Kürbis – Eine Beere mit Format, Charakter und gelegentlich schlechtem Benehmen
Warum der Kürbis botanisch betrachtet ein Hochstapler ist, weshalb seine Blüten getrennte Wege gehen und warum man bei ihm nicht alles glauben sollte, was auf dem Teller landet. Wenn der Herbst Einzug hält, beginnt die große Zeit des Kürbisses. Plötzlich liegen sie überall: auf Märkten, vor Hofläden, in Gärten und auf Fensterbänken. Manche leuchten orange wie frisch polierte Verkehrsschilder, andere tragen ein silbrig-blaues Gewand, sind warzig, gerippt oder sehen aus, als hätten sie sich beim Wachsen nicht ganz entscheiden können, welche Form sie eigentlich annehmen möchten. Der Kürbis ist ein echter Herbststar. Er schmückt Hauseingänge, wird zu Suppen verarbeitet, dient als Halloween-Laterne und bringt Hobbygärtner dazu, ehrfürchtig vor besonders stattlichen Exemplaren stehen zu bleiben. Mancher misst seine Ernte in Kilogramm, andere begnügen sich mit einem hübschen Stück für die Fensterbank. Platz beansprucht er ohnehin genug. Hinter der dekorativen Fassade steckt eine botanisch bemerkenswerte Pflanze. Ihre Geschichte reicht Jahrtausende zurück, ihre Blüten folgen einer besonderen Arbeitsteilung und ihre Früchte sprengen gelegentlich jede Vorstellung von bescheidener Gartenernte. Wer beim Kürbis nur an Suppe, Ofengemüse und Halloween denkt, unterschätzt diesen pflanzlichen Schwergewichtler.
Eine Beere? Im Ernst?
Fangen wir mit einer botanischen Unverschämtheit an: Die Kürbisfrucht ist botanisch eine Beere. Genauer gesagt handelt es sich um eine sogenannte Panzerbeere. Das klingt weniger nach Obstschale und eher nach einem Gewächs, das sich auf einen mittelalterlichen Feldzug vorbereitet. Tatsächlich beschreibt der Begriff einen besonderen Fruchttyp mit einer fleischigen Fruchtwand und einer je nach Art und Sorte ausgesprochen festen äußeren Schicht.
Zum Vergleich lohnt ein Blick auf die Johannisbeere. Sie ist eine echte Beere: Ihre Frucht entwickelt sich aus einem einzigen Fruchtknoten, die gesamte Fruchtwand bleibt saftig und fleischig, die Samen liegen darin eingebettet. Die Himbeere dagegen ist botanisch eine Sammelsteinfrucht. Was wir als Himbeere essen, setzt sich aus vielen kleinen Einzelfrüchten zusammen, die jeweils einen harten Kern umschließen. Der Kürbis spielt wiederum in einer eigenen Liga. Seine Frucht entwickelt sich aus einem einzigen, unterständigen Fruchtknoten. Im Inneren gliedert sie sich in drei bis fünf Fächer, in denen zahlreiche Samen heranreifen. Bei Wildformen kann die Fruchtwand hart und verholzt sein. Sie bleibt dann lange intakt. Nach längerer Lagerung können im Wesentlichen die trockene Fruchtwand, der Stiel und die Samen übrig bleiben. Solche trockenen Früchte sind sogar schwimmfähig – eine Eigenschaft, die man einem Kürbis auf dem heimischen Kompost zunächst nicht unbedingt zutraut. Auch bei den Größenverhältnissen kennt die Panzerbeere wenig Zurückhaltung. Je nach Art und Kultur können ihre Früchte mehr als einen Meter Durchmesser und drei Meter Umfang erreichen. Gewichte von 150 Kilogramm und mehr sind möglich. Man könnte also sagen: Der Kürbis ist eine Beere, die beschlossen hat, sich nicht mit Kleinigkeiten aufzuhalten. Botanisch gehört die Gattung Cucurbita zur Familie der Kürbisgewächse (Cucurbitaceae). Zu den bedeutenden Kulturarten zählen der Riesen-Kürbis (Cucurbita maxima), der Moschus-Kürbis (Cucurbita moschata) und der Garten-Kürbis (Cucurbita pepo). Der Hokkaido gehört zum Riesen-Kürbis, Zucchini und Steirischer Ölkürbis zum Garten-Kürbis. In der Küche und im Handel begegnet uns der Kürbis als Fruchtgemüse. Die Botanik betrachtet ihn genauer – und kommt zu einer ziemlich überraschenden Einordnung.
Eine amerikanische Erfolgsgeschichte mit jahrtausendealten Wurzeln
Die Heimat der Kürbisse liegt in Nord-, Mittel- und Südamerika. Dort entwickelten sich verschiedene Arten, die Menschen unabhängig voneinander domestizierten. Die Geschichte des Kürbisanbaus reicht erstaunlich weit zurück: In der bolivianischen Moxos-Ebene bauten Menschen bereits vor mehr als 10.000 Jahren Kürbisse an. Damit gehört der Kürbis zu den sehr frühen Kulturpflanzen der Menschheitsgeschichte. Die drei bedeutenden Kulturarten haben unterschiedliche Ursprungsregionen: Der Garten-Kürbis wurde in Mexiko und im Süden der heutigen Vereinigten Staaten domestiziert, der Moschus-Kürbis in Mittelamerika und der Riesen-Kürbis in Südamerika. Aus diesen frühen Kulturformen entwickelte sich über lange Zeit eine beeindruckende Vielfalt. Vermutlich standen zunächst die nahrhaften Samen im Mittelpunkt. Die Samen der Wildformen enthalten keine Cucurbitacine, während deren Früchte bitter schmecken können. Durch die gezielte Auslese nichtbitterer Formen erschlossen Menschen nach und nach auch das Fruchtfleisch als Nahrungsmittel. Schon in präkolumbischer Zeit gab es eine große Sortenvielfalt. Der Kürbis war längst mehr als eine zufällige Zutat am Rand des Speiseplans.
Besonders eindrucksvoll ist die traditionelle Anbauform, die als „Drei Schwestern“ oder Milpa bekannt wurde. Dabei wachsen Kürbis, Mais und Bohnen gemeinsam auf einer Fläche. Was auf den ersten Blick wie eine ungewöhnliche Pflanzengemeinschaft aussieht, folgt einem bemerkenswert durchdachten Prinzip: Jede der drei Pflanzen übernimmt eine eigene Aufgabe und unterstützt damit die anderen. Der Mais wächst hoch und kräftig. Seine Stängel dienen den Bohnen als natürliche Kletterhilfe, an der sie emporranken können. Die Bohnen wiederum gehen an ihren Wurzeln eine Symbiose mit Knöllchenbakterien ein. Diese Bakterien können Stickstoff aus der Luft binden und ihn dem Boden in pflanzenverfügbarer Form zuführen. Davon profitieren auch die Nachbarpflanzen. Der Kürbis übernimmt die Bodenfläche: Mit seinen weit ausladenden Trieben und großen Blättern bedeckt er den Boden wie eine lebende Mulchschicht. Dadurch bleibt die Feuchtigkeit länger im Erdreich, während gleichzeitig das Wachstum unerwünschter Beikräuter erschwert wird. So entsteht ein Anbausystem, in dem sich drei Pflanzen mit unterschiedlichen Wuchsformen und Fähigkeiten ergänzen: Der Mais bietet Halt, die Bohnen tragen zur Stickstoffversorgung bei und der Kürbis schützt den Boden. Jede Schwester bringt etwas mit, das den beiden anderen zugutekommt. Dieses Wissen um das Zusammenspiel der Pflanzen ist keine moderne Erfindung, sondern Teil einer jahrhundertealten landwirtschaftlichen Tradition amerikanischer Kulturen. Eine bemerkenswerte Form des Anbaus – und ein ziemlich überzeugendes Beispiel dafür, dass gute Nachbarschaft auch im Pflanzenreich Ertrag bringt.
Auch bei der Nutzung beschränkten sich die Menschen keineswegs auf das Fruchtfleisch. Sie verwendeten die Samen, verarbeiteten Blüten, Blätter und Sprossspitzen und machten das Fruchtfleisch haltbar, indem sie es in Streifen schnitten und trockneten. So wurde aus einer saisonalen Ernte ein Vorrat für später. Der Kürbis war damit Nahrungsmittel, Nutzpflanze und ein verlässlicher Bestandteil des alltäglichen Lebens. Im 16. Jahrhundert gelangte der Kürbis durch die Spanier nach Europa. Hier kultivierte man ihn zunächst auch als Zier- und Volksarzneipflanze. Von Europa aus verbreitete sich die Gattung in den warmen Regionen der Welt. Eine kleine sprachgeschichtliche Kuriosität am Rande: Im Mittelalter unterschied man den Kürbis sprachlich nicht immer eindeutig von Melone und Gurke. Die botanische Systematik brachte später Ordnung in die Verwandtschaftsverhältnisse. Die Alltagssprache hält sich bekanntlich nicht immer an wissenschaftliche Zuständigkeiten.
Einhäusig, aber keineswegs ungesellig
Auch das Liebesleben des Kürbisses verdient einen genaueren Blick. Kürbispflanzen sind einhäusig getrenntgeschlechtig, botanisch monözisch genannt. Das bedeutet: Eine Pflanze trägt sowohl männliche als auch weibliche Blüten. Die Geschlechter sitzen jedoch in getrennten Blüten. Jede übernimmt eine eigene Aufgabe – eine bemerkenswert klare Zuständigkeitsregel im grünen Haushalt. Die Blüten stehen einzeln in den Blattachseln und leuchten in kräftigem Goldgelb. Mit einer Kronenlänge von sechs bis zehn Zentimetern sind sie auffällig groß. Beide Blütengeschlechter besitzen eine fünfzählige Blütenhülle aus Kelch und Krone. Die männlichen Blüten tragen die Staubblätter. Diese erscheinen auf den ersten Blick wie drei Einheiten, tatsächlich sind die fünf Staubblätter in Gruppen miteinander verwachsen. Die weiblichen Blüten besitzen einen unterständigen Fruchtknoten mit drei bis fünf Fächern. Darüber sitzt ein kurzer Griffel mit drei bis fünf zweilappigen Narben. Auch beim Nektar zeigt sich eine botanische Besonderheit: Die Pflanze produziert ihn an einer Scheibe und am Grund des Blütenbechers. Nach erfolgreicher Bestäubung entwickelt sich aus dem Fruchtknoten die spätere Kürbisfrucht. Aus einer einzelnen goldgelben Blüte entsteht so ein Gebilde, das später ganze Schubkarren beschäftigen kann. Die getrennten Blüten sind also keineswegs ein Zeichen mangelnder Geselligkeit. Sie gehören schlicht zum Fortpflanzungskonzept dieser Pflanzengattung. Der Kürbis organisiert seine Blüten nach Geschlechtern – und überlässt den Rest der Natur.
Ranken, Platzbedarf und ein ausgesprochen gesunder Durst
Kürbispflanzen wachsen krautig, meist niederliegend oder kletternd. Ihre Ranken können sich drei- bis siebenfach verzweigen. Wer ihnen im Garten freie Hand lässt, erlebt schnell, wie großzügig sie den vorhandenen Raum interpretieren. Ein Kürbis hält sich nicht unbedingt an die gedachte Beetgrenze. Zaun, Kompost und Nachbarbeet können aus seiner Sicht durchaus zum erweiterten Lebensraum gehören. Die meisten kultivierten Arten besitzen ein fädiges Wurzelsystem. Für kräftiges Wachstum brauchen sie viel Sonne und reichlich Wasser. Besonders zu Beginn ihrer Entwicklung ist eine gute Wasserversorgung wichtig, damit die Pflanzen ihre Wurzeln ausbilden können. Frost vertragen sie nicht. Junge Pflanzen sollten deshalb erst nach den Eisheiligen ins Freiland ziehen. Ein Platz am Kompost, am Zaun oder im Beet bietet sich an. Auch ein ausreichend großer Kübel kommt infrage. Wer allerdings einen kleinen Balkon besitzt, sollte vor der Pflanzung über die spätere Ausdehnung nachdenken. Der Kürbis betrachtet „ausreichend Platz“ ausgesprochen großzügig.
Eine Sortenvielfalt mit ganz unterschiedlichen Persönlichkeiten
Die drei wichtigen Kulturarten Cucurbita maxima, Cucurbita moschata und Cucurbita pepo bringen eine erstaunliche Vielfalt hervor. Ihre Früchte unterscheiden sich in Form, Farbe, Größe, Schalenbeschaffenheit und Geschmack. Manche eignen sich besonders gut für die Küche, andere liefern schalenlose Kerne für die Ölgewinnung. Wieder andere sind vor allem wegen ihrer ungewöhnlichen Erscheinung beliebt. Einige Vertreter verdienen einen genaueren Blick:
Der Hokkaido – der unkomplizierte Publikumsliebling: Der Hokkaido gehört zu den bekanntesten Speisekürbissen und botanisch zum Riesen-Kürbis. Sein festes, faserarmes Fruchtfleisch schmeckt angenehm nussig und erinnert ein wenig an Maronen. Besonders praktisch: Seine Schale wird beim Kochen weich und kann mitgegessen werden. Das erspart nicht nur Arbeit, sondern auch die gelegentliche Auseinandersetzung mit einem widerspenstigen Küchenmesser.
Der Butternut – der elegante Feinschmecker: Der birnenförmige Butternut gehört zum Moschus-Kürbis. Seine glatte, leicht gelbliche Schale umschließt helloranges Fruchtfleisch mit zartem Butteraroma und dezenter Süße. Besonders bemerkenswert: Die wenigen Kerne befinden sich ausschließlich im unteren Teil der Frucht. Ein Kürbis, der offenbar Wert auf eine übersichtliche Innenausstattung legt.
Der Muskatkürbis – der aromatische Charakterkopf: Der Muskatkürbis beginnt sein Leben dunkelgrün und entwickelt mit zunehmender Reife eine hellbraun-orange Färbung. Sein festes, sattoranges Fruchtfleisch schmeckt nussig, fruchtig und beinahe süß, mit einer feinen Muskatnote. Mit bis zu 30 Kilogramm Gewicht gehört er nicht gerade zu den Leichtgewichten. Für die Küche eignet er sich unter anderem für Suppen, Kuchen, Kompott und Ofengerichte.
Der Patisson – das UFO im Gemüsebeet: Wer diesen Kürbis zum ersten Mal sieht, könnte meinen, ein kleines Raumschiff habe sich im Gemüsebeet verirrt. Der Patisson wird deshalb auch UFO-Kürbis genannt. Er gehört zum Garten-Kürbis und kommt in Weiß, Gelb oder Grün daher. Sein festes Fruchtfleisch erinnert geschmacklich an Zucchini. Junge Früchte werden mit Schale zubereitet; auch die Blüten sind essbar.
Der Galeux d’Eysines – der Erdnusskürbis mit Charakter: Dieser Kürbis ist optisch eine kleine Herausforderung für Menschen mit ausgeprägtem Ordnungssinn. Seine pfirsich- bis rosafarbene Schale trägt warzenartige Auswüchse, die durch Zuckeransammlungen entstehen. Hinter der ungewöhnlichen Oberfläche verbirgt sich süßes, aromatisches Fruchtfleisch. Es eignet sich für Suppen, Pürees und Backwaren. Ein schöner Beweis dafür, dass man sich von Äußerlichkeiten nicht täuschen lassen sollte.
Der Spaghetti-Kürbis – wenn die Natur Pasta macht: Dieser Garten-Kürbis trägt seinen Namen völlig zu Recht. Nach dem Garen zerfällt sein Fruchtfleisch in lange, spaghettiähnliche Fasern. Das milde, leicht nussige Aroma lässt sich gut mit Saucen, Käse oder Fleisch kombinieren. Die Natur hat hier gewissermaßen schon einmal die Vorarbeit für den nächsten Pastaabend erledigt.
Der Steirische Ölkürbis – das grüne Gold: Der Steirische Ölkürbis gehört zum Garten-Kürbis. Seine besondere Bedeutung verdankt er den schalenlosen Samen, die sich hervorragend zur Herstellung von Kürbiskernöl eignen. Ausgehend von der Steiermark entwickelte sich eine eigene Anbau- und Verarbeitungskultur rund um das nussig schmeckende „grüne Gold“.
Ludwigsburg im Kürbisfieber: Die weltgrößte Kürbisausstellung
Dass der Kürbis nicht nur botanisch, sondern auch als Ausstellungstalent Format besitzt, zeigt jedes Jahr die Kürbisausstellung im Blühenden Barock in Ludwigsburg. Vom 22. August bis zum 1. November 2026 steht sie unter dem Motto „LET’S PLAY“. Tausende Kürbisse verwandeln das Gelände in eine farbenfrohe Erlebniswelt. Die Figuren greifen bekannte Spiel- und Unterhaltungsthemen auf. Super Mario, Barbie und ein überdimensionales Schaukelpferd gehören zu den Motiven. Ausgerechnet eine Frucht, die botanisch so nüchtern als Panzerbeere eingeordnet wird, übernimmt hier die Hauptrolle in einer fantasievollen Freiluftausstellung. Auch kulinarisch dreht sich vieles um den Herbstklassiker: Kürbissuppe, Kürbis-Maultaschen und Kürbis-Secco zeigen, wie vielseitig sich die Frucht verarbeiten lässt. Dazu kommen Kürbismärchen, Varieté, eine Schnitzwelt, Kürbisschnitzen, Quiz, Regatta, Kürbis-Battle-Festival, die Kürbis-Wiegemeisterschaft und die größte Kürbissuppe Deutschlands. Beim Riesenkürbis-Schnitzfestival entstehen aus stattlichen Exemplaren eindrucksvolle Kunstwerke. Einige Figuren bleiben anschließend noch bis Anfang Dezember im Rahmen der „Leuchtenden Traumpfade“ zu sehen. Wer den Kürbis bislang nur als Suppe oder Dekoration kannte, bekommt in Ludwigsburg eine ziemlich eindrucksvolle Vorstellung davon, was in dieser Frucht steckt.
Vom getrockneten Vorrat zum kulinarischen Liebling
Der Kürbis hat eine bemerkenswerte kulinarische Geschichte. In den amerikanischen Kulturen nutzte man ihn bereits lange vor seiner Ankunft in Europa auf vielfältige Weise. Getrocknete Fruchtfleischstreifen machten die Ernte haltbar, Samen dienten als Nahrung, und auch Blüten, Blätter und junge Sprossspitzen fanden Verwendung. Diese Vielseitigkeit hat der Kürbis bis heute bewahrt. Sein Fruchtfleisch lässt sich kochen, braten, backen, füllen oder einlegen. Daraus entstehen Suppen, Pürees, Currys, Risottos, Salate, Kuchen, Marmeladen und Kompott. Je nach Sorte schmeckt es mild, nussig, fruchtig oder leicht süßlich. Aromatisch harmonieren Kürbisse unter anderem mit Knoblauch, Chili, Schalotten, Äpfeln und frischen Kräutern. Auch die Kerne verdienen Aufmerksamkeit. Geröstet werden sie zum knusprigen Snack, gemahlen oder gepresst finden sie weitere Verwendung. Besonders der Steirische Ölkürbis wurde für seine schalenlosen Kerne gezüchtet. Aus ihnen entsteht das bekannte Kürbiskernöl. Weniger bekannt ist, dass auch Kürbisblüten, Blätter und junge Sprossspitzen in der Küche Verwendung finden. Blüten lassen sich beispielsweise füllen, frittieren oder gratinieren. In China und einigen afrikanischen Ländern werden auch die Blätter als Gemüse gegessen. Der Kürbis ist also nicht nur eine große Frucht, sondern ein erstaunlich vielseitiges Kulturgewächs. Die Unterscheidung zwischen Sommer- und Winterkürbissen richtet sich übrigens vor allem nach dem Erntezeitpunkt und dem Reifezustand. Sommerkürbisse erntet man jung, bevor Schale und Samen hart werden. Sie lassen sich nur begrenzte Zeit lagern. Winterkürbisse dagegen reifen vollständig aus. Ihre feste Schale und der verholzende Stiel ermöglichen bei geeigneten Bedingungen eine Lagerung über mehrere Monate. Botanisch handelt es sich dabei nicht um zwei getrennte Pflanzengruppen.
Die bittere Seite der Panzerbeere
Bei aller Begeisterung für den herbstlichen Alleskönner gibt es eine botanische Besonderheit, die man unbedingt kennen sollte: Kürbisgewächse können giftige Bitterstoffe enthalten, die sogenannten Cucurbitacine. Sie kommen in Wildformen vor und können Magen-Darm-Beschwerden, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall auslösen. In seltenen Fällen sind schwere Vergiftungen möglich. Durch langjährige Züchtungsarbeit hat man bitterstoffarme beziehungsweise bitterstofffreie Speisekürbisse selektiert. Ganz ausschließen lässt sich das Auftreten der Bitterstoffe jedoch nicht. Stress durch Trockenheit, Hitze oder Schädlingsbefall kann bei bestimmten Sorten eine Rolle spielen. Auch Rückmutationen, nicht sortenreines Saatgut, unerwünschte Kreuzungen, falsche Lagerung und Überreife können problematisch sein. Deshalb gilt eine einfache, aber wichtige Regel: Schmeckt ein Kürbis deutlich bitter, sofort ausspucken und entsorgen. Nicht weiterprobieren und das Gericht keinesfalls verzehren. Auch Kochen zerstört die Cucurbitacine nicht. Bereits kleine Mengen können Beschwerden auslösen. Zierkürbisse und wildwachsende Kürbisgewächse gehören nicht auf den Teller. Sie können hohe Mengen dieser Bitterstoffe enthalten. Wer Kürbisse selbst anbaut, sollte ausschließlich zertifiziertes Saatgut verwenden. Samen aus dem eigenen Speisekürbis für die nächste Aussaat aufzubewahren, ist keine sichere Alternative: Durch Fremdbestäubung können unerwünschte Kreuzungen entstehen. Bei Kürbissen gilt also: Nicht alles, was hübsch aussieht, ist essbar. Und nicht alles, was aus dem eigenen Garten kommt, ist automatisch harmlos.
Ernte und Lagerung: Der richtige Zeitpunkt entscheidet
Winterkürbisse können bei geeigneten Bedingungen mehrere Monate gelagert werden. Dafür braucht es einen kühlen, trockenen und gut belüfteten Platz. Die Früchte sollten unbeschädigt sein und ihren Stiel behalten. Eine feste Schale und ein trockener, verholzter Stiel geben Hinweise auf die Reife.
Auch beim Einkauf helfen ein paar einfache Merkmale: Ein frischer Kürbis weist keine Druckstellen auf und klingt beim Klopfen hohl. Der Stiel sollte möglichst noch vorhanden sein. Fehlt er, kann die Frucht schneller verderben.
Wer seinen Kürbis im Garten erntet, sollte ihm genügend Zeit zum Ausreifen lassen. Eine feste Schale und ein trockener, verholzter Stiel sind gute Zeichen. Dann heißt es: abschneiden, vorsichtig transportieren und an einen geeigneten Lagerplatz bringen. Der Kürbis hat schließlich schon im Beet bewiesen, dass er gern Raum einnimmt. Bei der Ernte sollte man ihm diesen letzten Gefallen nicht verwehren.
Ein botanisches Schwergewicht mit erstaunlich viel Geschichte
Der Kürbis ist vieles zugleich: botanisch eine Panzerbeere, gärtnerisch ein ausladender Kletterkünstler, kulinarisch ein vielseitiges Fruchtgemüse und kulturgeschichtlich eine Pflanze mit einer beeindruckend langen Vergangenheit. Seine goldgelben Blüten, die verzweigten Ranken und die enorme Vielfalt seiner Früchte machen ihn zu weit mehr als einem herbstlichen Dekorationsstück. Vor über 10.000 Jahren bauten Menschen in Amerika bereits Kürbisse an. Sie nutzten Samen, Fruchtfleisch, Blüten und Blätter, entwickelten unterschiedliche Anbauformen und machten die Ernte haltbar. Jahrtausende später steht dieselbe Pflanzengattung in europäischen Gärten, auf Wochenmärkten und als Kunstwerk in Ludwigsburg. Vielleicht liegt genau darin der besondere Reiz des Kürbisses: Er verbindet botanische Eigenwilligkeit mit menschlicher Kulturgeschichte. Er kann den Garten überwuchern, die Küche bereichern und als Panzerbeere selbst erfahrene Pflanzenkenner überraschen. Wer im Herbst vor einem Kürbis steht, sieht deshalb künftig vielleicht ein wenig mehr als eine orangefarbene Frucht. Nämlich eine Pflanze mit einer langen Geschichte, einer erstaunlichen botanischen Konstruktion und einem ausgeprägten Sinn für Größe. Bescheidenheit gehört jedenfalls nicht zu ihren hervorstechenden Eigenschaften.
Quellen:
Kürbis: Sorten, Rezepte und Zubereitung | ndr.de
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