Rosen- und Ziergehölze Pflanzenschnitt

Alexandra Wizemann

Der richtige Schnitt hält deine Pflanzen gesund und vital. Er sorgt nicht nur für eine üppige Blüte, sondern hält sie auch in Top-Form.

Gehölze, Kübelpflanzen und Rosen sind die Hauptdarsteller im Garten und manche benötigen viele Jahre um sich von ihren besten Seiten zu zeigen. Mit einem Schnitt fördere ich nicht nur die Blütenfülle oder die Entwicklung leckerer Früchte, sondern ich kann auch die natürliche Gestalt betonen oder sie kunstvoll in Szene setzen.


Unsere Gartenpflanzen unterliegen – sofern sie nicht einjährig sind – einer ständigen Veränderung. Sie werden größer, blühen, tragen Früchte und altern schließlich. Bei Sträuchern kann dieser Entwicklungs- und Alterungsprozess ein paar Jahre dauern, bei Bäumen viele Jahrzehnte. Kübelpflanzen aus subtropischen oder tropischen Gegenden, die zu den Gehölzen zählen, verändern sich über die Jahre hinweg und benötigen regelmäßige Pflege. Der Pflanzenschnitt gehört zu den anspruchsvollsten Arbeiten im Garten und deshalb wird er oft vernachlässigt. Aber mit etwas bisschen botanischem Know-how wird der Schnitt von Bäumen, Sträuchern und Rosen schließlich zur Routine. Wenn du verstehst wie Pflanzen wachsen und wie sie auf den Schnitt reagieren, weißt du wie und wann du schneiden musst.


Grundsätzlich ist jeder Schnitt ein aktiver Eingriff in das Wachstum der Pflanze. Je nachdem wann er ausgeführt wird, kann er das Wachstum bremsen oder ihn zum Wachsen anregen. Bei Ziergehölzen möchte ich die Entwicklung von Blütentrieben anregen, bei Obstgehölzen zum einen für eine reiche Ernte und zum anderen für stabile Triebe sorgen. Bei Rosen fördert der Schnitt nicht nur das Wachstum, sondern auch die Gesundheit. Aber der Schnitt kann natürlich auch dazu dienen, eine bestimmte Wuchsform zu erhalten, wie zum Beispiel bei Hecken, Kugeln oder Spalierpflanzen.


Wie Gehölze wachsen

Jede Pflanze besteht aus mehreren "Organen" mit unterschiedlichen Funktionen, die aber voneinander abhängig sind. Die oberirdischen Teile wie Krone mit Trieben, Blättern, Blüten und Früchten fallen im Gegensatz zu den in der Erde liegenden Wurzeln gleich ins Auge. Die Wurzel, die für das Wohl und Wachstum die Basis ist, steht in direkter Beziehung zur Krone. Im Herbst lagern in den Wurzeln Stärke und Zucker, was von den Blättern produziert wurde und umgekehrt leitet die Wurzel Wasser und Nährstoffe aus dem Boden wieder nach oben. Im Frühjahr, wenn die Pflanze noch blattlos ist, werden Wasser und Nährstoffe aus den Wurzeln nach oben in die Triebe gedrückt. Die Triebe beginnen nun zu wachsen. Wenn du jetzt schneidest, tropfen / bluten die Schnittstellen. Sobald die ersten Blätter da sind, lässt der Saftstrom nach und durch das Verdunsten der Blätter, entsteht ein Sog mit Wasser und Nährstoffen. Entfernst du jetzt Triebe mit Blättern, versiegt dieser Sog und die Schnittstellen bluten nicht. Dieselbe Menge von Nährstoffen verteilt sich auf die verbleibenden Triebe.


Wann schneiden?

Ein Schnitt im Frühjahr regt die Pflanze also zu einem kräftigen Austrieb an. Bei einem starken Schnitt gerät das Gleichgewicht von Krone und Wurzel aus den Fugen und die Pflanze benötigt oft Jahre um sich davon zu erholen. Bis das Gleichgewicht wieder hergestellt ist, bildet die Pflanze lange Triebe, sogenannte Schosse.

Schneidet man dagegen im Sommer, verbleiben weniger Blätter am Baum, die Reserven für den Winter bilden können. Die Wurzel und der nächste Austrieb im Frühjahr sind deshalb schwächer. Ob du das Wachstum anregen oder beruhigen möchtest, hängt also vom schnittzeitpunkt ab.


In den Blättern findet die Fotosynthese statt. Mit Hilfe von Sonnenlicht wird dort Zucker und Stärke produziert, die für die Bildung von neuen Trieben, Wurzeln und Knospen benötigt werden. Der Anspruch an Licht ist von Pflanze zu Pflanze unterschiedlich, aber alle richten ihre Blätter nach dem Licht aus. Werden die Triebe bedrängt, wachsen sie so lange in die entgegengesetzte Richtung, bis ihre Blätter wieder genügend Licht haben. Aus diesem Grund bildet ein dichtes Gehölz im schattigen Inneren kaum neue Triebe und Blätter.

Im Frühjahr treiben die Knospen aus, die im Vorjahr gebildet wurden. Bei vielen Gehölzen wird im Sommer bereits festgelegt, welche Knospe zur Blüte und welche zum Trieb wird. Allgemein kann man sagen, dass alle Frühjahrblüher, blühen, bevor sie wachsen. Sommerblüher haben im Vorjahr dagegen nur Triebknospen angelegt und entwickeln ihre Blütenanlagen erst wenn sie wachsen.


Der Saftdruck steuert das Wachstum

Im Säfte in einem Gehölz streben grundsätzlich nach oben und fördert die Stärke des Austriebs. In einem aufrecht wachsenden Trieb werden die Spitzenknospen deshalb stärker gefördert als tiefer liegende. Vorteil: Beste Lichtausbeute. Bei schräg wachsenden Trieben drückt der Saftstrom zwar auch nach oben, aber die oberste Knospe bekommt nicht mehr den gesamten Saftstrom, sondern dieser verteilt sich gleichmäßiger. Bei überhängenden Trieben bekommen überwiegend die Knospen am Scheitelpunkt den meisten Saftstrom. Diese Neuaustriebe sind ideal, um überhängende, vergreiste Triebe zu ersetzen.

Mit einem kräftigen oder schwachen Rückschnitt bestimmst du auch ob dein Trieb stark oder schwach austreibt, da sich dadurch der Saftstrom verändert. Generell kann man sagen, je stärker du schneidest, umso stärker ist der Neuaustrieb.


Verschiedene Triebformen

Um abschätzen zu können, welchen Wert der Trieb für die Blüte oder die Früchte hat, musst du das Alter der einzelnen Triebe beurteilen können. Dies- und einjährige Triebe wachsen den ersten Sommer in die Länge. Er ist meist unverzweigt und wächst im äußeren Bereich des Gehölzes. Die gut entwickelten Knospen treiben im nächsten Frühjahr aus.

Am Ende des zweiten Sommers ist der Trieb zweijährig und besitzt mehrere einjährige, Seitenverzweigungen. Diese verzweigen sich weiter und der Haupttrieb altert. Als altes Holz werden Triebe genannt, die älter als drei Jahre sind.

Bei Gehölzen bezeichnet man Triebe über 10 Länge als Langtrieb und solche unter 10 cm als Kurztriebe.


Blütenbildung

Das Alter der Triebe verrät dir, an welchen Trieben ein Gehölz blüht. Das ist entscheidend dafür, zu welchem Zeitpunkt und wie stark man schneidet.

# Frühjahrsblüher nach der Blüte

# Obstgehölze oft vor der Blüte da man sonst befruchtete Blüten entfernt

# Sommerblüher vor der Blüte im Frühjahr


Wuchsformen

Neben den bereits genannten Punkten ist für die Stärke des Schnitts auch die Wuchsform der Gehölze entscheidend. Manche bilden nur kurzlebige Schösslinge, andere entwickeln ein dauerhaftes Gerüst und verzweigen sich. Zu den Schösslingssträuchern gehören zum Beispiel die Bauernhortensie oder die Himbeere. Um nicht ein dichtes Gewirr zu bekommen, schneidest du sie regelmäßig und bodennah. Spiräen, Forsythien und Stachelbeeren entwickeln ebenfalls Neutriebe aus dem Boden, bilden jedoch bereits ein Gerüst aus. Damit diese vital bleiben, musst du sie ebenfalls regelmäßig schneiden und ältere Triebe bodennah entfernen. Gehölze wie Felsenbirne, Schneeball, Holunder bauen ein stabiles Gerüst auf und der Wachstumsschwerpunk liegt weiter oben als bei den vorherigen Gruppen. Solche Sträucher schneidet man im Rhythmus von drei bis vier Jahren und lichtet die verzweigten Köpfe aus. Soll der Strauch klein bleiben, kann man den stärksten Gerüsttrieb nach einigen Jahren durch bodenbürtige Jungtriebe ersetzen. Kornelkirsche, Flieder und Zierapfel gehören schon zu den Bäumen und bilden aus mehreren Trieben ein starkes Gerüst. Der Wuchsschwerpunkt liegt noch weiter oben im Gehölz. Solche Gehölze werden erst nach ein paar Jahren schön und benötigen nur einen sehr maßvollen Erziehungsschnitt. Mehr würde den Charakter zerstören.


Klima und Winterhärte

Jede Pflanze trägt die Information in sich, welche Temperaturen sie ausgepflanzt ohne Winterschutz aushält. In der Zeit von Oktober bis Januar solltest du den Pflanzenschnitt vermeiden. Die Schnittstellen können zurückfrieren oder eintrocknen. Frostempfindliche Pflanzen wie Lavendel erst schneiden, wenn er beginnt auszutrieben. Die Gefahr des Eintrocknen wird damit minimiert. Hecken und Formgehölze sollten nur bis Ende Juli geschnitten werden, damit die Neuaustriebe noch ausreifen können.


Rosen und Clematis

Rosen und Clematis werden in drei Gruppen eingeteilt:

# Frühblühende Clematis und einmal blühende Rosen blühen am einjährigen Trieben und werden daher nach der Blüte geschnitten.

# Frühsommerblühende Clematis und öfter blühende Rosen blühen an ein- und diesjährigen Trieben. Du schneidest sie im Frühjahr vor dem Austrieb.

# Sommerblühende Clematis blühen nur am diesjährigen Trieben. Auch diese schneidest du im Frühjahr vor dem Austrieb kräftig zurück.


Sonderfall Rosen

Rosen können je nach Art und Sorte ganz unterschiedliche Wuchsformen haben. Viele bauen ein Gerüst auf, vergreisen aber schon nach kurzer Zeit. Ramblerrosen bilden sehr starke Gerüsttriebe aus, aber man schneidet sie nur, wenn sie zu groß werden oder vergreisen. Ein regelmäßiger Schnitt wäre zu aufwendig. Öfterblühende Rosen oder Kletterrosen erschöpfen sich ohne Schnitt und blühen dann immer weniger. Deshalb musst du sie jährlich vor dem Austrieb zurückschneiden. Das regt den Neuaustrieb an und gibt Kraft für eine zweite Sommerblüte.


Nicht schneiden

Zwischen März und Oktober sind Rodungen und massive Gehölzschnitte untersagt, damit man die Vögel nicht beim Brüten stört. Pflegeschnitte sind jedoch erlaubt. Im Zweifel, am Besten die Gemeinde nach der gültigen Regelung fragen.


Quelle

Überwiegend aus dem Buch Pflanzenschnitt – das große GU Praxishandbuch von Hansjörg Haas, ISBN 978-9-8338-2536-1

Bild oben: David Austin Rose Crown Princess Margareta®

von Alexandra Abredat 6. April 2026
Ostermontag ist wie ein Sonntag, der so tut, als wäre nichts Besonderes – und genau darin ist er erstaunlich gut. Man steht auf, der Tag wirkt harmlos, fast beiläufig. Kein großes Programm, kein gesellschaftlicher Druck. Und gerade deshalb passiert etwas, das an lauteren Tagen oft untergeht: Gedanken bekommen Raum. Ostermontag gehört liturgisch zu den höchsten Festtagen der Osteroktav, kein Nachklang, sondern ein zweiter Blick auf das, was vorher kaum zu fassen war. Im Evangelium gehen zwei Jünger nach Emmaus. Nicht zielstrebig, nicht hoffnungsvoll. Eher weg von dem, was sie nicht verstehen. Ein Fremder schließt sich ihnen an, hört zu, stellt Fragen, erklärt. Sie erkennen ihn nicht. Erst beim Brotbrechen begreifen sie, wen sie die ganze Zeit begleitet hat. Und in genau diesem Moment ist er verschwunden. Erkenntnis hat selten einen dramatischen Auftritt. Sie kommt leise und oft erst dann, wenn man nicht mehr damit rechnet. Vielleicht ist genau deshalb der Emmausgang geblieben. Kein Pflichttermin, sondern ein Weg, auf dem sich Gedanken sortieren dürfen. Mein eigener Weg begann zwei Tage vorher – zwischen Holzoberflächen, die so präzise gearbeitet sind, dass man unwillkürlich langsamer wird, und Räumen, die zeigen, wie durchdacht Wohnen sein kann. Der Besuch bei TEAM 7 in Ried war beeindruckend. Möbel, die nicht nur gut aussehen, sondern aus einem klaren Anspruch heraus entstehen: nachhaltige Materialien, ehrliches Handwerk, technische Lösungen, die nicht protzen, sondern funktionieren. Auch das Gebäude folgt dieser Haltung. Reduziert auf das Wesentliche, ressourcenschonend gedacht, ohne überflüssige Technik. Kein Showeffekt, sondern Konsequenz. Man spürt dort sehr deutlich, dass hochwertiges Design und echte Nachhaltigkeit sich nicht ausschließen, sondern gegenseitig tragen. Und ja, diese Möbel sind ihren Preis wert. Nur ist dieser Preis für mich nicht erreichbar. Der Gedanke kam nüchtern. Kein Neid, kein Ärger, eher ein inneres Abhaken: beeindruckend, absolut stimmig – und außerhalb meiner Reichweite. Und dann stand sie plötzlich im Raum, diese leise, unangenehme Frage: Habe ich in meinem Leben etwas falsch gemacht, oder vergleiche ich einfach nur falsch? 
von Alexandra Abredat 4. April 2026
Es beginnt nicht mit Glocken. Nicht mit Schokolade. Nicht einmal mit dem Osterhasen, der sich seit Jahren erfolgreich jeder ernsthaften Befragung entzieht. Es beginnt viel früher. Irgendwo zwischen einem zaghaften Sonnenstrahl und dem ersten Vogel, der morgens plötzlich wieder klingt, als hätte er einen Plan. Ostern liegt genau in diesem Moment. Offiziell ist es das höchste Fest des Christentums. Gefeiert wird die Auferstehung Jesu Christi am dritten Tag nach seinem Tod am Kreuz. Ein Thema, das zunächst nach schwerem Stoff klingt und dann doch erstaunlich nah wird. Im Kern geht es um etwas sehr Menschliches: Dass nach dunklen Zeiten wieder etwas aufbrechen kann. Dass Entwicklung möglich ist, auch wenn sie sich zwischendurch überhaupt nicht so anfühlt. Der Termin dieses Festes wirkt dabei fast wie ein poetischer Kompromiss zwischen Himmel und Erde. Ostern findet am Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond statt. Frühestens am 22. März, spätestens am 25. April. Kein starres Datum, sondern ein beweglicher Moment. Als würde man sagen: Dieses Fest braucht die richtige Stimmung, nicht nur den richtigen Tag. Mit der Nacht zum Ostersonntag beginnt die österliche Freudenzeit, die sich bis Pfingsten zieht. Freude wird hier nicht als kurzer Höhepunkt verstanden, sondern als etwas, das sich entfalten darf. Auch das wirkt erstaunlich lebensnah. In der Osternacht wird es zunächst dunkel. Bewusst. Dann wird ein Feuer entzündet. Kein symbolisches Flämmchen, sondern ein echtes, lebendiges Feuer. Daran wird die Osterkerze entzündet, und dieses Licht wird weitergegeben. Von Mensch zu Mensch. Ohne große Worte. Es funktioniert trotzdem. Parallel dazu läuft die zweite, sehr erfolgreiche Version von Ostern. Eier werden versteckt. Kinder suchen. Erwachsene tun so, als ginge sie das nichts an, und freuen sich dann doch über das letzte Stück Schokolade. Der Osterhase bleibt dabei ein Phänomen, das man besser nicht zu genau hinterfragt. Das Ei selbst ist allerdings alles andere als Zufall. Es ist eines der ältesten Symbole überhaupt. Geschlossen, unscheinbar, und gleichzeitig voller Leben. Wenn man lange genug darüber nachdenkt, wird es fast ein bisschen philosophisch. Wenn man hungrig ist, bleibt es einfach ein Ei. Was oft übersehen wird: Ostern steht nicht für sich allein. Es ist eng mit einem anderen, viel älteren Fest verbunden – dem Pessachfest im Judentum, auch Passa, Passach, Passah oder Pascha genannt. Dieses Fest erinnert an den Auszug der Israeliten aus Ägypten. An die Befreiung aus der Sklaverei. An den Moment, in dem aus Abhängigkeit plötzlich Freiheit wird. Pessach wird im Frühling gefeiert, im Monat Nisan, und dauert mehrere Tage. Es beginnt mit dem Sederabend, einem bewusst gestalteten Familienfest. Dort wird die Geschichte des Auszugs erzählt, gegessen, gefragt und erklärt. Besonders schön ist, dass die jüngste Person am Tisch Fragen stellt. Nicht aus Höflichkeit, sondern weil Fragen ausdrücklich dazugehören. Diese Erzählung wird nicht nur erinnert, sondern immer wieder neu erlebt. Jeder soll sich fühlen, als wäre er selbst Teil dieser Geschichte gewesen. Nicht Zuschauer, sondern Beteiligter. Das ist keine kleine Idee. Das ist Identität. Auch die Speisen tragen Bedeutung. Ungesäuertes Brot, sogenannte Matzen, erinnert daran, dass beim Aufbruch keine Zeit blieb, Teig gehen zu lassen. Bitterkräuter stehen für die Härte der Sklaverei. Nichts daran ist zufällig. Alles erzählt. Und genau hier berühren sich Pessach und Ostern. Denn die Ereignisse rund um Jesus fanden während einer Pessachwoche statt. Das letzte Abendmahl wird in den Evangelien als Pessachmahl beschrieben. Die Vorstellung vom „Lamm Gottes“ greift das Pessachlamm auf, das ursprünglich als Zeichen des Schutzes und der Rettung galt. Selbst zentrale Elemente der christlichen Tradition – gemeinsames Mahl, Segensbecher, Deutung von Speisen – haben ihre Wurzeln im jüdischen Seder. Man könnte sagen: Ohne Pessach kein Ostern. Beide Feste erzählen auf ihre Weise von Befreiung. Im Judentum ganz konkret aus der Sklaverei in Ägypten, im Christentum in einer übertragenen, spirituellen Form als Hoffnung auf neues Leben. Unterschiedliche Perspektiven, aber eine gemeinsame Grundbewegung. Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Stärke dieses Festes. Es verbindet Zeiten, Geschichten und Erfahrungen miteinander. Es erinnert daran, dass Aufbruch selten laut beginnt und dass Hoffnung oft leise wächst. Manchmal genügt es, diesen Moment wahrzunehmen. Der Rest geschieht ohnehin. Quellen: Ostern – Wikipedia Pessach – Wikipedia
von Alexandra Abredat 4. April 2026
Fast jeder hat schon einmal selbstbewusst auf eine Tanne gezeigt – und dabei ziemlich sicher eine Fichte gemeint. Ein Klassiker. Passiert häufiger, als man zugeben möchte. Die echte Weißtanne, Abies alba, bleibt dabei meist im Hintergrund. Völlig zu Unrecht. Sie gehört zu den eindrucksvollsten und zugleich sensibelsten Baumarten Europas – nur eben nicht zu denen, die sich aufdrängen. Ihre Stärke liegt im Leisen. Sie zeigt sich Schicht für Schicht, und nur denjenigen, die bereit sind, ein zweites Mal hinzusehen. Die Weißtanne gehört zur Gattung der Tannen innerhalb der Familie der Kieferngewächse (Pinaceae). Ihr Name verweist auf eines ihrer markantesten Merkmale: die helle, oft silbrig-graue Borke. Diese bleibt bei jungen Bäumen lange glatt und wirkt beinahe weich, bevor sie im Alter aufreißt und eine schuppige Struktur entwickelt. In der Rinde finden sich kleine Harzblasen, die nicht nur botanisch interessant sind, sondern auch eine lange Geschichte in der Volksmedizin tragen. Ein unmittelbares Erkennungsmerkmal zeigt sich in den Nadeln. Sie sind flach, weich und stumpf. Eine Berührung ist möglich, ohne Zurückweichen. Die Unterseite trägt zwei deutlich sichtbare, helle Streifen. Diese entstehen durch Reihen von Spaltöffnungen und verleihen der Nadel einen silbrigen Schimmer. Die Nadeln sitzen scheinbar direkt am Zweig, fast so, als wären sie angesetzt oder angesaugt. Dieses Detail wirkt unscheinbar, prägt jedoch den gesamten Charakter des Baumes. Die Weißtanne ist eine ausgesprochene Schattenbaumart. Ihre Keimlinge und Jungpflanzen können über viele Jahre im Halbdunkel des Waldes bestehen. In dieser Phase wächst sie langsam, beinahe zurückhaltend, während sie gleichzeitig ihre innere Struktur festigt. Sobald sich eine Lichtlücke öffnet, reagiert sie mit bemerkenswerter Dynamik. Wachstum entsteht dann nicht hastig, sondern kraftvoll und ausdauernd. Unter günstigen Bedingungen erreicht die Weißtanne Höhen von 30 bis 50 Metern, in Ausnahmefällen sogar darüber hinaus. Ihr Lebensalter kann mehrere Jahrhunderte umfassen. Während dieser langen Zeit verändert sich ihre Gestalt. Junge Bäume zeigen eine klassische, spitze Krone. Mit zunehmendem Alter verliert der Gipfeltrieb an Dominanz, während die Seitenäste weiterwachsen. Es entsteht die sogenannte Storchennestkrone, ein Bild von Reife und Anpassung. Von besonderer Bedeutung ist ihr Wurzelsystem. Die Weißtanne entwickelt eine ausgeprägte Pfahlwurzel, die tief in den Boden reicht. Ergänzt wird sie durch weitreichende Seitenwurzeln, die den Boden zusätzlich erschließen. Diese Kombination verleiht ihr eine außergewöhnliche Standfestigkeit. Gleichzeitig trägt sie zur Stabilisierung des Bodens und zur Verbesserung des Wasserhaushalts im Wald bei. Ihre Wurzeln verbinden sich häufig mit denen benachbarter Bäume und bilden ein unterirdisches Netzwerk, das Austausch und Unterstützung ermöglicht. Ihr natürliches Verbreitungsgebiet erstreckt sich über große Teile Europas, vor allem entlang der Gebirgsräume von den Pyrenäen bis zum Balkan. In Österreich findet man sie vor allem in den Alpen sowie in den höheren Lagen des Wald- und Mühlviertels. Sie bevorzugt luftfeuchte Standorte mit ausreichender Wasserversorgung, zeigt jedoch eine gewisse Toleranz gegenüber unterschiedlichen Böden. Eine konstante Wasserversorgung ist für ihr Wachstum wichtiger als hohe Nährstoffverfügbarkeit. Die Weißtanne ist eng in das ökologische Gefüge des Waldes eingebunden. Sie lebt in enger Verbindung mit Pilzen, mit denen sie sogenannte Mykorrhiza-Partnerschaften eingeht. Diese Symbiosen ermöglichen einen verbesserten Austausch von Nährstoffen und Wasser. Gleichzeitig bietet sie Lebensraum für zahlreiche Tierarten, von Insekten bis zu Vögeln. Trotz dieser Bedeutung ist ihr Bestand in den letzten Jahrhunderten deutlich zurückgegangen. Forstwirtschaftliche Entscheidungen, insbesondere die Bevorzugung der Fichte, haben dazu geführt, dass die Weißtanne vielerorts verdrängt wurde. Kahlschläge, Übernutzung und eine veränderte Waldstruktur erschwerten ihre natürliche Verjüngung. Hinzu kommt ein starker Verbiss durch Wildtiere, der junge Pflanzen besonders betrifft. Auch Umweltbelastungen haben ihre Spuren hinterlassen. Die Weißtanne reagiert empfindlich auf Luftschadstoffe, insbesondere auf Schwefeldioxid. In Zeiten hoher Emissionen kam es zu erheblichen Schäden in den Beständen. Erst mit der Verbesserung der Luftqualität konnte sich die Situation teilweise stabilisieren.

3. April 2026
Wenn aus Pflanzen Essenz wird – und aus Gedanken Klarheit Während meines Erasmus-Aufenthalts in Österreich und meiner Arbeit bei Sensoleo im Bereich Destillation und ätherische Öle hat sich nach und nach eine Verbindung gezeigt, die meine Arbeit prägt: die Verbindung von Naturcoaching und der Destillation ätherischer Öle. die Verbindung von Naturcoaching und der Destillation ätherischer Öle. Auf den ersten Blick wirken diese beiden Bereiche unterschiedlich. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich, wie nah sie sich sind. Beides sind Prozesse. Beides braucht Zeit, Aufmerksamkeit und einen klaren Rahmen. Beides entzieht sich jeder Beschleunigung. Im Naturcoaching geht es darum, in Kontakt zu kommen – mit sich selbst, mit einem Thema, mit dem, was gerade da ist. Die Natur ist dabei kein Hintergrund, sondern Gegenüber. Sie bringt Ruhe, weitet den Blick und ermöglicht eine Klarheit, die sich in geschlossenen Räumen oft nicht einstellt. Auch die Destillation folgt diesem Prinzip. Der Prozess beginnt nicht erst mit dem ersten Tropfen.
von Alexandra Abredat 3. April 2026
Es ist ein eigenartiger Moment, wenn ein Tag, der sich jahrelang „anders“ angefühlt hat, plötzlich ganz gewöhnlich wird. In Österreich ist der Karfreitag kein gesetzlicher Feiertag mehr. Die Welt läuft weiter, Termine bleiben bestehen, Supermärkte sind geöffnet. Und ich merke: Gerade dadurch wird dieser Tag spürbar. In Deutschland kenne ich ihn als stillen Einschnitt. Ein Tag, der sich fast von selbst entschleunigt. Weniger Lärm, weniger Bewegung, oft auch weniger Ablenkung. Es gibt Regeln, ja – Tanzverbot, eingeschränkte Veranstaltungen – aber dahinter liegt etwas Tieferes: eine kollektive Übereinkunft, dass dieser Tag nicht laut sein soll. In Österreich ist das anders. Hier ist der Karfreitag heute ein „persönlicher Feiertag“. Wer möchte, kann ihn sich frei nehmen – aus dem eigenen Urlaub. Wer arbeitet, arbeitet. Der Tag gehört nicht mehr allen, sondern jedem Einzelnen. Und genau da beginnt für mich die eigentliche Frage: Was passiert mit einem stillen Tag, wenn er nicht mehr geschützt ist?  Der Karfreitag ist kein freundlicher Feiertag. Sein Name kommt vom althochdeutschen „kara“ – Klage, Trauer, Schmerz. Es ist ein Tag, der nicht tröstet, sondern zuerst einmal konfrontiert. Im christlichen Verständnis wird an diesem Tag des Leidens und Sterbens Jesu gedacht. Die Kreuzigung – ein brutales, endgültiges Geschehen.
von Alexandra Abredat 30. März 2026
Der Name Sauwald steht am Anfang dieser Landschaft wie ein leiser Stolperstein. Er klingt schlicht, beinahe grob, als würde er nicht recht zu dem passen, was sich dahinter verbirgt. Schnell ist die volkstümliche Erklärung zur Hand: Wildschweine, die einst durch diese Wälder zogen. Doch der Blick zurück öffnet eine andere Spur. Wahrscheinlicher verweist der Name auf den „Passauer Wald“, auf die enge historische Verbindung zur Stadt Passau und ihrem Bistum. In diesem scheinbar einfachen Wort liegt also bereits eine Schichtung aus Geschichte, Deutung und Erinnerung. Landschaft beginnt hier nicht erst mit dem, was sichtbar ist, sondern mit dem, was benannt wurde.  Im Rahmen meines achtwöchigen Erasmus-Aufenthalts in Österreich entsteht eine besondere Form von Aufmerksamkeit für solche Orte. Der Alltag ist geprägt von körperlicher Arbeit, von Anstrengung, die sich unmittelbar im Körper abbildet. Muskeln, die sich melden, Bewegungen, die bewusster werden, ein Rhythmus, der sich langsam verschiebt. Gerade in dieser körperlichen Erfahrung öffnet sich ein Raum für Wahrnehmung. Der Sauwald tritt darin nicht als spektakuläres Ziel hervor, sondern als etwas, das sich schrittweise erschließt. Eine Landschaft, die nicht überwältigt, sondern begleitet. Geologisch betrachtet gehört der Sauwald zur Böhmischen Masse, einem der ältesten Grundgebirge Europas. Diese uralte Struktur prägt bis heute das Erscheinungsbild. Südlich der Donau erhebt sich das Gebiet als plateauartige Formation und zieht sich über etwa vierzig Kilometer von Passau und Schärding am Inn bis in den Raum Aschach und Eferding. Die Breite variiert zwischen zehn und zwanzig Kilometern, doch diese Zahlen erfassen nur unzureichend, was sich tatsächlich zeigt. Entscheidend ist die Form. Nach Norden hin fällt das Gelände steil zur Donau ab. Die sogenannten Donauleiten markieren diesen Übergang eindrucksvoll. In die anderen Richtungen hingegen verliert sich die Höhe sanfter im Alpenvorland. Diese klare Abgrenzung verleiht dem Sauwald eine Eigenständigkeit, die sich auch ohne Kartenlesen erschließt.
von Alexandra Abredat 29. März 2026
Es beginnt nicht mit Fliesen. Es beginnt mit einer Wahrheit, die man nicht mehr wegerklären kann: Mein Badezimmer war einmal ein Schweinestall. Nicht im übertragenen Sinn. Kein charmantes „ein bisschen in die Jahre gekommen“. Sondern ganz konkret. Mit allem, was dazugehört. Geschichte, Geruch – und einer sehr klaren Vorstellung davon, wofür dieser Raum ursprünglich gedacht war. Spoiler: Wellness gehörte nicht dazu.
von Alexandra Abredat 28. März 2026
Der Morgen liegt noch kühl über dem Inn, als hätte die Nacht ihre Finger nicht ganz von der Landschaft gelöst. Nebel zieht in feinen Schleiern über das Wasser, bleibt hängen an Schilfkanten, an Weidenzweigen, an den stillen Buchten der Altwässer. Während meines achtwöchigen Erasmus-Aufenthalts in Österreich nehme ich mir immer wieder Zeit, genau hier stehen zu bleiben. Es ist kein Ort, der sich aufdrängt, sondern einer, der sich erst zeigt, wenn man bereit ist zu schauen. 
von Alexandra Abredat 28. März 2026
Die Reise beginnt lange, bevor ein Motor anspringt. Sie beginnt in einem diffusen Zwischenraum aus Idee und Zweifel, irgendwo im Sommer 2025, als der Gedanke an Erasmus+ zum ersten Mal nicht mehr nur abstrakt blieb, sondern sich langsam verdichtete. Europa, Austausch, Entwicklung – große Worte, die in der Praxis plötzlich ganz konkret werden. Formulare, Abstimmungen, E-Mails, Fristen. Vieles davon war überraschend klar strukturiert und mit etwas Geduld gut zu bewältigen. Die eigentliche Herausforderung lag jedoch nicht im Organisatorischen, sondern im Inneren. In diesem leisen Unbehagen, das sich meldet, wenn man nicht genau weiß, worauf man sich einlässt und das sich auch nicht sofort legt. Sensoleo in Österreich war zu diesem Zeitpunkt noch mehr Vorstellung als Realität. Ich wusste, dass dort destilliert wird, dass mit Pflanzen gearbeitet wird, dass Qualität und Regionalität eine Rolle spielen. Aber wie sich das anfühlen würde, wie es riecht, klingt, sich im Körper anfühlt – das wusste ich nicht. Und genau darin lag eine eigentümliche Spannung: nicht vorbereitet im klassischen Sinne zu sein, sondern offen. Die Fahrt Anfang März verläuft ruhig, fast unspektakulär. Passau bleibt ein kurzer Moment am Rand, ein Übergang, kein Ziel. Dahinter beginnt etwas anderes. Die Straßen werden kurviger, die Landschaft weiter und gleichzeitig stiller. Wälder, Felder, vereinzelte Höfe. Mein erster Halt liegt in Esternberg. Die Arbeit findet in Münzkirchen statt, ein paar Kilometer entfernt. Das Ankommen ist warm – so, wie es sich schon im Mail- und Telefonkontakt angedeutet hat. Kein vorsichtiges Herantasten, sondern sofortige Offenheit. Ich werde nicht nur begrüßt, ich werde aufgenommen. Meine Unterkunft ist großzügig, modern und ruhig. Kein Übergangsort, sondern ein Raum, der Stabilität gibt. Und genau das verändert den Blick auf alles, was folgt. Schneller, als es sich vorher angefühlt hat. 
von Alexandra Abredat 23. Januar 2026
Ein Wintermärchen mit Pfoten, Federn und Herz: Manchmal braucht eine Geschichte länger als geplant. Sie trödelt ein wenig, macht Umwege, setzt sich zwischendurch in den Schnee und schaut erst einmal. Genau so eine Geschichte ist Pfoten im Schnee . Und jetzt ist sie fertig. Endlich. Und ich freue mich sehr.
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