Schafgarbe, Wiesen-Schafgarbe – Ich heile Deine Wunden und schenke Dir die Kraft der Beharrlichkeit

Alexandra Abredat

Die über 100 Arten der Schafgarbe (Achillea) sind in Europa und West-Asien heimisch. Ihre pflegeleichte Art, Farbenvielfalt und die Beliebtheit bei Insekten hat sie als Zierpflanze in die Gärten gebracht. Außerdem ist die Schafgarbe Teil der großen Familie der Heilpflanzen. Ihre wertvollen Inhaltsstoffe wirken als Tee, Tinktur oder Bad positiv auf Leber, Magen, Darm, Galle und Haut. Der Gattungsname Achillea geht auf Achilleus, den sagenhaften Helden des trojanischen Krieges zurück, der die Pflanze als Droge entdeckt und zur Wundheilung verwendet haben soll (Ilias, 11. Gesang, Vers 822ff.), während der Artname millefolium (= Tausendblatt) auf die fein zerteilte Blattspreite anspielt. Ihren deutschen Namen erhielt die in der Volksmedizin geschätzte Gemeine Schafgarbe, weil sie so gerne von Schafen gefressen wird. Der deutsche Pflanzenname „Garbe“ beruht auf mittelhochdeutsch garwe. Was mit „bereitstellen“ oder „Gesund machen“ interpretiert werden kann. [1]

Die Gemeine Schafgarbe gehört zu den Wurzelkriechern und Pionierpflanzen. Sie gilt als Bodenfestiger und Nährstoffzeiger vor allem für stickstoffhaltige Böden. [2]

Vorkommen

Die Gewöhnliche Schafgarbe (Achillea millefolium) kommt ursprünglich in Eurasien, in Nord- und Mittelamerika vor. In Südamerika, Afrika, Australien, Neuseeland und in Hawaii ist sie ein Neophyt.

Als Standort werden Wiesen, (Schaf-)Weiden, Halbtrockenrasen, Acker- und Wegränder bevorzugt. In den Alpen steigt sie auf Höhenlagen von etwa 1.900 Metern. In den Allgäuer Alpen steigt sie in Vorarlberger Teil an der Üntschenspitze [1] in Gipfelnähe bis zu einer Höhenlage von 2.139 Metern auf. Sie ist fast kosmopolitisch verbreitet. Nur in mediterranen Gebieten ist sie selten.


Vegetative Merkmale

Bei den Achillea-Arten handelt es sich um ausdauernde krautige Pflanzen, selten Halbsträucher, die Wuchshöhen von 6 bis zu 80 Zentimetern erreichen. Meist duftet die ganze Pflanze aromatisch. Im Frühling treibt das Rhizom eine Blattrosette aus. Später wächst ein Stängel, auf dem sich die Blüten bilden. Der glatte bis behaarte Stängel ist zäh und innen markhaltig.

Die wechselständig angeordneten Laubblätter sind gestielt bis sitzend. Die Blattspreiten sind schmal und gefiedert. [2]


Generative Merkmale

Der einfache oder zusammengesetzte scheindoldige Blütenstand besteht aus vielen kleinen körbchenförmigen Teilblütenständen. 10 bis 30 Hüllblätter stehen in (ein bis) zwei bis drei (bis vier) Reihen. Die Blütenkörbchen weisen meist einen Durchmesser von 2 bis 3 (selten 5) Millimeter auf und enthalten (5 bis) 15 bis mehr als 75 Röhren- und selten keine, meist aber drei bis fünf (bis zwölf oder selten mehr) Zungenblüten. Die Farbe der Zungenblüten der meisten Arten ist weiß bis schwach gelblich, auch rosa Färbungen kommen vor.

Die Achänen besitzen meist zwei Rippen. [3]

Bestäubung

Die Bestäubung erfolgt durch Insekten. Die Früchte werden von Wind und Ameisen ausgebreitet. [6]

Einige morphologisch ähnliche Arten

Es können Verwechslungen mit dem Wiesenschaumkraut (Cardamine pratensis), dem gefleckten Schierling (Conium maculatum) oder mit dem Riesenbärenklau (Heracleum mantegazzianum) passieren. [7]


Für Tiere

Schafgarbe hilft auch Tieren bei einer Vielzahl von Magen-Darm-Beschwerden und bei innerlichen und äußeren Blutungen. Auch die Nieren werden unterstützt. Aus der Beobachtung ist bekannt, dass Schafe, wenn sie krank sind, dieses aromatische Kraut fressen. Das althochdeutsche Wort „Garwe“ bedeutet „Gesundmacher“, somit heißt „Schaf-Garwe“ ein Gesundmacher der Schafe. [8]


Verwendung

Verwendung finden die blühenden Schafgarben als Bitter-Tonika bei Verdauungsstörungen und Koliken. Zudem werden die Blüten zur Pflege der Gesichtshaut in Dampfbädern eingesetzt. Die frischen Triebe und Blätter können außerdem als Beigabe zu Salaten verwendet werden und die ätherischen Öle wirken schleimlösend.

Aus den Stängeln wurden Stäbchen für das traditionelle chinesische Schafgarbenorakel gefertigt. [9]

In früheren Zeiten wurde Schafgarbe zum Gelbfärben von Wolle verwendet. Dazu verwendete man getrocknete Blätter, Stängel und Blüten. Die Wolle musste vor dem Gelbfärben mit Alaunen gebeizt werden. [10]

Die Schafgarbe wird nicht mehr oft industriell verarbeitet. Im Pircher Schafgarbe Likör [11], Roner Z44 Gin [12] beide aus Südtirol und Citadelle No Mistake Old Tom Gin [13] aus Frankreich befinden sich als Botanical die Scharfgabe. Auch im Amaro Lucano Kräuterbitter [14] aus Italien wird diese Pflanze noch verarbeitet. Trinken Sie den Likör um die 16 Grad Celsius.


Schafgarben Likör

  • 1 bis 2 Dolden Schafgarbenblüten
  • 220 ml Wodka oder Doppelkorn
  • 1 Sternanis
  • 1 EL braunen Kandiszucker oder Honig nach eigenem Geschmack

Zubereitung

  • Die Schafgarbenblüten (ohne Stiele) grob zerkleinern und in eine Flasche geben
  • Den Kandiszucker dazugeben
  • Mit Wodka oder Doppelkorn auffüllen
  • 4 Wochen an einem hellen und warmen Standort ziehen lassen
  • Durch ein feines Sieb oder durch ein Kaffeefilter filtern
  • In Flaschen füllen und verschließen
  • Noch 4 Wochen ziehen lassen und anschließend dunkel und kühl lagern

Eignet sich zur besseren Verdauung. [15]


Schafgarben Limonade

Neben Tee und Likör findet die Schafgarbe auch in leckerer Limonade ihre Anwendung. Die Herstellung von Schafgarbenlimonade ist überaus simpel und wenig zeitaufwendig. Benötigt werden für die Umsetzung Zucker und Wasser. Die Zubereitungszeit beträgt etwa 10 Minuten. Zunächst sollten die Blüten kurz abgespült werden. Anschließend kann die gewünschte Menge an Zucker mit dem Wasser vermischt, gelöst und umgerührt werden. Nun werden die Blüten in das Zucker- und Wassergemisch gelegt. Bei Bedarf können auch Zitronen – die zuvor geschnitten werden – in die Limonade gespritzt werden. Vor dem Servieren sollte die nun fertige Limonade über Nacht an einem kühlen Ort gelagert werden, damit sie perfekt ziehen und den Geschmack intensiveren kann. [16]


Heilpflanze

Als Arzneidroge werden oberirdische Teile der Gemeinen Schafgarbe wie Stängel, Blätter und die Blüten genutzt (Schafgarbenkraut, lat. Millefolii herba; Schafgarbenblüte, lat. Millefolii flos). Sie können als Aufguss oder als Frischpflanzenpresssaft verarbeitet werden. Zubereitungen aus Schafgarbenkraut wirken gallenflussanregend (choleretisch), antibakteriell, zusammenziehend (adstringierend) und krampflösend (spasmolytisch).

Innerlich wird Schafgarbenkraut vorwiegend bei Anorexie (Appetitlosigkeit) und dyspeptischen Beschwerden verwendet (Völlegefühl, krampfartigen Erscheinungen im Verdauungstrakt, Flatulenzen (Blähungen)). Weitere Anwendungsgebiete sind schmerzhafte Krampfzustände psychovegetativen Ursprungs im kleinen Becken der Frau, hierzu werden aus dem Schafgarbenkraut Sitzbäder bereitet.


Volksheilkundlich wird Schafgarbenkraut zur Anregung der Gallensaftproduktion eingesetzt sowie bei Blasen- und Nierenerkrankungen und Menstruationsbeschwerden. Äußerlich werden Schafgarbenauszüge aufgrund ihrer antibakteriellen und adstringierenden Wirkung bei Entzündungen, Wunden, Hämorrhoiden und zur Minderung übermäßiger Schweißbildung verwendet, eine Wirksamkeit ist nicht belegt. Gesichert gilt die hepatoprotektive (die Leber schützende) Eigenschaft von Achillea millefolium und deren Extrakten.

Weiters soll die Gemeine Schafgarbe schweißtreibend und blutdrucksenkend (vor allem bei Arterieller Hypertonie (Bluthochdruck) mit Neigung zur Thrombose) sein und gegen Fieber helfen.

Schon im Altertum war die Schafgarbe bekannt als Heilpflanze bei den Germanen, den Indianern Amerikas und den Chinesen, die sie auch für das Schafgarbenorakel verwendeten. Sie wird auch als Mittel zur Wundheilung und zur Stillung von Blutungen genannt. [17]


Die Inhaltsstoffe der Schafgarbe, die vor allem aus ätherischen Ölen, Bitterstoffen und Gerbstoffen bestehen, machen die Pflanze zu einem interessanten und in der Regel gut verträglichem Heilkraut. Darüber hinaus enthält der Korbblütler nennenswerte Anteile an Salicylaten bzw. Salicylsäure, die v.a. eine schmerzhemmende Wirkung haben. Die Gesamtheit der Stoffe zeigt u.a. die folgenden Heilwirkungen: schleimlösend, verdauungsfördernd, wundheilend, krampflösend, antibakteriell, teilweise antimykotisch, appetitanregend und schmerzlindernd. [18]


Schafgarben Wickel

Bei Leber-Galle-Beschwerden oder begleitend zu Fasten- und Entgiftungskuren kommt Schafgarbenwickel als feuchtheiße Leberkompresse zum Einsatz. Die feuchte Wärme verstärkt die krampflösenden Eigenschaften der Schafgarbe. Außerdem wird die Entgiftungsfunktion der Leber angeregt. Es ist günstig, den Schafgarbenwickel nach den Mahlzeiten anzuwenden. Je nach Situation ist dies über einen längeren Zeitraum sinnvoll. Und so wird’s gemacht: [19]

  • 6 EL Schafgarbenkraut mit ½ l heißem Wasser übergießen und 7 Minuten bedeckt ziehen lassen, abseihen
  • Das Innentuch auf Lebergröße falten, in das Auswringtuch packen und in eine Schüssel geben
  • Die Tuchrolle mit dem heißen Schafgarbentee übergießen, auswringen (Haushaltshandschuhe als Hitzeschutz) und das Auswringtuch entfernen
  • Das Innentuch so warm wie möglich auf die Leber auflegen (Temperatur auf Verträglichkeit prüfen!). Mit dem Außentuch den Wickel abdecken und am Körper fixieren
  • Der feucht-heiße Leberwickel bleibt so lange, wie er angenehm ist (10 bis 30 Minuten). Anschließend noch nachruhen. Der Schafgarbenwickel soll nicht angewendet werden bei einer Allergie auf Schafgarbe oder andere Korbblütler. In diesem Fall kann der Wickel mit heißem Wasser durchgeführt werden.


Schafgarben Tee

Aus den getrockneten Blättern, Blüten und Stängeln wird mit kochendem Wasser ein Teeaufguss zubereitet. 1 TL pro Tasse mit heißem Wasser Übergießen, 7 Minuten bedeckt ziehen lassen, abseihen. 3-mal täglich 1 Tasse frisch zubereiteten Tee warm zwischen den Mahlzeiten trinken. Der Tee hilft bei Magen-Darm- und Galle-Beschwerden. Auch bei krampfartigen Menstruationsbeschwerden ist er empfehlenswert. [20]

Schafgarben Tee zur äußerlichen Anwendung

Ein stärker zubereiteter Tee wird für Kompressen, Auflagen und Teilbäder (z.B. Sitzbad bei Unterleibsbeschwerden) eingesetzt. Bei Nasenbluten steckt man in starken Tee getränkte Wattebällchen in die Nase. [21]

 

Aphrodisiakum, Zaubermittel und Ritualgewächs

In der Volksheilkunde gehört die Schafgarbe zu den alten Liebespflanzen. Schon bei den Navajo-Indianern wurde sie als Aphrodisiakum gelobt (eine Stunde vorher trinken). In unserem Kulturkreis war es früher öfters Brauch, sich einen Beutel mit Schafgarbe unter das Kopfkissen zu legen, damit einem im Traum der zukünftige Liebespartner gezeigt wird.

Das erste Grün der Schafgerbe war im Frühjahr Bestandteil der Gründonnerstag-Suppe, diese Speise sollte vor für das ganze Jahr für eine gute Gesundheit sorgen. [22]


Sehr poetisch – und auch auf die Göttin der Liebe bezogen – ist auch der Name „Augenbraue der Venus“, den die Schafgarbe wegen ihrer feinen, filigranen gefiederten Blätter trägt, die wie Augenbrauen geschwungen sind. Der Bezug zur Venus zeigt uns schon, dass es sich um ein „Frauenkraut“ handelt.


Ihren lateinischen Namen „Achillea“ erhielt die Schafgarbe wahrscheinlich vom griechischen Helden Achilles. Das war der Held mit der Achillesferse. Die Liebesgöttin Aphrodite soll Achilles selbst die Schafgarbe auf die Ferse gelegt haben. Tatsächlich wurde die Pflanze bereits im Altertum verwendet um z.B. Wunden zu heilen oder Blutungen zu stillen.

Ihre vielfältige Heilkraft verraten die zahlreichen Namen [23], mit denen die Schafgarbe belegt wird. „Garbe“ leitet sich von einem altdeutschen Wort ab und bedeutet „die Heilende“ oder „gesund machen“.


Die Schafgarbe findet den goldenen Mittelweg zwischen den Extremen und wirkt ausgleichend auf alle Bereiche. „Ich heile Deine Wunden und schenke Dir die Kraft der Beharrlichkeit“ will sie uns mitteilen. Die Schafgarbe schafft es jedenfalls, die eigene Mitte zwischen den Extremen zu finden und diese auszugleichen. Die Schafgarbe ist hilfreich bei allen Übergangssituationen z.B. auch beim Übergang vom Jugendlichen zum Erwachsenen. [24]


Blumensprache

Der Feldblumenstrauß von Detlev von Liliencron (1844-1909)

„Kam in ein Wirtshaus, ich weiß nicht wie,

Tanzt der Soldate, tanzt der Kommis.“

Ich ahne nicht, wer diesen Vers gemacht,

Aber ich habe sehr gelacht:

Denn Sonntag ist es gestern gewesen,

Und der Montag führte noch nicht den Besen.

Herrgott, sah der Tanzsaal aus,

Die Kehrweiber fegten noch nicht das Haus:

Cigarrenreste und Streichhölzerleichen,

Manschetten, ein Strumpfband und dergleichen,

Vertrocknetes Bier auf Bänken und Tischen,

Und der dickste Staub, kaum wegzuwischen.

An den Wänden Gemälde: „Der erste Kuss“,

„Die Teufelsinsel“, „Am Bosporus“.

Auch hingen hier Fahnen und ähnlicher Rummel,

Vergessen lehnte die große Trummel.

Ein zerschlagnes Seidel, ja selbst ein Schuh

Schmückte die Bar in heiterer Ruh.

Wer hat denn hier herumgerast

Und alles durcheinandergeaast?

Das war der teutsche Klub „Kasematte“,

Der gestern seine Sommerfahrt hatte.

Eben wollt ich dem Schmutz mich entziehn

Und voller Entsetzen von dannen fliehn,

Als mir auffiel in diesem Pfuhl

Ein vergessen Bouquetchen auf einem Stuhl.

Ich nahm es mit, es war schon tot,

Verwelkt wie am End alle Erdennot:

Schafgarbe, roter und weißer Klee,

Eine Taglichtnelke und Wiesenschnee,

Ein Butterblümchen, Kamillen und Gräser

Und einiges andere feine Gefäser.

Wer hat denn diesen Strauß besessen,

Wer hat ihn gepflückt und dann vergessen?

Sie ging wohl mit ihrem Schatz beiseit

In eine stille Seligkeit.

Und während die andern die Polka sprangen,

Ist sie mit ihm durch die Felder gegangen.

Dort fanden sie ein liebes Geschick,

Und während er faul auslümmelt am Knick,

Bog sie sich in die Blumenwelt

Und hat den Strauß zusammengestellt.

Und als er steckte im Gürtel drin,

Gingen sie wieder zum Tanzen hin.

Durch des Mädels heißes Blut

Verlor das Sträußchen bald den Mut,

Und die Blümekens ließen die Köpfe hängen

Durch all das Drücken und dreiste Drängen.

Roh lacht ihr Liebster, als er das sieht:

„Smiet em doch weg, den ohln Schiet!“


Quellen
[1] www.mein-schoener-garten.de/pflanzen/schafgarbe und de.wikipedia.org/wiki/Gemeine_Schafgarbe

[2] de.wikipedia.org/wiki/Gemeine_Schafgarbe

[3] Die Üntschenspitze (auch Üntscheller, Vordere Üntschenspitze) ist ein 2.135 m hoher Berg bei Schoppernau im österreichischen Teil der Allgäuer Alpen. Er ist ein Steilgrasberg aus Rhenodanubischem Flysch mit bis zu 1.000 Meter hohen Flanken. Der Gipfel ist mit Bergwanderwegen erschlossen und im Winter ein Geheimtipp bei Skibergsteigern.

[4] de.wikipedia.org/wiki/Schafgarben

[5] de.wikipedia.org/wiki/Schafgarben

[6] offene-naturfuehrer.de/web/Gewöhnliche_Schafgarbe_–_Achillea_millefolium

[7] www.gartenjournal.net/schafgarbe-verwechslung

[8] www.naturzyt.ch/natur-erfahren/wildpflanzen-in-der-kraeuteraphotheke/409-schafgarbe-altes-wunderheilkraut

[9] de.wikipedia.org/wiki/Schafgarben

[10] Färberpflanzen – Anleitung zum Färben, Verwendung in Kultur und Medizin von E. Prinz, Seite 53, Verlag Schweizerbart, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-510-65258-7

[11] www.pircher.it/de/schafgarbe-schafgarbenlikör

[12] www.roner.com/de/shop/roner/altri-prodotti/z44-distilled-dry-gin

[13] ginvasion.de/citadelle-gin

[14] www.amarolucano.it

[15] www.br.de/br-fernsehen/sendungen/zwischen-spessart-und-karwendel/schafgarben-likoer-rezept-100 
und Schafgarbe - Likör - Ur-Omas Weißheiten

[16] www.schafgarbe.org/umsetzung

[17] de.wikipedia.org/wiki/Gemeine_Schafgarbe

[18] www.kraeuter-buch.de/kraeuter/Schafgarbe

[19] www.naturzyt.ch/natur-erfahren/wildpflanzen-in-der-kraeuteraphotheke/409-schafgarbe-altes-wunderheilkraut

[20] www.naturzyt.ch/natur-erfahren/wildpflanzen-in-der-kraeuteraphotheke/409-schafgarbe-altes-wunderheilkraut

[21] www.naturzyt.ch/natur-erfahren/wildpflanzen-in-der-kraeuteraphotheke/409-schafgarbe-altes-wunderheilkraut

[22] mypfadfinder.com/schafgarbe-augenbraue-der-venus

[23] Auswahl: Achillenkraut, Barbune (mittelhochdeutsch), Bauchwehkraut (Österreich o. d. Ems.), Wilder Bienenpfeffer, Bolick, Dusendblad (Oldenburg, Ostfriesland, mittelniederdeutsch), Edelgarb, Fasankraut (Österreich), Fase, Feldgarbe, Gabl (mittelhochdeutsch), Gachheil (mittelhochdeutsch), Gachelkraut (Österreich), Gahrl (mittelhochdeutsch), Schofgarb (mittelhochdeutsch), Schweinbauch, Schelkraut (Werfen), Tausendaugbraun, Tausendblatt (Pommern) Quelle: de.wikipedia.org/wiki/Gemeine_Schafgarbe

[24] wildkraeuterlich.de/schafgarbe-die-augenbraue-der-venus


von Alexandra Abredat 6. April 2026
Ostermontag ist wie ein Sonntag, der so tut, als wäre nichts Besonderes – und genau darin ist er erstaunlich gut. Man steht auf, der Tag wirkt harmlos, fast beiläufig. Kein großes Programm, kein gesellschaftlicher Druck. Und gerade deshalb passiert etwas, das an lauteren Tagen oft untergeht: Gedanken bekommen Raum. Ostermontag gehört liturgisch zu den höchsten Festtagen der Osteroktav, kein Nachklang, sondern ein zweiter Blick auf das, was vorher kaum zu fassen war. Im Evangelium gehen zwei Jünger nach Emmaus. Nicht zielstrebig, nicht hoffnungsvoll. Eher weg von dem, was sie nicht verstehen. Ein Fremder schließt sich ihnen an, hört zu, stellt Fragen, erklärt. Sie erkennen ihn nicht. Erst beim Brotbrechen begreifen sie, wen sie die ganze Zeit begleitet hat. Und in genau diesem Moment ist er verschwunden. Erkenntnis hat selten einen dramatischen Auftritt. Sie kommt leise und oft erst dann, wenn man nicht mehr damit rechnet. Vielleicht ist genau deshalb der Emmausgang geblieben. Kein Pflichttermin, sondern ein Weg, auf dem sich Gedanken sortieren dürfen. Mein eigener Weg begann zwei Tage vorher – zwischen Holzoberflächen, die so präzise gearbeitet sind, dass man unwillkürlich langsamer wird, und Räumen, die zeigen, wie durchdacht Wohnen sein kann. Der Besuch bei TEAM 7 in Ried war beeindruckend. Möbel, die nicht nur gut aussehen, sondern aus einem klaren Anspruch heraus entstehen: nachhaltige Materialien, ehrliches Handwerk, technische Lösungen, die nicht protzen, sondern funktionieren. Auch das Gebäude folgt dieser Haltung. Reduziert auf das Wesentliche, ressourcenschonend gedacht, ohne überflüssige Technik. Kein Showeffekt, sondern Konsequenz. Man spürt dort sehr deutlich, dass hochwertiges Design und echte Nachhaltigkeit sich nicht ausschließen, sondern gegenseitig tragen. Und ja, diese Möbel sind ihren Preis wert. Nur ist dieser Preis für mich nicht erreichbar. Der Gedanke kam nüchtern. Kein Neid, kein Ärger, eher ein inneres Abhaken: beeindruckend, absolut stimmig – und außerhalb meiner Reichweite. Und dann stand sie plötzlich im Raum, diese leise, unangenehme Frage: Habe ich in meinem Leben etwas falsch gemacht, oder vergleiche ich einfach nur falsch? 
von Alexandra Abredat 4. April 2026
Es beginnt nicht mit Glocken. Nicht mit Schokolade. Nicht einmal mit dem Osterhasen, der sich seit Jahren erfolgreich jeder ernsthaften Befragung entzieht. Es beginnt viel früher. Irgendwo zwischen einem zaghaften Sonnenstrahl und dem ersten Vogel, der morgens plötzlich wieder klingt, als hätte er einen Plan. Ostern liegt genau in diesem Moment. Offiziell ist es das höchste Fest des Christentums. Gefeiert wird die Auferstehung Jesu Christi am dritten Tag nach seinem Tod am Kreuz. Ein Thema, das zunächst nach schwerem Stoff klingt und dann doch erstaunlich nah wird. Im Kern geht es um etwas sehr Menschliches: Dass nach dunklen Zeiten wieder etwas aufbrechen kann. Dass Entwicklung möglich ist, auch wenn sie sich zwischendurch überhaupt nicht so anfühlt. Der Termin dieses Festes wirkt dabei fast wie ein poetischer Kompromiss zwischen Himmel und Erde. Ostern findet am Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond statt. Frühestens am 22. März, spätestens am 25. April. Kein starres Datum, sondern ein beweglicher Moment. Als würde man sagen: Dieses Fest braucht die richtige Stimmung, nicht nur den richtigen Tag. Mit der Nacht zum Ostersonntag beginnt die österliche Freudenzeit, die sich bis Pfingsten zieht. Freude wird hier nicht als kurzer Höhepunkt verstanden, sondern als etwas, das sich entfalten darf. Auch das wirkt erstaunlich lebensnah. In der Osternacht wird es zunächst dunkel. Bewusst. Dann wird ein Feuer entzündet. Kein symbolisches Flämmchen, sondern ein echtes, lebendiges Feuer. Daran wird die Osterkerze entzündet, und dieses Licht wird weitergegeben. Von Mensch zu Mensch. Ohne große Worte. Es funktioniert trotzdem. Parallel dazu läuft die zweite, sehr erfolgreiche Version von Ostern. Eier werden versteckt. Kinder suchen. Erwachsene tun so, als ginge sie das nichts an, und freuen sich dann doch über das letzte Stück Schokolade. Der Osterhase bleibt dabei ein Phänomen, das man besser nicht zu genau hinterfragt. Das Ei selbst ist allerdings alles andere als Zufall. Es ist eines der ältesten Symbole überhaupt. Geschlossen, unscheinbar, und gleichzeitig voller Leben. Wenn man lange genug darüber nachdenkt, wird es fast ein bisschen philosophisch. Wenn man hungrig ist, bleibt es einfach ein Ei. Was oft übersehen wird: Ostern steht nicht für sich allein. Es ist eng mit einem anderen, viel älteren Fest verbunden – dem Pessachfest im Judentum, auch Passa, Passach, Passah oder Pascha genannt. Dieses Fest erinnert an den Auszug der Israeliten aus Ägypten. An die Befreiung aus der Sklaverei. An den Moment, in dem aus Abhängigkeit plötzlich Freiheit wird. Pessach wird im Frühling gefeiert, im Monat Nisan, und dauert mehrere Tage. Es beginnt mit dem Sederabend, einem bewusst gestalteten Familienfest. Dort wird die Geschichte des Auszugs erzählt, gegessen, gefragt und erklärt. Besonders schön ist, dass die jüngste Person am Tisch Fragen stellt. Nicht aus Höflichkeit, sondern weil Fragen ausdrücklich dazugehören. Diese Erzählung wird nicht nur erinnert, sondern immer wieder neu erlebt. Jeder soll sich fühlen, als wäre er selbst Teil dieser Geschichte gewesen. Nicht Zuschauer, sondern Beteiligter. Das ist keine kleine Idee. Das ist Identität. Auch die Speisen tragen Bedeutung. Ungesäuertes Brot, sogenannte Matzen, erinnert daran, dass beim Aufbruch keine Zeit blieb, Teig gehen zu lassen. Bitterkräuter stehen für die Härte der Sklaverei. Nichts daran ist zufällig. Alles erzählt. Und genau hier berühren sich Pessach und Ostern. Denn die Ereignisse rund um Jesus fanden während einer Pessachwoche statt. Das letzte Abendmahl wird in den Evangelien als Pessachmahl beschrieben. Die Vorstellung vom „Lamm Gottes“ greift das Pessachlamm auf, das ursprünglich als Zeichen des Schutzes und der Rettung galt. Selbst zentrale Elemente der christlichen Tradition – gemeinsames Mahl, Segensbecher, Deutung von Speisen – haben ihre Wurzeln im jüdischen Seder. Man könnte sagen: Ohne Pessach kein Ostern. Beide Feste erzählen auf ihre Weise von Befreiung. Im Judentum ganz konkret aus der Sklaverei in Ägypten, im Christentum in einer übertragenen, spirituellen Form als Hoffnung auf neues Leben. Unterschiedliche Perspektiven, aber eine gemeinsame Grundbewegung. Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Stärke dieses Festes. Es verbindet Zeiten, Geschichten und Erfahrungen miteinander. Es erinnert daran, dass Aufbruch selten laut beginnt und dass Hoffnung oft leise wächst. Manchmal genügt es, diesen Moment wahrzunehmen. Der Rest geschieht ohnehin. Quellen: Ostern – Wikipedia Pessach – Wikipedia
von Alexandra Abredat 4. April 2026
Fast jeder hat schon einmal selbstbewusst auf eine Tanne gezeigt – und dabei ziemlich sicher eine Fichte gemeint. Ein Klassiker. Passiert häufiger, als man zugeben möchte. Die echte Weißtanne, Abies alba, bleibt dabei meist im Hintergrund. Völlig zu Unrecht. Sie gehört zu den eindrucksvollsten und zugleich sensibelsten Baumarten Europas – nur eben nicht zu denen, die sich aufdrängen. Ihre Stärke liegt im Leisen. Sie zeigt sich Schicht für Schicht, und nur denjenigen, die bereit sind, ein zweites Mal hinzusehen. Die Weißtanne gehört zur Gattung der Tannen innerhalb der Familie der Kieferngewächse (Pinaceae). Ihr Name verweist auf eines ihrer markantesten Merkmale: die helle, oft silbrig-graue Borke. Diese bleibt bei jungen Bäumen lange glatt und wirkt beinahe weich, bevor sie im Alter aufreißt und eine schuppige Struktur entwickelt. In der Rinde finden sich kleine Harzblasen, die nicht nur botanisch interessant sind, sondern auch eine lange Geschichte in der Volksmedizin tragen. Ein unmittelbares Erkennungsmerkmal zeigt sich in den Nadeln. Sie sind flach, weich und stumpf. Eine Berührung ist möglich, ohne Zurückweichen. Die Unterseite trägt zwei deutlich sichtbare, helle Streifen. Diese entstehen durch Reihen von Spaltöffnungen und verleihen der Nadel einen silbrigen Schimmer. Die Nadeln sitzen scheinbar direkt am Zweig, fast so, als wären sie angesetzt oder angesaugt. Dieses Detail wirkt unscheinbar, prägt jedoch den gesamten Charakter des Baumes. Die Weißtanne ist eine ausgesprochene Schattenbaumart. Ihre Keimlinge und Jungpflanzen können über viele Jahre im Halbdunkel des Waldes bestehen. In dieser Phase wächst sie langsam, beinahe zurückhaltend, während sie gleichzeitig ihre innere Struktur festigt. Sobald sich eine Lichtlücke öffnet, reagiert sie mit bemerkenswerter Dynamik. Wachstum entsteht dann nicht hastig, sondern kraftvoll und ausdauernd. Unter günstigen Bedingungen erreicht die Weißtanne Höhen von 30 bis 50 Metern, in Ausnahmefällen sogar darüber hinaus. Ihr Lebensalter kann mehrere Jahrhunderte umfassen. Während dieser langen Zeit verändert sich ihre Gestalt. Junge Bäume zeigen eine klassische, spitze Krone. Mit zunehmendem Alter verliert der Gipfeltrieb an Dominanz, während die Seitenäste weiterwachsen. Es entsteht die sogenannte Storchennestkrone, ein Bild von Reife und Anpassung. Von besonderer Bedeutung ist ihr Wurzelsystem. Die Weißtanne entwickelt eine ausgeprägte Pfahlwurzel, die tief in den Boden reicht. Ergänzt wird sie durch weitreichende Seitenwurzeln, die den Boden zusätzlich erschließen. Diese Kombination verleiht ihr eine außergewöhnliche Standfestigkeit. Gleichzeitig trägt sie zur Stabilisierung des Bodens und zur Verbesserung des Wasserhaushalts im Wald bei. Ihre Wurzeln verbinden sich häufig mit denen benachbarter Bäume und bilden ein unterirdisches Netzwerk, das Austausch und Unterstützung ermöglicht. Ihr natürliches Verbreitungsgebiet erstreckt sich über große Teile Europas, vor allem entlang der Gebirgsräume von den Pyrenäen bis zum Balkan. In Österreich findet man sie vor allem in den Alpen sowie in den höheren Lagen des Wald- und Mühlviertels. Sie bevorzugt luftfeuchte Standorte mit ausreichender Wasserversorgung, zeigt jedoch eine gewisse Toleranz gegenüber unterschiedlichen Böden. Eine konstante Wasserversorgung ist für ihr Wachstum wichtiger als hohe Nährstoffverfügbarkeit. Die Weißtanne ist eng in das ökologische Gefüge des Waldes eingebunden. Sie lebt in enger Verbindung mit Pilzen, mit denen sie sogenannte Mykorrhiza-Partnerschaften eingeht. Diese Symbiosen ermöglichen einen verbesserten Austausch von Nährstoffen und Wasser. Gleichzeitig bietet sie Lebensraum für zahlreiche Tierarten, von Insekten bis zu Vögeln. Trotz dieser Bedeutung ist ihr Bestand in den letzten Jahrhunderten deutlich zurückgegangen. Forstwirtschaftliche Entscheidungen, insbesondere die Bevorzugung der Fichte, haben dazu geführt, dass die Weißtanne vielerorts verdrängt wurde. Kahlschläge, Übernutzung und eine veränderte Waldstruktur erschwerten ihre natürliche Verjüngung. Hinzu kommt ein starker Verbiss durch Wildtiere, der junge Pflanzen besonders betrifft. Auch Umweltbelastungen haben ihre Spuren hinterlassen. Die Weißtanne reagiert empfindlich auf Luftschadstoffe, insbesondere auf Schwefeldioxid. In Zeiten hoher Emissionen kam es zu erheblichen Schäden in den Beständen. Erst mit der Verbesserung der Luftqualität konnte sich die Situation teilweise stabilisieren.

3. April 2026
Wenn aus Pflanzen Essenz wird – und aus Gedanken Klarheit Während meines Erasmus-Aufenthalts in Österreich und meiner Arbeit bei Sensoleo im Bereich Destillation und ätherische Öle hat sich nach und nach eine Verbindung gezeigt, die meine Arbeit prägt: die Verbindung von Naturcoaching und der Destillation ätherischer Öle. die Verbindung von Naturcoaching und der Destillation ätherischer Öle. Auf den ersten Blick wirken diese beiden Bereiche unterschiedlich. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich, wie nah sie sich sind. Beides sind Prozesse. Beides braucht Zeit, Aufmerksamkeit und einen klaren Rahmen. Beides entzieht sich jeder Beschleunigung. Im Naturcoaching geht es darum, in Kontakt zu kommen – mit sich selbst, mit einem Thema, mit dem, was gerade da ist. Die Natur ist dabei kein Hintergrund, sondern Gegenüber. Sie bringt Ruhe, weitet den Blick und ermöglicht eine Klarheit, die sich in geschlossenen Räumen oft nicht einstellt. Auch die Destillation folgt diesem Prinzip. Der Prozess beginnt nicht erst mit dem ersten Tropfen.
von Alexandra Abredat 3. April 2026
Es ist ein eigenartiger Moment, wenn ein Tag, der sich jahrelang „anders“ angefühlt hat, plötzlich ganz gewöhnlich wird. In Österreich ist der Karfreitag kein gesetzlicher Feiertag mehr. Die Welt läuft weiter, Termine bleiben bestehen, Supermärkte sind geöffnet. Und ich merke: Gerade dadurch wird dieser Tag spürbar. In Deutschland kenne ich ihn als stillen Einschnitt. Ein Tag, der sich fast von selbst entschleunigt. Weniger Lärm, weniger Bewegung, oft auch weniger Ablenkung. Es gibt Regeln, ja – Tanzverbot, eingeschränkte Veranstaltungen – aber dahinter liegt etwas Tieferes: eine kollektive Übereinkunft, dass dieser Tag nicht laut sein soll. In Österreich ist das anders. Hier ist der Karfreitag heute ein „persönlicher Feiertag“. Wer möchte, kann ihn sich frei nehmen – aus dem eigenen Urlaub. Wer arbeitet, arbeitet. Der Tag gehört nicht mehr allen, sondern jedem Einzelnen. Und genau da beginnt für mich die eigentliche Frage: Was passiert mit einem stillen Tag, wenn er nicht mehr geschützt ist?  Der Karfreitag ist kein freundlicher Feiertag. Sein Name kommt vom althochdeutschen „kara“ – Klage, Trauer, Schmerz. Es ist ein Tag, der nicht tröstet, sondern zuerst einmal konfrontiert. Im christlichen Verständnis wird an diesem Tag des Leidens und Sterbens Jesu gedacht. Die Kreuzigung – ein brutales, endgültiges Geschehen.
von Alexandra Abredat 30. März 2026
Der Name Sauwald steht am Anfang dieser Landschaft wie ein leiser Stolperstein. Er klingt schlicht, beinahe grob, als würde er nicht recht zu dem passen, was sich dahinter verbirgt. Schnell ist die volkstümliche Erklärung zur Hand: Wildschweine, die einst durch diese Wälder zogen. Doch der Blick zurück öffnet eine andere Spur. Wahrscheinlicher verweist der Name auf den „Passauer Wald“, auf die enge historische Verbindung zur Stadt Passau und ihrem Bistum. In diesem scheinbar einfachen Wort liegt also bereits eine Schichtung aus Geschichte, Deutung und Erinnerung. Landschaft beginnt hier nicht erst mit dem, was sichtbar ist, sondern mit dem, was benannt wurde.  Im Rahmen meines achtwöchigen Erasmus-Aufenthalts in Österreich entsteht eine besondere Form von Aufmerksamkeit für solche Orte. Der Alltag ist geprägt von körperlicher Arbeit, von Anstrengung, die sich unmittelbar im Körper abbildet. Muskeln, die sich melden, Bewegungen, die bewusster werden, ein Rhythmus, der sich langsam verschiebt. Gerade in dieser körperlichen Erfahrung öffnet sich ein Raum für Wahrnehmung. Der Sauwald tritt darin nicht als spektakuläres Ziel hervor, sondern als etwas, das sich schrittweise erschließt. Eine Landschaft, die nicht überwältigt, sondern begleitet. Geologisch betrachtet gehört der Sauwald zur Böhmischen Masse, einem der ältesten Grundgebirge Europas. Diese uralte Struktur prägt bis heute das Erscheinungsbild. Südlich der Donau erhebt sich das Gebiet als plateauartige Formation und zieht sich über etwa vierzig Kilometer von Passau und Schärding am Inn bis in den Raum Aschach und Eferding. Die Breite variiert zwischen zehn und zwanzig Kilometern, doch diese Zahlen erfassen nur unzureichend, was sich tatsächlich zeigt. Entscheidend ist die Form. Nach Norden hin fällt das Gelände steil zur Donau ab. Die sogenannten Donauleiten markieren diesen Übergang eindrucksvoll. In die anderen Richtungen hingegen verliert sich die Höhe sanfter im Alpenvorland. Diese klare Abgrenzung verleiht dem Sauwald eine Eigenständigkeit, die sich auch ohne Kartenlesen erschließt.
von Alexandra Abredat 29. März 2026
Es beginnt nicht mit Fliesen. Es beginnt mit einer Wahrheit, die man nicht mehr wegerklären kann: Mein Badezimmer war einmal ein Schweinestall. Nicht im übertragenen Sinn. Kein charmantes „ein bisschen in die Jahre gekommen“. Sondern ganz konkret. Mit allem, was dazugehört. Geschichte, Geruch – und einer sehr klaren Vorstellung davon, wofür dieser Raum ursprünglich gedacht war. Spoiler: Wellness gehörte nicht dazu.
von Alexandra Abredat 28. März 2026
Der Morgen liegt noch kühl über dem Inn, als hätte die Nacht ihre Finger nicht ganz von der Landschaft gelöst. Nebel zieht in feinen Schleiern über das Wasser, bleibt hängen an Schilfkanten, an Weidenzweigen, an den stillen Buchten der Altwässer. Während meines achtwöchigen Erasmus-Aufenthalts in Österreich nehme ich mir immer wieder Zeit, genau hier stehen zu bleiben. Es ist kein Ort, der sich aufdrängt, sondern einer, der sich erst zeigt, wenn man bereit ist zu schauen. 
von Alexandra Abredat 28. März 2026
Die Reise beginnt lange, bevor ein Motor anspringt. Sie beginnt in einem diffusen Zwischenraum aus Idee und Zweifel, irgendwo im Sommer 2025, als der Gedanke an Erasmus+ zum ersten Mal nicht mehr nur abstrakt blieb, sondern sich langsam verdichtete. Europa, Austausch, Entwicklung – große Worte, die in der Praxis plötzlich ganz konkret werden. Formulare, Abstimmungen, E-Mails, Fristen. Vieles davon war überraschend klar strukturiert und mit etwas Geduld gut zu bewältigen. Die eigentliche Herausforderung lag jedoch nicht im Organisatorischen, sondern im Inneren. In diesem leisen Unbehagen, das sich meldet, wenn man nicht genau weiß, worauf man sich einlässt und das sich auch nicht sofort legt. Sensoleo in Österreich war zu diesem Zeitpunkt noch mehr Vorstellung als Realität. Ich wusste, dass dort destilliert wird, dass mit Pflanzen gearbeitet wird, dass Qualität und Regionalität eine Rolle spielen. Aber wie sich das anfühlen würde, wie es riecht, klingt, sich im Körper anfühlt – das wusste ich nicht. Und genau darin lag eine eigentümliche Spannung: nicht vorbereitet im klassischen Sinne zu sein, sondern offen. Die Fahrt Anfang März verläuft ruhig, fast unspektakulär. Passau bleibt ein kurzer Moment am Rand, ein Übergang, kein Ziel. Dahinter beginnt etwas anderes. Die Straßen werden kurviger, die Landschaft weiter und gleichzeitig stiller. Wälder, Felder, vereinzelte Höfe. Mein erster Halt liegt in Esternberg. Die Arbeit findet in Münzkirchen statt, ein paar Kilometer entfernt. Das Ankommen ist warm – so, wie es sich schon im Mail- und Telefonkontakt angedeutet hat. Kein vorsichtiges Herantasten, sondern sofortige Offenheit. Ich werde nicht nur begrüßt, ich werde aufgenommen. Meine Unterkunft ist großzügig, modern und ruhig. Kein Übergangsort, sondern ein Raum, der Stabilität gibt. Und genau das verändert den Blick auf alles, was folgt. Schneller, als es sich vorher angefühlt hat. 
von Alexandra Abredat 23. Januar 2026
Ein Wintermärchen mit Pfoten, Federn und Herz: Manchmal braucht eine Geschichte länger als geplant. Sie trödelt ein wenig, macht Umwege, setzt sich zwischendurch in den Schnee und schaut erst einmal. Genau so eine Geschichte ist Pfoten im Schnee . Und jetzt ist sie fertig. Endlich. Und ich freue mich sehr.
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