Warum Clover Club? Von Wildkräutern und Cocktails zur eigenen Bar
Die Idee für meine zukünftige Cocktailbar ist nicht plötzlich entstanden. Sie begleitet mich schon seit meiner Ausbildung zur Kräuterpädagogin. Für meine Abschlussarbeit habe ich mich mit Wildkräuter-Cocktails beschäftigt. Mich hat damals besonders interessiert, wie sich Pflanzenwissen und Barkultur miteinander verbinden lassen. Welche Aromen bringen Wildkräuter mit? Wie lassen sie sich verarbeiten? Welche Pflanzen eignen sich für Sirupe, Infusionen oder andere Zubereitungen? Und wie wird aus einer Pflanze, die am Wegesrand wächst, ein interessanter Cocktail? Mit der Abgabe meiner Arbeit war das Thema für mich keineswegs abgeschlossen. Wildkräuter-Cocktails beschäftigen mich bis heute, ebenso wie Pflanzen, Aromen, Garten und die Frage, was sich aus natürlichen Zutaten entwickeln lässt. Inzwischen sind weitere Bereiche hinzugekommen, die für meine Idee eine wichtige Rolle spielen. Als Kräuterpädagogin vermittle ich Pflanzenwissen und beschäftige mich mit der Verwendung von Kräutern und Wildpflanzen. Als Naturcoach arbeite ich mit der Beziehung zwischen Mensch und Natur. Durch meine Ausbildung als Gärtnerin kenne ich Pflanzen auch aus der praktischen Perspektive und weiß, was hinter Anbau, Pflege und Saisonalität steckt. Die Cocktailwelt ergänzt diese Bereiche auf eine sehr spannende Weise.
Denn auch ein Cocktail beginnt mit Aromen.
Wenn Pflanzen ins Glas wandern
Mich interessiert deshalb nicht nur, welcher Gin in einem Drink steckt. Mich interessiert auch, welche Pflanze dahintersteht, wann sie wächst, wie sie riecht und schmeckt und wie sich ihr Charakter in einem Getränk ausdrücken lässt. Holunderblüte, Waldmeister, Minze, Thymian, Beeren, Hagebutten oder Fichtenspitzen eröffnen völlig unterschiedliche aromatische Möglichkeiten. Aus ihnen können Sirupe, Infusionen, Auszüge oder Bestandteile eines Cocktails entstehen. Genau hier liegt für mich die Verbindung zwischen meiner Arbeit mit Pflanzen und meiner Begeisterung für Cocktails. Die Natur liefert die Aromen. Der Garten liefert saisonale Zutaten. Das Handwerk macht daraus einen Drink. Eine eigene Bar wäre deshalb für mich keine Abkehr von meiner bisherigen Arbeit, sondern vielmehr eine konsequente Weiterentwicklung. Dann fehlte nur noch der passende Name.
Warum ausgerechnet Clover Club?
Die Antwort führt über einen Cocktail: Clover Club heißt ein klassischer Gin-Cocktail, dessen Geschichte bis zum Ende des 19. Jahrhunderts zurückreicht. Namensgeber war der gleichnamige Herrenclub in Philadelphia, der 1882 gegründet wurde und in dem sich Geschäftsleute, Juristen, Politiker und Journalisten trafen. Der Cocktail entwickelte sich in diesem Umfeld und wurde zu einem Klassiker der amerikanischen Barkultur. Frühe schriftliche Rezepte lassen sich bis in die ersten Jahre des 20. Jahrhunderts zurückverfolgen. Seine klassische Rezeptur ist erstaunlich überschaubar: Gin, Zitronensaft, Himbeersirup und Eiweiß beziehungsweise eine entsprechende Alternative. Gerade diese Kombination macht den Clover Club interessant. Der Gin bringt botanische Aromen, die Zitrone sorgt für Säure und Frische, die Himbeere für Frucht und Süße. Das Eiweiß gibt dem Drink seine charakteristische seidige Textur und die feine Schaumkrone. Ein Cocktail, der gleichzeitig botanisch, fruchtig und handwerklich anspruchsvoll ist, passt natürlich ziemlich gut zu meiner Geschichte.
Was hat der Klee damit zu tun?
Clover bedeutet Klee. Damit schließt sich für mich die Verbindung zur Pflanzenwelt. Klee gehört zu den Pflanzen, die wir beinahe überall sehen und trotzdem oft übersehen. Wer sich näher mit Pflanzen beschäftigt, erkennt schnell, dass auch hinter einem vermeintlich gewöhnlichen Kleeblatt eine interessante botanische und ökologische Geschichte steckt. Genau dieses bewusste Hinschauen gehört zu meiner Arbeit. Als Kräuterpädagogin möchte ich Menschen für Pflanzen begeistern, die ihnen längst vertraut erscheinen. Als Naturcoach geht es mir darum, Natur bewusst wahrzunehmen und mit allen Sinnen zu erleben. Als Gärtnerin interessiert mich, wie Pflanzen wachsen und welche Bedingungen sie benötigen. Clover verbindet diese Pflanzenwelt mit der Cocktailwelt. Der Name macht damit genau das, was auch meine zukünftige Bar können soll: zwei Bereiche zusammenbringen, die auf den ersten Blick vielleicht nicht selbstverständlich zusammengehören und bei genauerem Hinsehen erstaunlich gut harmonieren.
Ein Cocktail mit Geschichte und ein Name mit persönlichem Bezug
Der Clover Club selbst hat im Laufe der Zeit eine bemerkenswerte Reise hinter sich. Nach seiner Blütezeit geriet er weitgehend in Vergessenheit und erlebte erst mit der Renaissance klassischer Cocktails eine neue Aufmerksamkeit. Dass ein alter Cocktail irgendwann wiederentdeckt wird, gefällt mir besonders. Denn auch meine Arbeit mit Pflanzen hat viel mit dem Wiederentdecken zu tun. Wildkräuter stehen schon immer vor unseren Füßen. Alte Anwendungen, traditionelle Pflanzenkenntnisse und vergessene Aromen warten darauf, wieder wahrgenommen zu werden. Der Clover Club passt deshalb nicht nur wegen seines Namens zu meiner Idee. Auch seine Geschichte passt.
Eine Bar, die aus meiner bisherigen Arbeit wächst
Wenn ich an meine zukünftige Bar denke, sehe ich deshalb keinen Ort, der nur klassische Cocktails serviert. Ich sehe einen Ort, an dem meine verschiedenen Themen zusammenfinden. Dort darf die Kräuterpädagogin über Pflanzen sprechen, die Naturcoachin die Natur als Inspiration mitbringen und die Gärtnerin über saisonale Zutaten nachdenken. Die Cocktailgärtnerin darf schließlich überlegen, wie aus diesen Pflanzen und Aromen ein guter Drink entsteht. Dabei möchte ich nicht einfach möglichst viele Kräuter in Cocktails verstecken. Entscheidend ist für mich, dass jede Zutat einen geschmacklichen und möglichst auch einen erzählerischen Sinn hat. Ein Cocktail darf nach einer Sommerwiese duften. Ein anderer kann die Aromen des Waldes aufnehmen. Saisonale Früchte können zu Sirupen werden, Kräuter zu Infusionen und bekannte Pflanzen zu völlig neuen Geschmackserlebnissen. So entsteht eine Bar, in der die Natur nicht nur Dekoration ist. Sie wird Teil des Geschmacks.
Warum Clover Club für mich mehr als ein schöner Name ist
Ich möchte einen Namen, der meine bisherige Arbeit nicht verleugnet, sondern sichtbar weiterführt. Clover Club verbindet Pflanzen und Cocktails, Natur und Genuss, Garten und Aromen. Der Begriff „Clover“ schafft die Verbindung zur Pflanzenwelt. Der historische Clover Club bringt die Geschichte der klassischen Barkultur dazu. Der „Club“ steht zugleich für einen Ort, an dem Menschen zusammenkommen, miteinander sprechen, genießen und eine gute Zeit verbringen. Das vierblättrige Kleeblatt darf dabei natürlich ebenfalls mitspielen. Es gilt als Glücksbringer und bringt genau die kleine Portion Leichtigkeit und Augenzwinkern mit, die eine Bar meiner Meinung nach ebenfalls braucht.
Vor allem aber steckt hinter dem Namen meine eigene Geschichte. Die Geschichte beginnt mit meiner Abschlussarbeit über Wildkräuter-Cocktails. Sie führt über meine Arbeit als Kräuterpädagogin, Naturcoach und Gärtnerin weiter zu meiner Beschäftigung mit Aromen und Cocktails. Eine zukünftige Bar wäre deshalb kein völlig neuer Weg. Sie wäre der nächste Schritt auf einem Weg, der längst begonnen hat. Vielleicht steht irgendwann tatsächlich Clover Club über der Tür. Dann erzählt dieser Name nicht nur die Geschichte eines alten Cocktails. Er erzählt auch meine. Von den Wildkräutern zum Cocktail. Vom Garten ins Glas. Von der Natur an die Bar. Genau dafür soll Clover Club stehen.
Clover Club
Zutaten für 1 Cocktail
- 4,5 cl Gin
(zum Beispiel Tanqueray London Dry Gin oder Brockman’s Premium Gin) - 1,5 cl frisch gepresster Zitronensaft
- 1,5 cl Himbeersirup
- 1 Eiweiß
alternativ: 20 ml Aquafaba oder 4 Tropfen Cocktail Foamer
Zubereitung
Gin, Zitronensaft, Himbeersirup und Eiweiß zunächst ohne Eis kräftig shaken. Dieser sogenannte Dry Shake sorgt dafür, dass sich das Eiweiß gut mit den übrigen Zutaten verbindet und eine feine, stabile Schaumkrone entsteht.
Anschließend Eiswürfel dazugeben und den Cocktail erneut kräftig shaken. Durch das zweite Shaken kühlt der Drink ab und erhält seine charakteristische cremige Textur.
Den Clover Club ohne Eis in ein gekühltes Cocktailglas abseihen und sofort servieren.
Glas: Coupette bzw. klassisches Cocktailglas
Servierweise: Straight up – gekühlt und ohne Eis
Quellen:
Clover Club Cocktail - Rezept, Zubereitung & passende Gins - GINspiration.de
Einfach, erfrischend, erfrischend einfach: Der Clover Club
Clover Club Cocktail | Rezept für den Gin-Cocktail mit Himbeeren
Clover Club cocktail - Wikipedia











