentrum zum Vortrag: Einführung in die Pilzkunde. Hier erhielten wir einen Überblick über die Pilzgruppen und deren Merkmale: Lamellenpilze, Röhrlinge, Leistlinge, Bauchpilze und Gallertpilze – sowie die besonderen Merkmale der Schlauch- und Ständerpilze. Besonders faszinierend war, wie diese kleinen Waldbewohner ein ganzes Netz aus Ökologie, Geologie und Botanik widerspiegeln – jeder Pilz erzählt von Bodenbeschaffenheit, Baumgesellschaften, Wasserhaushalt und symbiotischen Beziehungen, die im Wald miteinander verwoben sind.


Dann ging es ans Eingemachte: die ersten Bestimmungsübungen. Unter Björns Anleitung wurde jedes Stück genau unter die Lupe genommen – Hutoberflächen, Röhrenmündungen, Stielmerkmale und andere Details. Die anschließende Fundbesprechung rundete den Tag ab: Jeder Pilzfund wurde diskutiert, über kleine Fehler geschmunzelt und wertvolle Erkenntnisse gesammelt.


Sonntag: Röhrlinge, Details und tieferes Pilzwissen

Der zweite Tag führte uns in die Gegend von St. Georgen, ca. 966 m (Hochwälder Höhe). Unter Björns Anleitung bestimmten wir nach dem Mittagsessen die Funde, diskutierten Bestimmungsprobleme und lachten über die kleinen Interpretationsfallen, die jeder Pilz mit sich bringt. Auch die feinen Unterschiede zwischen Hutoberflächen, Röhrenmündungen und Stielstrukturen wurden genau unter die Lupe genommen – kleine Details, die plötzlich alles erklären.


Am Ende des Tages, bei der abschließenden Fundbesprechung, fühlte ich mich zwar noch nicht wie ein kleiner Pilzexperte, aber der Anfang war gemacht. Ich hatte nicht nur neues Wissen gesammelt, sondern den Wald auf eine völlig neue Weise erlebt.

 

Fazit

Mein Pilzwochenende im Schwarzwald war eine perfekte Mischung aus Lernen, Naturgenuss und kleinen Aha-Momenten. Von der Fahrt über die Berge (mit einem Auto, das heldenhaft schnaufte) bis zu den Heideblüten am Straßenrand, von der geheimnisvollen Waldatmosphäre bis zu den spannenden Pilzbestimmungen – alles hat sich gelohnt. Wer Pilze liebt, Natur genießen will oder einfach neugierig auf diese versteckten Wunder des Waldes ist, sollte unbedingt mal ins Pilzzentrum Hornberg fahren.


Und ich? Ich fahre nächstes Jahr wieder hin – vielleicht mit einem stärkeren Motor, aber garantiert mit denselben großen Augen für die kleinen Wunder des Schwarzwaldes.


Weitere Infos zum Pilzzentrum:

Björn Wergen + Werderstr. 17

78132 Hornberg + 07833 6300

info@pilzzentrum.de


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Tausende Stare bewegen sich dabei wie eine einzige, atmende Masse durch den Himmel. Kein Anführer, kein Regisseur, kein zentrales Kommando – und doch absolute Synchronität. Der Grund ist denkbar pragmatisch: Raubvögel wie Falken können sich kaum auf ein einzelnes Ziel konzentrieren. Der Schwarm schützt jedes einzelne Tier durch pure Kooperation. Kein Vogel ist wichtiger als der andere, und genau das macht alle sicherer. Ein Prinzip, das auch in menschlichen Teams erstaunlich gut funktioniert – zumindest solange niemand versucht, sich dauerhaft in den Mittelpunkt zu drängen. Ähnlich klar organisiert ist die Zusammenarbeit bei Wölfen – allerdings weniger hierarchisch, als lange angenommen wurde. Moderne Verhaltensforschung zeigt: Ein Wolfsrudel ist meist eine Familiengemeinschaft, bestehend aus einem Elternpaar und dessen Nachwuchs. Entscheidungen entstehen oft situativ und kooperativ. Das berühmte Heulen ist kein Ausdruck von Romantik, sondern ein hochfunktionales Kommunikationsmittel. 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Auch das ist Natur: Kooperation braucht Verlässlichkeit – sonst endet sie abrupt. Nicht jede Symbiose ist so ausgewogen, wie sie lange schien. Beim Madenhacker etwa, der auf Antilopen, Büffeln oder Nashörnern sitzt, zeigte sich erst spät: Er frisst nicht nur Parasiten, sondern oft auch Fleisch aus offenen Wunden. Die Beziehung nützt häufig mehr dem Vogel als dem Säugetier. Zusammenarbeit ist also nicht automatisch fair. Ein wichtiger Hinweis für alle, die Teamarbeit idealisieren. Dass Kooperation sogar hochgradige kognitive Leistungen erfordert, zeigen aktuelle Forschungen zur gemeinsamen Jagd von Oktopussen und Rifffischen. Der Biologe Eduardo Sampaio und sein Team konnten nachweisen, dass diese Tiere ihr Verhalten flexibel aufeinander abstimmen. Die Fische zeigen dem Oktopus versteckte Beute, der Oktopus scheucht sie heraus oder umschlingt sie mit seinen Armen. Wer die Zusammenarbeit ausnutzt, riskiert Sanktionen. Kooperation erfordert Wahrnehmung, Lernen – und soziale Kontrolle. Besonders aufschlussreich ist auch der Vergleich zwischen Wolf und Hund. Obwohl Hunde als besonders kooperativ gelten, schneiden sie in Tests zur Zusammenarbeit mit Artgenossen schlechter ab als Wölfe. In Experimenten, bei denen zwei Tiere gleichzeitig an einem Seil ziehen mussten, um an Futter zu kommen, warteten Wölfe geduldig aufeinander und koordinierten ihr Handeln. Hunde agierten häufiger individuell. Die Erklärung ist simpel und unbequem: Hunde sind auf Kooperation mit Menschen selektiert – nicht mit ihresgleichen. Teamfähigkeit ist also keine Selbstverständlichkeit, sondern kontextabhängig. Ein Extrembeispiel für kompromisslose Zusammenarbeit liefern Nacktmulle. Blind, haarlos und fast schmerzunempfindlich leben sie in Kolonien von bis zu 300 Tieren unter der Erde. Es gibt eine Königin, Arbeiter und Soldaten, klare Aufgaben und sogar eigene Dialekte. Effizienz und Spezialisierung sind hier perfekt – individuelle Freiheit spielt keine Rolle. Bewundernswert, ja. Erstrebenswert für menschliche Teams? Eher nicht. Denn natürlich hat Zusammenleben auch Nachteile. Konkurrenz um Nahrung, Rangkämpfe, Krankheiten und Parasiten gehören ebenso dazu. Tiergruppen müssen ständig abwägen, ob Kooperation sich lohnt. Gruppengröße, Verwandtschaft, Lebensraum und Jahreszeit entscheiden darüber, ob Teamarbeit Vorteile bringt oder zur Belastung wird. Und genau hier liegt die wichtigste Lehre für uns Menschen: Gute Teams entstehen nicht aus Harmonieversprechen, sondern aus Klarheit. Klare Kommunikation, verlässliche Rollen, gegenseitiger Nutzen und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Tiere zeigen uns nicht, wie man nett zusammenarbeitet – sondern wie man wirksam zusammenlebt. Vielleicht ist das der größte Mehrwert der Natur für Coachingprozesse: Sie erlaubt uns, Teamverhalten jenseits von Moral und Ideologie zu betrachten. Ehrlich, funktional und oft erstaunlich humorvoll. Denn manchmal reicht ein Blick ins Starengemurmel, um zu erkennen: Wenn alle versuchen, der Falke zu sein, wird das Team sehr schnell sehr klein. Quellen: Teamwork - 3sat-Mediathek Symbiose: Warum sich Tierarten zusammentun - [GEOLINO] Tiere als Teamplayer: Was wir von ihnen für die Zusammenarbeit im Job lernen können - Heidrun Jürgens Personaldienstleistungen Tierische Allianzen | campus.kn Wölfe sind die besseren Teamplayer - wissenschaft.de Wie leben Tiere zusammen - VRM Wochenblätter Natho, F. (2005). Die Lösung liegt im Team. Handbuch zur Arbeit mit der Skalierungsscheibe. Dessau: Gamus. Frank Natho systhema 3/2007 · 21. Jahrgang · Seite 357-370
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