Schlehe, Schlehdorn, Schwarzdorn

Alexandra Wizemann

Der Schlehdorn (Prunus spinosa), auch Schwarzdorn oder Sauerpflaume genannt, ist sehr anspruchslos, was den Boden angeht; er liebt aber sonnige Lagen an Waldrändern, Wegen und Felshängen. Als Heckenpflanze ist der Schlehdorn weit verbreitet und wo er auftritt, wuchert er wegen seiner starken Wurzelausläufer gerne. Die Schlehe gehört zu den wichtigsten Wildsträuchern für Tiere: Im Frühjahr bietet ihre überbordende Blütenpracht noch vor dem Laubaustrieb zahlreichen Insekten einen reich gedeckten Tisch; in ihrem Dornengestrüpp finden zahlreiche Vögel sichere Brutplätze und ihre Beeren versorgen sie bis weit in den futterarmen Winter hinein mit gehaltvoller Nahrung. [1]


 
[1] www.br.de/radio/bayern1/schlehen-114nd der Karpaten.

Der Name der Schlehe (von mittelhochdeutsch slēhe) ist wohl auf die Farbe ihrer Frucht zurückzuführen und leitet sich von dem indogermanischen Wort (S)li ab, was „bläulich“ bedeutet. Im Althochdeutschen wurde die Schlehe als sleha bezeichnet. Die slawischen Varianten wie das russische „Слива“ (Sliwa) oder das serbokroatische „šljiva“ (davon abgeleitet: Sliwowitz) bedeuten Zwetschge. [1]


Vorkommen

Die Heimat des Schlehdorns erstreckt sich über Europa, Vorderasien bis zum Kaukasus und Nordafrika. In Nordamerika und Neuseeland gilt er als eingebürgert. Im hohen Norden und auf Island sind keine Bestände belegt. Er vermehrt sich durch Aussaat und durch Wurzelausschläge.

Der Schlehdorn bevorzugt sonnige Standorte an Weg- und Waldrändern und felsigen Hängen oder in Gebüschen, bei eher kalkhaltigen, oft auch steinigen Böden. Als Heckenpflanze ist er weit verbreitet. Man findet ihn häufig in Gesellschaft von Wacholder, Berberitze, Haselnuss, Wildrosen und Weißdornarten. Auf den Dünen an der Ostsee ist er insbesondere mit Weiden vergesellschaftet. Der Schlehdorn besiedelt geeignete Standorte von der Ebene bis in Höhenlagen von 1.600 m.

Schlehenbüschegesellschaften gelten als Bindeglied in der Sukzession [2] zum Hainbuchen-, Buchen- oder Eichenwald. Zahlreiche Funde von Schlehenkernen in neolithischen Feuchtbodensiedlungen zeigen, dass er spätestens während der Jungsteinzeit nach Mitteleuropa eingewandert ist. Im Pfahlbaudorf Sipplingen am Bodensee (Schicht 11, dendrochronologisch um 3300 v. Chr. datiert) gibt es durchlochte Schlehenkerne, die offenbar als Kette getragen wurden. [3]


Vegetative Merkmale

Der sommergrüne, sparrige und sehr dornenreiche Schlehdorn wächst als Strauch oder als kleiner, oft mehrstämmiger Baum, der bis zu 40 Jahre alt werden kann. Er erreicht gewöhnlich Wuchshöhen von drei Metern. In seltenen Fällen können auch Exemplare bis sechs Meter Höhe beobachtet werden. Da die zahlreichen Kurztriebe beinahe im 90°-Winkel von den Langtrieben abstehen, zeigt die Schlehe ein typisch stark verästeltes Erscheinungsbild. Flach verzweigte, bizarre Krüppelformen entstehen durch Wildverbiss oder auch dauerhaft starke Winde und sind insbesondere in den Eichengebüschen der Nordseeküste und den Hängen des Oberrheingrabens anzutreffen.

Die flachwurzelnde Schlehe besitzt eine sehr dunkle, schwärzliche Rinde, die im fortgeschrittenen Alter in schmale Streifen zerreißt. Die Rinde der Triebe ist rotbraun gefärbt und filzig bis fein behaart, später verkahlen sie. Die Zweige zeigen eine rundliche bis kantige Form und sind mit zahlreichen Kurztrieben besetzt. Die Kurztriebe bilden Dornen aus, die im botanischen Sinne umgewandelte Seitentriebe sind und als eine Anpassungsleistung an Trockenheit gedeutet werden. Langtriebe besitzen keine echte Endknospe.

Die 1,5 bis 2 Millimeter langen, hellbraunen Knospen stehen meist zu dritt über einer Blattnarbe, wobei es sich bei den seitlichen gewöhnlich um Blütenknospen handelt, die rundlicher gestaltet sind als die ovalen bis oval-kugeligen Blattknospen. Am Ende der Kurztriebe kommen Blütenknospen oft ohne Internodien gehäuft vor. Die Blätter sind in der Knospenlage gerollt. Die Knospenschuppen sind meist behaart oder bewimpert und laufen in einer Spitze aus.

Die Laubblätter des Schlehdorns stehen an zwei bis zehn Millimeter langen Blattstielen, die leicht behaart sein können, jedoch meist drüsenlos sind. Die Blätter sind wechselständig und häufig büschelig-spiralig angeordnet. Sie fühlen sich relativ weich an. Die Blattspreite entwickelt eine Länge von zwei bis fünf Zentimeter und eine Breite zwischen ein und zwei Zentimeter. Sie bildet eine verkehrt-eiförmige Form aus, die sich zum Blattgrund hin keilförmig verschmälert und in einer spitzen bis stumpfen Blattspitze ausläuft. Der Blattrand weist eine doppelte, feine Zähnung auf. Junge Blätter bilden an ihrer Blattunterseite zunächst eine flaumige Behaarung aus, verkahlen in der Folge und zeigen dann eine mittelgrüne Färbung. Die Blattoberseite ist unbehaart und von dunkelgrüner Farbe. Linealische, am Rand gezähnte Nebenblätter überragen gewöhnlich den Blattstiel. Am Grund der Blattspreite befinden sich Nektarien. [4]


Generative Merkmale

Die weißen Blüten des Schlehdorns erscheinen im März und April – lange vor dem Laubaustrieb. Dadurch lässt sich die Schlehe in diesem Zeitraum leicht vom Weißdorn unterscheiden, dessen Blüten erst nach den Blättern gebildet werden. Die an kurzen, starr abstehenden, meist kahlen Blütenstielen stehenden Blüten sind radiärsymmetrisch, fünfzählig und zwittrig. Ihr Durchmesser beträgt etwa 1,5 cm. Sie bilden sich an den verdornten Kurztrieben und stehen dort sehr dicht einzeln oder zu je zwei aneinander. Charakteristisch ist ihr leichter Mandelduft. Der Blütenbecher ist glockig. Der Kelch besteht aus fünf dreieckigen bis ovalen Kelchblättchen. Sie werden etwa 1,5 bis 2 mm lang und sind am Rand unregelmäßig fein gezähnt. An der Außenseite ist der Kelch unbehaart. Die ovalen, ganzrandigen Kronblätter erreichen eine Länge von etwa sechs bis acht Millimeter. Sie sind nicht miteinander verwachsen und umgeben die etwa zwanzig fünf bis sieben Millimeter langen Staubblätter mit gelben oder rötlichen Staubbeuteln. Diese umgeben einen einzigen Griffel. Der mittelständige Fruchtknoten ist weit in den Achsenbecher eingesenkt.

An einem aufrechten Fruchtstiel entwickelt sich eine kugelige bis schwach ellipsoide, gefurchte Steinfrucht mit einem Durchmesser von 6 bis 18 mm. Sie ist blauschwarz bereift, eine Behaarung wird nicht ausgebildet. Das grüne Fruchtfleisch löst sich nicht vom Steinkern. Der mehr oder weniger doppelspitzige Steinkern besitzt eine kugelige bis linsenförmige Gestalt. Er wird etwa neun Millimeter lang und sechs Millimeter breit, ist pockennarbig, meist von rauer Struktur und mit netzartigen Adern. Von der Rückenfurche gehen schräg gestellte Kammstriche ab. Das Fruchtfleisch ist zunächst sehr sauer und herb – erst nach Frosteinwirkung wird es schmackhafter. Die Fruchtreife erfolgt ab Oktober bis November. Als Wintersteher bleiben die Früchte den Winter über am Strauch. Tiere, die den Samen der Frucht wieder ausscheiden, übernehmen die Ausbreitung. [5]


Bestäubung

Die Innenseite des Blütenbechers sondert reichlich Nektar ab, so dass die Schlehe für zahlreiche Insekten im zeitigen Frühjahr eine wertvolle Nahrungsquelle darstellt. Die Schlehe wird von Insekten bestäubt. [6]


Einige morphologisch ähnliche Arten

Die Schlehe kann mit der Kirschpflaume (Prunus cerasifera) oder mit der Veredlungsunterlage der Pflaume verwechselt werden. Die Kirschpflaume blüht früher, bereits von März bis April und die Zweige sind nur wenig bedornt. [7]


Lebensraum für Tiere

Die fünfblättrigen weißen Blüten sind eine wichtige Nektarquelle im Frühjahr, neben Haus- und Wildbienen tummeln sich hier Hummeln, Schwebfliegen und Schmetterlinge wie Zitronenfalter, Kleiner Fuchs, Tagpfauenauge und Landkärtchen. So gilt der Schwarzdorn als typischer Schmetterlingsstrauch, zumal die Blätter von rund 70 Schmetterlingsarten zur Eiablage aufgesucht werden, darunter seltene Arten wie der Segelfalter und das Gelbe Ordensband. Im Sommer bieten sein struppiger Wuchs und seine Dornen den Nestern von Amsel, Rotkehlchen und Zaunkönig Schutz. Vögel wie der Neuntöter nutzen Schlehenhecken daneben gerne als „Futterplatz“: Der Neuntöter spießt seine Beutetiere wie Insekten oder Mäuse gerne an den Dornen der Schlehe auf, um sie so leichter verzehren zu können. Und ab Herbst locken dann die schwarz-blauen, herben Schlehenfrüchte nicht nur Tiere zum Verzehr.


Verwendung

Die Früchte der Schlehe, die aussehen wie Miniatur-Pflaumen, sind erst nach dem ersten Frost genießbar. Alternativ kann man sie auch schon vorher ernten und in der Tiefkühltruhe einfrieren. Die Frosteinwirkung ist unerlässlich für den puren Genuss und die Weiterverarbeitung in Saft, Gelee, Schlehengeist, Schlehenbrand oder Schlehen-Likör. Durch die Kälte werden Gerbstoffe abgebaut, was den Geschmack abmildert. Vorher schmecken die Schlehen-Beeren einfach nur extrem sauer und bitter und hinterlassen ein pelziges Gefühl auf Lippen und Zunge. Nach dem Frost oder dem Einfrieren kommen die typischen süßlich-herben Geschmacksnoten zum Vorschein.

Die kleinen Schlehen-Beeren gelten als Superfood – und zwar schon seit der Steinzeit! So hatte etwa der Wanderer Ötzi welche als Proviant dabei auf seinem beschwerlichen Weg durch die Alpen. Auch bei den Ausgrabungen der Pfahlbauten am Bodensee, die aus Neolithikum und Bronzezeit stammen, wurden Schlehenkerne gefunden, die auf ihren Konsum hindeuten. Tatsächlich sind die kleinen Früchte auch sehr gesund und enthalten Fruchtsäuren, Mineralien und Vitamin C. Auch Hildegard von Bingen empfahl, sie mit Honig gesüßt zu verzehren. Doch auch schon die Blüten sind sehr gesund. Eine alte Weisheit besagt, man solle die ersten drei Blüten einer Schlehe essen, um das ganze Jahr über von Fieber bzw. Grippe verschont zu bleiben.


Sloe Gin – der etwas andere Schlehenlikör

Oft wird Sloe (englisch sloe = Schlehe) Gin oder Sloeberry Gin als Äquivalent des deutschen Begriffs Schlehenlikör gesehen, obwohl das nicht ganz richtig ist. Sloe Gin ist ursprünglich typisch britisch – und natürlich ist es der jeweils verwendete Gin, der mit seinen Geschmacksnuancen und seiner Vielschichtigkeit den Ton angibt. Die fruchtig-herben Noten der Schlehenbeere ergänzen ihn zu einem runden, warmen Gesamteindruck.

 

Schlehen & Gin – die Beere ist wichtigste Zutat

Klein, schwarz-blau und unscheinbar ist die Beere der Schlehe, die dem Sloe Gin seinen unvergleichlichen Geschmack und die ansprechende, kristallrote Farbe schenkt. Erst nach dem ersten Frost sind sie genießbar und werden darum verhältnismäßig spät geerntet. Die Kälte baut die Gerbstoffe ab, die sich in den seit Jahrhunderten als Superfrucht geschätzten Beeren befinden, wodurch sie ihre Bitterkeit verlieren. Zurück bleibt der Geschmack kleiner herber Pflaumen, der nicht von Ungefähr kommt, ist die Schlehe, als wilde Steinfrucht, doch mit der Pflaume verwandt. Die Kälte treibt nicht nur die bitteren Nuancen aus, sondern lässt die süßen ein und zaubert die typischen Noten nach Marzipan und Mandel hervor. Diese ergänzen und bereichern auch die geschmacklichen Facetten eines Sloe Gin. Er enthält übrigens mindestens 25% Vol. Alkohol und ist damit hochprozentiger als andere Schlehen-Liköre, die um die 15% Vol. liegen. Dadurch ist der Schlehen Gin weniger süß im Geschmack.

 

Sloe Gin Herstellung – so kommt er in die Flasche

Für Sloe Gin werden die Früchte des Schlehdorns in Gin angesetzt und mazeriert. Dabei entzieht hinzugefügter Zucker den Steinfrüchten ihren Saft. Je nach Reifegrad der verwendeten Schlehen ergeben sich feine Nuancen von Fruchtsäure- und Waldbeerenaromen. Seine leicht bittersüße Note verdankt der Sloe Gin der Blausäure, die aus den Kernen der Früchte stammt. Weitere geschmackliche Nuancen erhält der Schlehen-Gin-Likör je nach Rezept natürlich aus den Botanicals der verschiedenen Gins oder auch aus zusätzlichen Gewürzen und Fruchtzutaten.

 

Wie trinkt man Sloe Gin?

Traditionell ist der Sloe Gin in Großbritannien als häuslicher Winterlikör beliebt. Oft zu Hause mit eigens gepflückten Schlehenbeeren angesetzt, ähnelt der Schlehen-Gin in seiner ursprünglichen Verbreitung und Verwendung einem hierzulande nach überliefertem Familienrezept zubereiteten Pflaumen-Likör oder Johannisbeer-Likör. Als durch Zimt, Nelken oder andere Gewürzen ergänzter Wärmespender zur Weihnachtszeit oder auch in den sonnigeren Monaten als treuer Begleiter bei Ausflügen in die Natur hat sich Sloe Gin im Vereinten Königreich längst bewährt.

 

Sloe Gin Cocktails

Seit der Wiederentdeckung des Gins als die Bar-Spirituose schlechthin spielt allerdings auch der Sloe Gin seine Rolle als besondere Variante des Klassikers – pur oder in Longdrinks und Sloe Gin Cocktails, denen der Likör (mehr als nur) eine besondere Note gibt. Durch den Geschmack der Schlehen ergänzte Klassiker wie ein Sloe Gin Tonic schmecken ebenso fantastisch, wie die Kombination des kristallroten Schlehenlikörs mit Bitterlemon.

Außerdem zu empfehlen: Den traditionellen Gin-Fizz mit Sloe Gin abwandeln. Die Frische dieses beliebten Longdrinks wird durch den beerigen Geschmack besonders bereichert – mit einer Zitronenscheibe garniert ist der Sloe Gin-Fizz ein garantierter Genuss. [8]

 

Sloe Gin-Fizz

#5 cl Sloe Gin

# 3 cl frischer Zitronensaft

# 2 cl Zuckersirup

# 10 cl Soda

# Eiswürfel

Zubereitung

# Sloe Gin, Zitronensaft und Zuckersirup und ein paar Eiswürfel zusammen in den Shaker geben

# Sehr gut schütteln, da nur so die schaumige Krone des Gin-Fizz entstehen kann.

# In ein Longdrinkglas mit Eiswürfeln abseihen

# Als Garnitur bietet sich eine Zitronenscheibe an


Charlie Chaplin Cocktail Bowle

# 300 ml Sloe Gin zum Beispiel Hayman´s

# 300 ml Prinz Rosen-Marillen Likör

# 250 ml Limettensaft

# Eiswürfel

Zubereitung

# Als Garnitur bieten sich Zitronenscheiben an

Quelle Cocktails: [9]


Schlehen-Orangensaft Cocktail (Foto oben)

# 150 ml Orangensaft

# 30 ml Schlehensirup

# 30 ml Schlehenlikör

# Orangenscheibe

Zubereitung

# Den Orangensaft in ein Glas füllen

# Über einen Löffel den Sirup und den Likör am Rand des Glases einlaufen lassen, sodass der Orangensaft dekorativ unterschichtet wird

# Mit einer Orangenscheibe dekorieren

Quelle: [10]
 

Schlehen Vanille Likör

# 1000 g reife Schlehen

# 900 g Kandiszucker

# 3 Vanilleschoten, längs aufgeschlitzt

# 4 Orangenschalen, dünn geschält

# 20 Gewürznelken

# Kardamom

# Zimt

# 2 Liter Absolut Vodka Vanille

Zubereitung

# Die Schlehen gut waschen, trockentupfen und zusammen mit dem Kandis in ein sauberes Gefäß geben.

# Die Vanilleschoten, Gewürze und die Orangenschalen dazu geben

# Das Glas verschließen, gut schütteln und den Ansatz 8 Wochen an einem hellen, sonnigen Ort ziehen lassen

# Danach den Schlehenlikör durch ein Sieb filtern

# In saubere Flaschen füllen und an einem dunklen und kühlen Ort lagern

Quelle: Eigenes Rezept


Schlehen Sirup

# 1000 g reife Schlehen

# 1 Liter Wasser

# Zucker

Zubereitung

# Die Schlehen gut waschen, trockentupfen und im Wasser weichkochen

# Durch ein feines Tuch pressen

# Die entstehende Flüssigkeit abwiegen und mit der gleichen Menge Zucker erneut aufkochen

# In luftdicht verschließbare Flaschen füllen


Schlehen Creme

# 200 g Schlehen Mus oder Schlehen Sirup

# 200 g Sahne

# Zimt oder Kardamom nach Geschmack

Zubereitung

# Das Schlehen Mus / den Schlehen Sirup mit der gleichen Menge Sahne verrühren und das Ganze 10 Minuten lang stehen lassen

# Für einen winterlichen Touch, kann man die Creme mit Zimt und Kardamom abschmecken

Die dicke Creme eignet sich perfekt zum Füllen von Torten oder sie zu Waffeln und Pfannkuchen zu servieren. Es ist möglich, die fertige Creme einzufrieren. So erhält man ein aromatisches Schleheneis, das ebenfalls gut zu Waffeln passt.

Quelle Sirup und Creme: [11]


Heilpflanze

Die medizinische Wirkung der Schlehe ist adstringierend (zusammenziehend), leicht harntreibend, schwach abführend und entzündungshemmend. Getrocknete Blüten werden als Teeaufguss zur Blutreinigung bei Hautkrankheiten und rheumatischen Beschwerden sowie als Gurgelmittel bei leichten Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut eingesetzt. [12]


Aphrodisiakum, Zaubermittel und Ritualgewächs / Geschichte

An den lateinischen Artnamen erinnert sich, wer je versucht, eine Schlehenhecke zu durchdringen: spinosa = stachelig. Der Name Schlehe ist mit dem altbulgarischen sliva und dem lateinischen lividus = bläulich verwandt. Der Begriff Schlehe würde demnach auf die blauen Früchte hindeuten. Das Synonym Schwarzdorn verweist hingegen auf die schwarze Rinde des älteren Schlehengehölzes.

Schon sehr früh hatte die Schlehe ihre Bedeutung für den Menschen. Bereits in der neolithischen Pfahlbauzeit war sie bekannt. Bei Ausgrabungen dieser Siedlungen wurden die Steinkerne von Schlehenfrüchten gefunden. Araber, Griechen, Römer und die Menschen des Mittelalters nutzten die Blüten und Früchte als Heil- bzw. Nahrungsmittel. Asclepiades (124-60 v. Chr.) und Andromachus (3. Jhd. v. Chr.) zum Beispiel rühmten ein Roob, einen eingedickten Fruchtsaft, aus Schlehenfrüchten als wirksames Mittel gegen Ruhr. Das zähe Holz der anspruchslosen Schlehe wurde gerne für Drechselarbeiten verwendet. Die Rinde lieferte eine transparente, lackartige, licht- und wasserbeständige Tinte, die Früchte roten und die Rinde rotbraunen Farbstoff für Wolle und Leinen.

Auch die alten Germanen wussten um die Schutzwirkung der Schlehe: Zusammen mit Weißdorn bildeten sie die ersten Gartenhecken, die Apfelbäume und Kräuter vor Wildfraß schützten. Aus dem indogermanischen Wort „gher“ = fassen entwickelte sich übrigens „ghortos“, dass wörtlich mit „das Eingefasste, Eingefriedete, das Geschlossene“ zu übersetzen ist, und daraus das Wort Garten. Der Zaun war es also, der dem Garten zu seinem Namen verhalf, der geflochtene Zaun oder die Schutzhecke, die an einer Hauswand entlang ein Stück Land umschloss. Auch zauberabwehrende und weissagerische Kräfte wurden der Schlehe mancherorts zugesprochen. In der Haupttrudennacht (St. Ottilie) legte man früher Schlehdornzweige in die Räucherpfanne, ebenso wurden sie in der Walpurgisnacht zusammen mit Wacholder und Rauten zur Räucherung eingesetzt. Bauern wussten gleich zwei Regeln aus der Schlehenblüte abzulesen:

Ist die Schlehe weiß wie Schnee, ist´s Zeit, dass man die Gerste säe.

Je zeitiger im April die Schlehe blüht, umso früher vor Jakobi die Ernte glüht.

In der Volksmedizin finden sich zum Teil wunderlich wirkende Bräuche: In Tirol wird als Mittel gegen Gelbsucht eine Schlehe an die linke Brust gebunden. In vielen Landstrichen findet sich der Brauch, drei Blütenstängel des Schlehenstrauchs je dreimal hintereinander zu essen: So soll man sich vor Fieber und Gicht schützen können. [13]


Verwendung im Garten

Besonders bekannte Schlehen-Sorten sind ‘Nittel’ und ‘Merzig’. Sie wurden nach ihren Fundorten im Umland von Trier benannt und zeichnen sich durch besonders große Früchte aus. Sie sind außerdem hervorragend zur Destillatherstellung geeignet. Die Sorte ‘Merzig’ wächst aufrecht, trägt nur wenige Dornen und sehr kleine Blätter. Der Strauch wird etwa zwei Meter hoch. ‘Nittel’ wächst wie ‘Merzig’ aufrecht und kompakt mit großen, vereinzelt hängenden Früchten. Sie liefert besonders aromatische Schlehen. Weitere bekannte Sorten sind unter anderem ‘Godenhaus’, ‘Purpurea’, ‘Reto’ und ‘Trier’. [14]

 

[1] de.wikipedia.org/wiki/Schlehdorn

[2] Unter Sukzession (lateinisch succedere „nachrücken“, „nachfolgen“) versteht man die natürliche Rückkehr der für einen Standort typischen Pflanzen-, Tier- und Pilzgesellschaften (Biozönose), die sich nach einer Störung aufgrund der vorherrschenden Umweltfaktoren (vor allem Klima und Bodenart) dort wieder einstellt.

[3] de.wikipedia.org/wiki/Schlehdorn

[4] de.wikipedia.org/wiki/Schlehdorn

[5] de.wikipedia.org/wiki/Schlehdorn

[6] de.wikipedia.org/wiki/Schlehdorn

[7] Was blüht denn da? Kosmos Naturführer, von M. und R. Spohn, 59. Auflage, 2015, Seite 418, ISBN 978-3-440-13965-3

[8] www.myspirits.eu/sloe-gin?limit=all

[9] www.myspirits.eu/sloe-gin?limit=all und ginspiration.de/Gins-and-cocktails/sloe-gin-fizz-cocktail

[10] Zeitschrift LandGang, mein schöner Norden, Nr. 6 Nov-Dez 2020, ab Seite 100, Magazin Media Nord GmbH

[11] Zeitschrift LandGang, mein schöner Norden, Nr. 6 Nov-Dez 2020, ab Seite 100, Magazin Media Nord GmbH

[12] www.drhauschka.de/heilpflanzenlexikon/schlehe

[13] www.drhauschka.de/heilpflanzenlexikon/schlehe

[14] www.mein-schoener-garten.de/pflanzen/kirsche-zierkirsche/schlehe-schwarzdorn

von Alexandra Abredat 6. April 2026
Ostermontag ist wie ein Sonntag, der so tut, als wäre nichts Besonderes – und genau darin ist er erstaunlich gut. Man steht auf, der Tag wirkt harmlos, fast beiläufig. Kein großes Programm, kein gesellschaftlicher Druck. Und gerade deshalb passiert etwas, das an lauteren Tagen oft untergeht: Gedanken bekommen Raum. Ostermontag gehört liturgisch zu den höchsten Festtagen der Osteroktav, kein Nachklang, sondern ein zweiter Blick auf das, was vorher kaum zu fassen war. Im Evangelium gehen zwei Jünger nach Emmaus. Nicht zielstrebig, nicht hoffnungsvoll. Eher weg von dem, was sie nicht verstehen. Ein Fremder schließt sich ihnen an, hört zu, stellt Fragen, erklärt. Sie erkennen ihn nicht. Erst beim Brotbrechen begreifen sie, wen sie die ganze Zeit begleitet hat. Und in genau diesem Moment ist er verschwunden. Erkenntnis hat selten einen dramatischen Auftritt. Sie kommt leise und oft erst dann, wenn man nicht mehr damit rechnet. Vielleicht ist genau deshalb der Emmausgang geblieben. Kein Pflichttermin, sondern ein Weg, auf dem sich Gedanken sortieren dürfen. Mein eigener Weg begann zwei Tage vorher – zwischen Holzoberflächen, die so präzise gearbeitet sind, dass man unwillkürlich langsamer wird, und Räumen, die zeigen, wie durchdacht Wohnen sein kann. Der Besuch bei TEAM 7 in Ried war beeindruckend. Möbel, die nicht nur gut aussehen, sondern aus einem klaren Anspruch heraus entstehen: nachhaltige Materialien, ehrliches Handwerk, technische Lösungen, die nicht protzen, sondern funktionieren. Auch das Gebäude folgt dieser Haltung. Reduziert auf das Wesentliche, ressourcenschonend gedacht, ohne überflüssige Technik. Kein Showeffekt, sondern Konsequenz. Man spürt dort sehr deutlich, dass hochwertiges Design und echte Nachhaltigkeit sich nicht ausschließen, sondern gegenseitig tragen. Und ja, diese Möbel sind ihren Preis wert. Nur ist dieser Preis für mich nicht erreichbar. Der Gedanke kam nüchtern. Kein Neid, kein Ärger, eher ein inneres Abhaken: beeindruckend, absolut stimmig – und außerhalb meiner Reichweite. Und dann stand sie plötzlich im Raum, diese leise, unangenehme Frage: Habe ich in meinem Leben etwas falsch gemacht, oder vergleiche ich einfach nur falsch? 
von Alexandra Abredat 4. April 2026
Es beginnt nicht mit Glocken. Nicht mit Schokolade. Nicht einmal mit dem Osterhasen, der sich seit Jahren erfolgreich jeder ernsthaften Befragung entzieht. Es beginnt viel früher. Irgendwo zwischen einem zaghaften Sonnenstrahl und dem ersten Vogel, der morgens plötzlich wieder klingt, als hätte er einen Plan. Ostern liegt genau in diesem Moment. Offiziell ist es das höchste Fest des Christentums. Gefeiert wird die Auferstehung Jesu Christi am dritten Tag nach seinem Tod am Kreuz. Ein Thema, das zunächst nach schwerem Stoff klingt und dann doch erstaunlich nah wird. Im Kern geht es um etwas sehr Menschliches: Dass nach dunklen Zeiten wieder etwas aufbrechen kann. Dass Entwicklung möglich ist, auch wenn sie sich zwischendurch überhaupt nicht so anfühlt. Der Termin dieses Festes wirkt dabei fast wie ein poetischer Kompromiss zwischen Himmel und Erde. Ostern findet am Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond statt. Frühestens am 22. März, spätestens am 25. April. Kein starres Datum, sondern ein beweglicher Moment. Als würde man sagen: Dieses Fest braucht die richtige Stimmung, nicht nur den richtigen Tag. Mit der Nacht zum Ostersonntag beginnt die österliche Freudenzeit, die sich bis Pfingsten zieht. Freude wird hier nicht als kurzer Höhepunkt verstanden, sondern als etwas, das sich entfalten darf. Auch das wirkt erstaunlich lebensnah. In der Osternacht wird es zunächst dunkel. Bewusst. Dann wird ein Feuer entzündet. Kein symbolisches Flämmchen, sondern ein echtes, lebendiges Feuer. Daran wird die Osterkerze entzündet, und dieses Licht wird weitergegeben. Von Mensch zu Mensch. Ohne große Worte. Es funktioniert trotzdem. Parallel dazu läuft die zweite, sehr erfolgreiche Version von Ostern. Eier werden versteckt. Kinder suchen. Erwachsene tun so, als ginge sie das nichts an, und freuen sich dann doch über das letzte Stück Schokolade. Der Osterhase bleibt dabei ein Phänomen, das man besser nicht zu genau hinterfragt. Das Ei selbst ist allerdings alles andere als Zufall. Es ist eines der ältesten Symbole überhaupt. Geschlossen, unscheinbar, und gleichzeitig voller Leben. Wenn man lange genug darüber nachdenkt, wird es fast ein bisschen philosophisch. Wenn man hungrig ist, bleibt es einfach ein Ei. Was oft übersehen wird: Ostern steht nicht für sich allein. Es ist eng mit einem anderen, viel älteren Fest verbunden – dem Pessachfest im Judentum, auch Passa, Passach, Passah oder Pascha genannt. Dieses Fest erinnert an den Auszug der Israeliten aus Ägypten. An die Befreiung aus der Sklaverei. An den Moment, in dem aus Abhängigkeit plötzlich Freiheit wird. Pessach wird im Frühling gefeiert, im Monat Nisan, und dauert mehrere Tage. Es beginnt mit dem Sederabend, einem bewusst gestalteten Familienfest. Dort wird die Geschichte des Auszugs erzählt, gegessen, gefragt und erklärt. Besonders schön ist, dass die jüngste Person am Tisch Fragen stellt. Nicht aus Höflichkeit, sondern weil Fragen ausdrücklich dazugehören. Diese Erzählung wird nicht nur erinnert, sondern immer wieder neu erlebt. Jeder soll sich fühlen, als wäre er selbst Teil dieser Geschichte gewesen. Nicht Zuschauer, sondern Beteiligter. Das ist keine kleine Idee. Das ist Identität. Auch die Speisen tragen Bedeutung. Ungesäuertes Brot, sogenannte Matzen, erinnert daran, dass beim Aufbruch keine Zeit blieb, Teig gehen zu lassen. Bitterkräuter stehen für die Härte der Sklaverei. Nichts daran ist zufällig. Alles erzählt. Und genau hier berühren sich Pessach und Ostern. Denn die Ereignisse rund um Jesus fanden während einer Pessachwoche statt. Das letzte Abendmahl wird in den Evangelien als Pessachmahl beschrieben. Die Vorstellung vom „Lamm Gottes“ greift das Pessachlamm auf, das ursprünglich als Zeichen des Schutzes und der Rettung galt. Selbst zentrale Elemente der christlichen Tradition – gemeinsames Mahl, Segensbecher, Deutung von Speisen – haben ihre Wurzeln im jüdischen Seder. Man könnte sagen: Ohne Pessach kein Ostern. Beide Feste erzählen auf ihre Weise von Befreiung. Im Judentum ganz konkret aus der Sklaverei in Ägypten, im Christentum in einer übertragenen, spirituellen Form als Hoffnung auf neues Leben. Unterschiedliche Perspektiven, aber eine gemeinsame Grundbewegung. Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Stärke dieses Festes. Es verbindet Zeiten, Geschichten und Erfahrungen miteinander. Es erinnert daran, dass Aufbruch selten laut beginnt und dass Hoffnung oft leise wächst. Manchmal genügt es, diesen Moment wahrzunehmen. Der Rest geschieht ohnehin. Quellen: Ostern – Wikipedia Pessach – Wikipedia
von Alexandra Abredat 4. April 2026
Fast jeder hat schon einmal selbstbewusst auf eine Tanne gezeigt – und dabei ziemlich sicher eine Fichte gemeint. Ein Klassiker. Passiert häufiger, als man zugeben möchte. Die echte Weißtanne, Abies alba, bleibt dabei meist im Hintergrund. Völlig zu Unrecht. Sie gehört zu den eindrucksvollsten und zugleich sensibelsten Baumarten Europas – nur eben nicht zu denen, die sich aufdrängen. Ihre Stärke liegt im Leisen. Sie zeigt sich Schicht für Schicht, und nur denjenigen, die bereit sind, ein zweites Mal hinzusehen. Die Weißtanne gehört zur Gattung der Tannen innerhalb der Familie der Kieferngewächse (Pinaceae). Ihr Name verweist auf eines ihrer markantesten Merkmale: die helle, oft silbrig-graue Borke. Diese bleibt bei jungen Bäumen lange glatt und wirkt beinahe weich, bevor sie im Alter aufreißt und eine schuppige Struktur entwickelt. In der Rinde finden sich kleine Harzblasen, die nicht nur botanisch interessant sind, sondern auch eine lange Geschichte in der Volksmedizin tragen. Ein unmittelbares Erkennungsmerkmal zeigt sich in den Nadeln. Sie sind flach, weich und stumpf. Eine Berührung ist möglich, ohne Zurückweichen. Die Unterseite trägt zwei deutlich sichtbare, helle Streifen. Diese entstehen durch Reihen von Spaltöffnungen und verleihen der Nadel einen silbrigen Schimmer. Die Nadeln sitzen scheinbar direkt am Zweig, fast so, als wären sie angesetzt oder angesaugt. Dieses Detail wirkt unscheinbar, prägt jedoch den gesamten Charakter des Baumes. Die Weißtanne ist eine ausgesprochene Schattenbaumart. Ihre Keimlinge und Jungpflanzen können über viele Jahre im Halbdunkel des Waldes bestehen. In dieser Phase wächst sie langsam, beinahe zurückhaltend, während sie gleichzeitig ihre innere Struktur festigt. Sobald sich eine Lichtlücke öffnet, reagiert sie mit bemerkenswerter Dynamik. Wachstum entsteht dann nicht hastig, sondern kraftvoll und ausdauernd. Unter günstigen Bedingungen erreicht die Weißtanne Höhen von 30 bis 50 Metern, in Ausnahmefällen sogar darüber hinaus. Ihr Lebensalter kann mehrere Jahrhunderte umfassen. Während dieser langen Zeit verändert sich ihre Gestalt. Junge Bäume zeigen eine klassische, spitze Krone. Mit zunehmendem Alter verliert der Gipfeltrieb an Dominanz, während die Seitenäste weiterwachsen. Es entsteht die sogenannte Storchennestkrone, ein Bild von Reife und Anpassung. Von besonderer Bedeutung ist ihr Wurzelsystem. Die Weißtanne entwickelt eine ausgeprägte Pfahlwurzel, die tief in den Boden reicht. Ergänzt wird sie durch weitreichende Seitenwurzeln, die den Boden zusätzlich erschließen. Diese Kombination verleiht ihr eine außergewöhnliche Standfestigkeit. Gleichzeitig trägt sie zur Stabilisierung des Bodens und zur Verbesserung des Wasserhaushalts im Wald bei. Ihre Wurzeln verbinden sich häufig mit denen benachbarter Bäume und bilden ein unterirdisches Netzwerk, das Austausch und Unterstützung ermöglicht. Ihr natürliches Verbreitungsgebiet erstreckt sich über große Teile Europas, vor allem entlang der Gebirgsräume von den Pyrenäen bis zum Balkan. In Österreich findet man sie vor allem in den Alpen sowie in den höheren Lagen des Wald- und Mühlviertels. Sie bevorzugt luftfeuchte Standorte mit ausreichender Wasserversorgung, zeigt jedoch eine gewisse Toleranz gegenüber unterschiedlichen Böden. Eine konstante Wasserversorgung ist für ihr Wachstum wichtiger als hohe Nährstoffverfügbarkeit. Die Weißtanne ist eng in das ökologische Gefüge des Waldes eingebunden. Sie lebt in enger Verbindung mit Pilzen, mit denen sie sogenannte Mykorrhiza-Partnerschaften eingeht. Diese Symbiosen ermöglichen einen verbesserten Austausch von Nährstoffen und Wasser. Gleichzeitig bietet sie Lebensraum für zahlreiche Tierarten, von Insekten bis zu Vögeln. Trotz dieser Bedeutung ist ihr Bestand in den letzten Jahrhunderten deutlich zurückgegangen. Forstwirtschaftliche Entscheidungen, insbesondere die Bevorzugung der Fichte, haben dazu geführt, dass die Weißtanne vielerorts verdrängt wurde. Kahlschläge, Übernutzung und eine veränderte Waldstruktur erschwerten ihre natürliche Verjüngung. Hinzu kommt ein starker Verbiss durch Wildtiere, der junge Pflanzen besonders betrifft. Auch Umweltbelastungen haben ihre Spuren hinterlassen. Die Weißtanne reagiert empfindlich auf Luftschadstoffe, insbesondere auf Schwefeldioxid. In Zeiten hoher Emissionen kam es zu erheblichen Schäden in den Beständen. Erst mit der Verbesserung der Luftqualität konnte sich die Situation teilweise stabilisieren.

3. April 2026
Wenn aus Pflanzen Essenz wird – und aus Gedanken Klarheit Während meines Erasmus-Aufenthalts in Österreich und meiner Arbeit bei Sensoleo im Bereich Destillation und ätherische Öle hat sich nach und nach eine Verbindung gezeigt, die meine Arbeit prägt: die Verbindung von Naturcoaching und der Destillation ätherischer Öle. die Verbindung von Naturcoaching und der Destillation ätherischer Öle. Auf den ersten Blick wirken diese beiden Bereiche unterschiedlich. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich, wie nah sie sich sind. Beides sind Prozesse. Beides braucht Zeit, Aufmerksamkeit und einen klaren Rahmen. Beides entzieht sich jeder Beschleunigung. Im Naturcoaching geht es darum, in Kontakt zu kommen – mit sich selbst, mit einem Thema, mit dem, was gerade da ist. Die Natur ist dabei kein Hintergrund, sondern Gegenüber. Sie bringt Ruhe, weitet den Blick und ermöglicht eine Klarheit, die sich in geschlossenen Räumen oft nicht einstellt. Auch die Destillation folgt diesem Prinzip. Der Prozess beginnt nicht erst mit dem ersten Tropfen.
von Alexandra Abredat 3. April 2026
Es ist ein eigenartiger Moment, wenn ein Tag, der sich jahrelang „anders“ angefühlt hat, plötzlich ganz gewöhnlich wird. In Österreich ist der Karfreitag kein gesetzlicher Feiertag mehr. Die Welt läuft weiter, Termine bleiben bestehen, Supermärkte sind geöffnet. Und ich merke: Gerade dadurch wird dieser Tag spürbar. In Deutschland kenne ich ihn als stillen Einschnitt. Ein Tag, der sich fast von selbst entschleunigt. Weniger Lärm, weniger Bewegung, oft auch weniger Ablenkung. Es gibt Regeln, ja – Tanzverbot, eingeschränkte Veranstaltungen – aber dahinter liegt etwas Tieferes: eine kollektive Übereinkunft, dass dieser Tag nicht laut sein soll. In Österreich ist das anders. Hier ist der Karfreitag heute ein „persönlicher Feiertag“. Wer möchte, kann ihn sich frei nehmen – aus dem eigenen Urlaub. Wer arbeitet, arbeitet. Der Tag gehört nicht mehr allen, sondern jedem Einzelnen. Und genau da beginnt für mich die eigentliche Frage: Was passiert mit einem stillen Tag, wenn er nicht mehr geschützt ist?  Der Karfreitag ist kein freundlicher Feiertag. Sein Name kommt vom althochdeutschen „kara“ – Klage, Trauer, Schmerz. Es ist ein Tag, der nicht tröstet, sondern zuerst einmal konfrontiert. Im christlichen Verständnis wird an diesem Tag des Leidens und Sterbens Jesu gedacht. Die Kreuzigung – ein brutales, endgültiges Geschehen.
von Alexandra Abredat 30. März 2026
Der Name Sauwald steht am Anfang dieser Landschaft wie ein leiser Stolperstein. Er klingt schlicht, beinahe grob, als würde er nicht recht zu dem passen, was sich dahinter verbirgt. Schnell ist die volkstümliche Erklärung zur Hand: Wildschweine, die einst durch diese Wälder zogen. Doch der Blick zurück öffnet eine andere Spur. Wahrscheinlicher verweist der Name auf den „Passauer Wald“, auf die enge historische Verbindung zur Stadt Passau und ihrem Bistum. In diesem scheinbar einfachen Wort liegt also bereits eine Schichtung aus Geschichte, Deutung und Erinnerung. Landschaft beginnt hier nicht erst mit dem, was sichtbar ist, sondern mit dem, was benannt wurde.  Im Rahmen meines achtwöchigen Erasmus-Aufenthalts in Österreich entsteht eine besondere Form von Aufmerksamkeit für solche Orte. Der Alltag ist geprägt von körperlicher Arbeit, von Anstrengung, die sich unmittelbar im Körper abbildet. Muskeln, die sich melden, Bewegungen, die bewusster werden, ein Rhythmus, der sich langsam verschiebt. Gerade in dieser körperlichen Erfahrung öffnet sich ein Raum für Wahrnehmung. Der Sauwald tritt darin nicht als spektakuläres Ziel hervor, sondern als etwas, das sich schrittweise erschließt. Eine Landschaft, die nicht überwältigt, sondern begleitet. Geologisch betrachtet gehört der Sauwald zur Böhmischen Masse, einem der ältesten Grundgebirge Europas. Diese uralte Struktur prägt bis heute das Erscheinungsbild. Südlich der Donau erhebt sich das Gebiet als plateauartige Formation und zieht sich über etwa vierzig Kilometer von Passau und Schärding am Inn bis in den Raum Aschach und Eferding. Die Breite variiert zwischen zehn und zwanzig Kilometern, doch diese Zahlen erfassen nur unzureichend, was sich tatsächlich zeigt. Entscheidend ist die Form. Nach Norden hin fällt das Gelände steil zur Donau ab. Die sogenannten Donauleiten markieren diesen Übergang eindrucksvoll. In die anderen Richtungen hingegen verliert sich die Höhe sanfter im Alpenvorland. Diese klare Abgrenzung verleiht dem Sauwald eine Eigenständigkeit, die sich auch ohne Kartenlesen erschließt.
von Alexandra Abredat 29. März 2026
Es beginnt nicht mit Fliesen. Es beginnt mit einer Wahrheit, die man nicht mehr wegerklären kann: Mein Badezimmer war einmal ein Schweinestall. Nicht im übertragenen Sinn. Kein charmantes „ein bisschen in die Jahre gekommen“. Sondern ganz konkret. Mit allem, was dazugehört. Geschichte, Geruch – und einer sehr klaren Vorstellung davon, wofür dieser Raum ursprünglich gedacht war. Spoiler: Wellness gehörte nicht dazu.
von Alexandra Abredat 28. März 2026
Der Morgen liegt noch kühl über dem Inn, als hätte die Nacht ihre Finger nicht ganz von der Landschaft gelöst. Nebel zieht in feinen Schleiern über das Wasser, bleibt hängen an Schilfkanten, an Weidenzweigen, an den stillen Buchten der Altwässer. Während meines achtwöchigen Erasmus-Aufenthalts in Österreich nehme ich mir immer wieder Zeit, genau hier stehen zu bleiben. Es ist kein Ort, der sich aufdrängt, sondern einer, der sich erst zeigt, wenn man bereit ist zu schauen. 
von Alexandra Abredat 28. März 2026
Die Reise beginnt lange, bevor ein Motor anspringt. Sie beginnt in einem diffusen Zwischenraum aus Idee und Zweifel, irgendwo im Sommer 2025, als der Gedanke an Erasmus+ zum ersten Mal nicht mehr nur abstrakt blieb, sondern sich langsam verdichtete. Europa, Austausch, Entwicklung – große Worte, die in der Praxis plötzlich ganz konkret werden. Formulare, Abstimmungen, E-Mails, Fristen. Vieles davon war überraschend klar strukturiert und mit etwas Geduld gut zu bewältigen. Die eigentliche Herausforderung lag jedoch nicht im Organisatorischen, sondern im Inneren. In diesem leisen Unbehagen, das sich meldet, wenn man nicht genau weiß, worauf man sich einlässt und das sich auch nicht sofort legt. Sensoleo in Österreich war zu diesem Zeitpunkt noch mehr Vorstellung als Realität. Ich wusste, dass dort destilliert wird, dass mit Pflanzen gearbeitet wird, dass Qualität und Regionalität eine Rolle spielen. Aber wie sich das anfühlen würde, wie es riecht, klingt, sich im Körper anfühlt – das wusste ich nicht. Und genau darin lag eine eigentümliche Spannung: nicht vorbereitet im klassischen Sinne zu sein, sondern offen. Die Fahrt Anfang März verläuft ruhig, fast unspektakulär. Passau bleibt ein kurzer Moment am Rand, ein Übergang, kein Ziel. Dahinter beginnt etwas anderes. Die Straßen werden kurviger, die Landschaft weiter und gleichzeitig stiller. Wälder, Felder, vereinzelte Höfe. Mein erster Halt liegt in Esternberg. Die Arbeit findet in Münzkirchen statt, ein paar Kilometer entfernt. Das Ankommen ist warm – so, wie es sich schon im Mail- und Telefonkontakt angedeutet hat. Kein vorsichtiges Herantasten, sondern sofortige Offenheit. Ich werde nicht nur begrüßt, ich werde aufgenommen. Meine Unterkunft ist großzügig, modern und ruhig. Kein Übergangsort, sondern ein Raum, der Stabilität gibt. Und genau das verändert den Blick auf alles, was folgt. Schneller, als es sich vorher angefühlt hat. 
von Alexandra Abredat 23. Januar 2026
Ein Wintermärchen mit Pfoten, Federn und Herz: Manchmal braucht eine Geschichte länger als geplant. Sie trödelt ein wenig, macht Umwege, setzt sich zwischendurch in den Schnee und schaut erst einmal. Genau so eine Geschichte ist Pfoten im Schnee . Und jetzt ist sie fertig. Endlich. Und ich freue mich sehr.
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