Holunder – ein uralter, mystischer Hausstrauch

Alexandra Abredat

Holunder (Sambucus nigra) ist ein uralter, mystischer Hausstrauch, welcher schon immer die Nähe zu Menschen suchte. Er wird auch Fliederbeere oder Holderbusch genannt, ist eine von drei heimischen Arten aus der Gattung Holunder und gehört zur Familie der Geißblattgewächse (Caprifoliaceae).



Für die genussreiche Küche und zum Heilen ist er ein Tausendsassa, der uns gleich zweimal im Jahr reich beschenkt. Im Frühjahr bringt er schneeweiße Blüten hervor, im Herbst schwarze, aromatische Beeren. Dieser Strauch der Gegensätze hilft uns, Harmonie sowie ein inneres Gleichgewicht zu finden. [1] [2]


Vorkommen

Der Schwarze Holunder ist eine der in Mitteleuropa häufigsten Straucharten. Ebenfalls anzutreffen ist er im restlichen Europa, in Westsibirien, im nördlichen Indien, dem Kaukasus, Kleinasien und in Nordafrika. Von Vorteil dafür ist sicher seine Robustheit und Anspruchslosigkeit. Holunder ist ausgesprochen frosthart und gedeiht gut im Halbschatten auf Unkraut- und Ruderalfluren, Waldlichtungen oder an Wegrändern, schätzt jedoch insbesondere mittelschwere bis sandige, stickstoffreiche und frische, schwach saure Lehmböden. Als Stickstoffzeiger findet man ihn konzentriert an übermäßig stickstoff-reichen Standorten. In den Alpen ist er bis in die mittlere Gebirgslage von etwa 1.500 Meter anzutreffen. Die österreichischen Vorkommen sind in allen Bundesländern sehr häufig. Neben wilden Vorkommen findet sich der Holunder auch in Kultur, seit Mitte der 1980er Jahre in wieder zunehmender Zahl. Ein Anbaugebiet für Holunder ist die Oststeiermark. Es existieren einige Sorten, die zu unterschiedlichen Zwecken selektiert wurden. [3]


Vegetative Merkmale

Der Schwarze Holunder ist ein bis 11 Meter hoher Strauch oder kleiner Baum mit starker Verzweigung. Die Zweige des Holunders sind oftmals bogenartig ausladend. Die Rinde ist von graubrauner Farbe und bei jüngeren Zweigen übersät mit Korkporen, die als hellere Erhebungen ins Auge fallen. Diese Erhebungen sowie die Äste sind ausgefüllt mit weißem, fast schaumstoffartigem Mark. Die dickeren Äste sowie der Stamm haben eine längsgefurchte graubraune, korkartige Borke. Der Holunder ist ein Flachwurzler mit weitreichendem Wurzelwerk.

Die gegenständigen Laubblätter sind unpaarig gefiedert. Die einzelnen Blattfiedern sind etwa 30 Zentimeter lang und bestehen aus meist fünf oder sieben Einzelblättern, die elliptisch und am Rand gesägt sind. Die Einzelblätter sind jeweils bis etwa 12 Zentimeter lang. Das Blattwerk entwickelt sich etwa im März bis April. [4] Für verschiedene Schmetterlingsraupen sind die Blätter des Schwarzen Holunders die Nahrungsquelle. Beim Zerreiben riechen die Blätter unangenehm. [5]


Generative Merkmale

Ab Mai bis in den Juli erscheinen am jungen Holz bis zu 30 Zentimeter große, flache Schirmrispen aus vielen Einzelblüten. Ihr frischer, fruchtiger Duft ist unverwechselbar und typisch für den Holunder. Die weißen oder leicht gelblichen Blüten sind in der Regel fünfzählig. Sie besitzen entsprechend jeweils fünf Kelchblätter, fünf miteinander verwachsene Kronblätter, fünf freie Staubblätter mit gelben Staubbeuteln und drei miteinander verwachsene Fruchtblätter, die später in der Frucht drei Kerne bilden. Ein kleinerer Teil der Blüten ist jedoch auch vierzählig. Zerreibt man ein Blatt zwischen den Fingern, riecht es auch leicht nach den Blüten; so kann Holunder auch einfach erkannt werden, wenn er keine Blüten oder Früchte trägt. Die Blüten werden von Fliegen, Hautflüglern und Käfern besucht.

Im August und September beginnen die anfangs roten, später schwarzen Vitamin-C- und Kalium-reichen, ungefähr sechs Millimeter großen „Beeren“ zu reifen. Bei den Früchten handelt es sich eigentlich um Steinfrüchte, die auch als „Fliederbeeren“ bezeichnet werden. Sie besitzen einen burgunderroten Saft, der aus Textilien kaum auswaschbar ist, und bilden jeweils drei Samen. Während diese Früchte reifen, färben sich auch die Stiele, an denen sie sitzen, rötlich. Die Beeren sind nach dem Abkochen oder Vergären essbar. Die Früchte werden hauptsächlich durch Vögel, wie beispielsweise Amseln, Drosseln, Stare und Mönchsgrasmücken, verbreitet, doch auch Säugetiere und Menschen tragen zur Verbreitung bei. [6]


Bestäubung

Durch die späte Blüte im Juni besteht keine Spätfrostgefahr. Die, je nach Sorte cremeweißen, gelblich leuchtenden oder rosa blühenden, flachen Trugdolden verströmen einen süßlichen Geruch und stellen einen besonderen Zierwert dar. Der Holunder ist selbstfruchtend und benötigt deshalb keine Bestäuber. [7]

Einige morphologisch ähnliche Arten

Verwechselungen können mit dem Zwerg-Holunder (Sambucus ebulus) bestehen. Er hat aber unverholzte Stängel und purpurne Staubbeutel. [8]


Lebensraum für Tiere

Über 60 Vogelarten und einige Dutzend Insekten haben den Holunder im wahrsten Sinne zum Fressen gerne. Wenn im Spätsommer die Früchte reifen, stellen die Insektenfresser wie Mönchsgrasmücke und Grauschnäpper ihre Ernährung auf die kalorienreichen Früchte um. [9]


Verwendung

Getrocknete Blüten und der Beerensaft werden in der Volksheilkunde wegen der harn- und schweißtreibenden Wirkung verwendet. Nur vollreife Früchte verwenden, diese lassen sich zu Fruchtsaft, Mus und Gelee, Wein, Likör und Edelbrand verarbeiten. Aus frischen Blütendolden können Holundersirup und -sekt sowie „Hollerküchle“ hergestellt werden. [10]


Holunder als Heilmittel

Holundersaft und die Holunderbeeren, aber auch Tees aus Rinde und Blütenständen gelten als probate Hausmittel gegen Erkältung, Nieren- und Blasenleiden sowie zur Stärkung von Herz und Kreislauf und finden bis heute Anwendung. Als Faktoren dieser Wirkung gilt das in den Früchten mit 180 mg/kg reichlich enthaltene Vitamin C sowie Vitamin B, Fruchtsäuren, ätherische Öle, die auch in den Blüten enthalten sind, und vor allem farbgebende Anthocyanidine (als Glycoside Sambucin, Sambicyanin, Chrysanthemin). Dieses Antioxidans schützt die Zellmembranen vor Veränderungen durch freie Radikale und verlangsamt so den Alterungsprozess der Pflanzenzellen wie auch der Zellen des menschlichen Konsumenten. Zusätzlich soll es einen entzündungshemmenden und dadurch schmerzlindernden und fiebersenkenden Effekt haben. Polyphenole, die aus den Früchten des schwarzen Holunders gewonnen wurden, zeigten in einer Studie interessante zell- und gewebeschützende Effekte, die die durch den oxidativen Stress bei diabetischer Stoffwechsellage entstandenen Gefäßschäden reduzieren konnten. Einige Studien fanden, dass Holunder-Extrakte ein wirksames Mittel zur Behandlung der Grippe seien.

Die ätherischen Öle mit ihren Aromakomplexen wirken leicht schweißtreibend und schleimlösend. Auch bei Magenbeschwerden wird Holundertee in der Hausmedizin erfolgreich angewendet. Die getrockneten Blüten werden als „Flores Sambuci“ in Drogerien und Apotheken angeboten. Studien konnten auch diesen eine entzündungswidrige Wirkung nachweisen. Volkstümliche Anwendung finden neben den Früchten und den Blüten des schwarzen Holunders bisweilen auch seine Blätter (Folia Sambuci), diese werden bei rheumatischen Erkrankungen angewendet.

Die aus der volkstümlichen Überlieferung bekannte Verwendung von Holunder als Heilpflanze bei Diabetes mellitus wurde in Studien in vitro untersucht, dabei konnte eine insulinähnliche sowie die Sekretion von Insulin stimulierende Wirkung nachgewiesen werden. Studiendaten beim Menschen liegen hierzu nicht vor.

Die Früchte haben eine leicht abführende Wirkung.

Holunderöl wird durch Kaltpressung aus Samen gewonnen und findet in Kosmetik, Pharmazie und Medizin Anwendung.


Holunder als Farbstoff

Die Beeren des Schwarzen Holunders enthalten den violetten Farbstoff Sambucyanin. Dieses zu den sekundären Pflanzenstoffen gehörende Flavonoid befindet sich überwiegend in den Schalen der Beeren (bis zu 60 %) und soll als Radikalfänger auch das Risiko von Herz-/Kreislauferkrankungen und Krebs senken. Die Beeren wurden früher zum Färben von Haaren und Leder eingesetzt. Mit dem Saft färbte man auch Rotwein. Nachdem sowohl die Konsumenten als auch die Lebensmittelindustrie inzwischen höhere Ansprüche an Färbemittel und Farbstoffe stellen, gewinnt dieser natürliche Farbstoff heute wieder an Wert. Er wird für Süßigkeiten und Molkereiprodukte in der Lebensmittelindustrie sowie in der Textilindustrie verwendet.


Holunder als Lebensmittel

Sowohl die Blütenstände als auch die daran gereiften Früchte lassen sich zu Lebensmitteln verarbeiten. Anbau: Die Holunderanbaufläche in Deutschland betrug 2013 über 550 Hektar. Die Steiermark ist mit 1.400 Hektar Anbaufläche das größte Anbauzentrum Europas. Aufgrund der großen Nachfrage nach Holunderprodukten wuchs die Anbaufläche innerhalb der Steiermark von 2010 bis 2013 jährlich im zweistelligen Prozentbereich.


Blüten

Eine bekannte Zubereitungsform für die Blüten sind ausgebackene Holunderblüten, die im deutschen Sprachraum als Hollerküchel, Holunderpfannkuchen, Holunderküchle, Hollerschöberl oder (in Österreich) als Hollerstrauben bezeichnet werden. Dabei werden die Schirmrispen in einen dünnflüssigen Teig aus Mehl, Eiern und weiteren Zutaten, beispielsweise in Wein- oder Bierteig, getaucht, in der Pfanne gebacken oder frittiert und die dickeren Teile der Rispenstengel mit einer Schere abgeschnitten.

Darüber hinaus werden die Blüten als geschmacksgebende Komponente für Getränke verwendet. Besonders weit verbreitet sind Holunderlimonade bzw. -sirup und Holundersekt. Die Blüten werden in eine Zuckerlösung gelegt und nach einigen Tagen abfiltriert. In dieser Zeit hat die Zuckerlösung das Holunderblütenaroma angenommen.


Beeren

Da die Beeren des Holunders schwach giftig sind, kann es in manchen Fällen nach rohem Verzehr einer größeren Menge von Beeren beim Menschen zu Übelkeit bis hin zu Erbrechen kommen. Die Beeren müssen daher vor der Verarbeitung zu Gelee, Mus, Muttersaft oder Obstwein erhitzt werden. Aus den Beeren kann man mit Verdickungsmittel (Stärke), Gewürzen und Zucker eine Fruchtsuppe bereiten (in Norddeutschland als Fliederbeersuppe bezeichnet). Holunderbeeren werden zum Backen verwendet und kommen als Zutat in Roter Grütze vor. Ebenfalls in Norddeutschland ist die Verwendung des eingedickten Saftes aus den Früchten in Grog üblich (d. h. mit heißem Wasser und Rum gemischt). Die Beeren lassen sich problemlos einfrieren. Der Saft ist in der gustatorischen Wahrnehmung sehr aromatisch, aber säurearm und kaum süß. Daher wird er oft mit Apfel-, Birnen- oder anderen süßen Fruchtsäften gemischt. Aus Holunderbeeren kann Wein und Obstbrand hergestellt werden. Dazu werden die reifen Beeren verwendet, die vor dem Maischen von den Dolden entfernt werden. [11]


Aphrodisiakum, Zaubermittel und Ritualgewächs

Das Aushacken oder Verstümmeln eines Holunders brachte Unglück oder Tod, der Hollerstrauch im Hausgarten galt als Lebensbaum. Das Verdorren zeigte den Tod eines Familienmitglieds an. Er galt als Abwehrmittel gegen schwarze Magie und Hexen, schützte vor Feuer und Blitzeinschlag. Man sollte unter ihm vor Schlangenbissen und Mückenstichen sicher sein. Auch beherbergte er wohlgesinnte Hausgeister, was den Strauch in vielen Hausgärten heimisch werden ließ und zu dem Spruch führte, dass man vor einem Hollerbusch den Hut ziehen müsse. Der unangenehme Geruch des Laubes soll daherkommen, dass sich Judas einer Legende nach an einem Holunderbaum erhängt hat. [12]


Positive Konnotationen

In der nordischen Mythologie der Germanen existierte die Vorstellung, dass sich Freya, die Beschützerin von Haus und Hof, sich den Holunderbusch zum Wohnsitz auserwählt habe. Die Göttin der Quellen und Brunnen, Holla, wurde unter dem Hollerbusch „um die Fruchtbarkeit der Felder“ gebeten. An der Blüte des Holunders meinten die Bauern zudem, die Reichhaltigkeit der nachfolgenden Ernte ablesen zu können. Die Vorstellung, dass im Holunder die guten Geister wohnten, war bei Griechen, Römern und Germanen gleichermaßen bekannt, mit der Folge, dass es Sitte gewesen sei, „den Holunder in der Nähe des Hauses zu pflanzen“; allerdings niemals unter dem Schlafzimmer, da der schwere, süßliche Duft der Blüten benommen mache. Außerdem galt ein bei der Bestattung auf das Grab gestecktes Kreuz aus Holunder, das nach einiger Zeit wieder grünte, als Zeichen dafür, dass „dem Verstorbenen ein seliges Jenseits beschieden war“. Im Schweizer Alpenraum galt der Holunderbaum auch als Tor zum Jenseits, besungen im mythologischen Baumlieder-Album von Roland Zoss.


Negative Konnotationen

Der ebenfalls existierende Holunder-Beiname Baum des Teufels ist hingegen mit dem Christentum verbunden: Judas soll sich nach dem Verrat an Jesus an einem Holunder erhängt haben. Weitere negativ konnotierte mit dem Holunder verknüpfte Vorstellungen, die als Aberglaube bzw. Volksglaube bezeichnet werden können, sind:

# Ein am Haus stehender verdorrender Holunder kündigt den Tod eines Familienmitgliedes an.

# Holunder sei von den Bauern nicht gefällt worden – „aus Angst, es könne das Blut der darin wohnenden Hexe herausrinnen“.

# Holunder sei von den Bauern nicht von Zäunen entfernt worden und auch nicht verbrannt worden, „weil einer Sage nach, eine Heilige aufbrennendem Holunderholz den Tod als Märtyrerin erlitten hatte“

# Auf Grund der Verwandlungsfähigkeit von Hexen in einen Holunderzweig wurden aus Holunderholz weder Möbel hergestellt noch wurde es als Fußbodenbelag verwendet.

# Kinder, die in eine Wiege aus Holunder gelegt worden seien, konnten einem Raub durch Frau Holle zum Opfer fallen.

# Das Maßnehmen an Sarg und Gruft wurde mit einem Holunderzweig bewerkstelligt; des Sargkutschers Peitsche bestand ebenfalls daraus.

  

Blumensprache

Stolz und grünend steht der Holunderbusch im Gäu,
zwischen Schlehen, wilden Rosen in den Hecken,
wo der Felder Vögel ihre Brut verstecken,
und erfreut uns wieder jedes Jahr aufs Neu.
 
Mit den weißen Blüten schmückt er sich im Mai,
süßen, herben Duft der Dolden im Geleit,
glänzt der Strauch in seinem Hochzeitskleid,
Festtagstafel für Insekten vielerlei.
 
Im August, wenn schließlich dann die Beeren reifen,
in den Zweigen hängen, schwarz und saftig schwer,
sagen sie des Herbstes Ankunft uns vorher;
kühle Winde, die nun durch die Büsche streifen.
 
Kahl und knorrig stehn zuletzt die Holderstangen,
Frost und Kälte zeugten neue Buschwerkfarben,
bis die Blätter bunt im Sturme fliegend starben,
nun wird Winterstarre bis ins Holdermark gelangen.
[13]


Heilwirkung

Die zugeschriebene Heilwirkung des Holunders wird mit Blick auf den Volks- und Aberglauben der Landbevölkerung als „Apotheke des Einödbauern“ oft bezeichnet. Insbesondere der „berühmte Fliedertee wurde Grundbestandteil der sogenannten Bauernapotheke“. Vor diesem Hintergrund werden folgende Praktiken genannt:

# Das Behängen des Holunderbusches mit „Hautlappen, Eiter, Nägeln und Zähnen kranker Menschen“ galt als Maßnahme, durch die „unbändige Wuchskraft“ des Holunders das Böse zu verbrauchen.

# Das Umschlingen des Holunders galt jungen Bäuerinnen als Mittel gegen Kinderlosigkeit.

# Zahnschmerzen sollten durch das Beißen auf einen Holunderzweig auf denselben übertragen werden und somit von den Schmerzen befreien.

Als mit bestimmten Zeitpunkten und Orten verknüpfte Heilwirkungen sind zu nennen:

# Der Verzehr einer in Butter gebratenen Holunderdolde um 12 Uhr mittags am Johannistag unter der Feueresse, dem Sitz der Hausgeister, galt als Maßnahme, um ein Jahr lang Fieber abzuwehren.

# Die Wirkung des Holundertees als wirksames Mittel gegen Halsschmerzen war an die Ernte der Blüten vor Sonnenaufgang geknüpft.

# Drei vor Sonnenaufgang abgebrochene Holundersprossen galten als Mittel gegen Rinderflechte.

Quelle: [14]

  

Verwendung im Garten

Hinsichtlich der Fruchtqualität (deutlich größere Dolden und Beeren) sind die Holundersorten den Wildformen weit überlegen. Die Früchte reifen auch einheitlich ab und weisen höhere Gehalte an Farbstoffen, Vitaminen und Mineralstoffen auf. Anfang bis Mitte September reift die österreichische Sorte 'Haschberg'. Bereits ab Mitte August reifen dänische Sorten, wie z.B. 'Samyl', 'Sampo' und 'Samdal'. Mit ihrer attraktiven Erscheinung erweitern die neuen dunkellaubigen, z.T. geschlitztblättrigen oder auch gefülltblühenden Sorten (keine Früchte) die Gestaltungsmöglichkeiten im Garten. Sorten mit hohem Zierwert sind z. B. 'Black Lace' (purpurfarbene, geschlitzte Blätter), 'Black Beauty', 'Thundercloud' (dunkles Laub, Blüten duften nach Zitrone) oder 'Laciniata' (grüne, tief geschlitzte Blätter). Für zusätzliche Attraktivität sorgen die rosa-pinkfarbenen Blütendolden von 'Black Lace', 'Black Beauty' und 'Thundercloud'. Die Früchte der Ziersorten können ebenfalls verwertet werden. [15]

 

Quellen:
[1] www.kostbarenatur.net/anwendung-und-inhaltsstoffe/schwarzer-holunder

[2] www.mein-schoener-garten.de/pflanzen/holunder/schwarzer-holunder

[3] de.wikipedia.org/wiki/Schwarzer_Holunder

[4] de.wikipedia.org/wiki/Schwarzer_Holunder

[5] www.mein-schoener-garten.de/pflanzen/holunder/schwarzer-holunder

[6] de.wikipedia.org/wiki/Schwarzer_Holunder

[7] www.lwg.bayern.de/gartenakademie/gartendokumente/infoschriften/085865

[8] Was blüht denn da? Kosmos Naturführer, von M. und R. Spohn, 59. Auflage, 2015, ISBN 978-3-440-13965-3

[9] bremen.nabu.de/tiere-und-pflanzen/pflanzen/Unsere20Heckenpflanzen

[10] www.lwg.bayern.de/gartenakademie/gartendokumente/infoschriften/085865

[11] de.wikipedia.org/wiki/Schwarzer_Holunder

[12] de.wikipedia.org/wiki/Schwarzer_Holunder

[13] www.gedichte.com/showthread.php/138784-Loblied-auf-den-Holunder

[14] de.wikipedia.org/wiki/Holunder#Der_Holunder_in_Religion,_Mythos_und_Aberglauben_bzw._Volksglauben

[15] www.lwg.bayern.de/gartenakademie/gartendokumente/infoschriften/085865

von Alexandra Abredat • 17. September 2026
Die Idee für meine zukünftige Cocktailbar ist nicht plötzlich entstanden. Sie begleitet mich schon seit meiner Ausbildung zur Kräuterpädagogin. Für meine Abschlussarbeit habe ich mich mit Wildkräuter-Cocktails beschäftigt. Mich hat damals besonders interessiert, wie sich Pflanzenwissen und Barkultur miteinander verbinden lassen. Welche Aromen bringen Wildkräuter mit? Wie lassen sie sich verarbeiten? Welche Pflanzen eignen sich für Sirupe, Infusionen oder andere Zubereitungen? Und wie wird aus einer Pflanze, die am Wegesrand wächst, ein interessanter Cocktail? Mit der Abgabe meiner Arbeit war das Thema für mich keineswegs abgeschlossen. Wildkräuter-Cocktails beschäftigen mich bis heute, ebenso wie Pflanzen, Aromen, Garten und die Frage, was sich aus natürlichen Zutaten entwickeln lässt. Inzwischen sind weitere Bereiche hinzugekommen, die für meine Idee eine wichtige Rolle spielen. Als Kräuterpädagogin vermittle ich Pflanzenwissen und beschäftige mich mit der Verwendung von Kräutern und Wildpflanzen. Als Naturcoach arbeite ich mit der Beziehung zwischen Mensch und Natur. Durch meine Ausbildung als Gärtnerin kenne ich Pflanzen auch aus der praktischen Perspektive und weiß, was hinter Anbau, Pflege und Saisonalität steckt. Die Cocktailwelt ergänzt diese Bereiche auf eine sehr spannende Weise. Denn auch ein Cocktail beginnt mit Aromen. Wenn Pflanzen ins Glas wandern Mich interessiert deshalb nicht nur, welcher Gin in einem Drink steckt. Mich interessiert auch, welche Pflanze dahintersteht, wann sie wächst, wie sie riecht und schmeckt und wie sich ihr Charakter in einem Getränk ausdrücken lässt. Holunderblüte, Waldmeister, Minze, Thymian, Beeren, Hagebutten oder Fichtenspitzen eröffnen völlig unterschiedliche aromatische Möglichkeiten. Aus ihnen können Sirupe, Infusionen, Auszüge oder Bestandteile eines Cocktails entstehen. Genau hier liegt für mich die Verbindung zwischen meiner Arbeit mit Pflanzen und meiner Begeisterung für Cocktails. Die Natur liefert die Aromen. Der Garten liefert saisonale Zutaten. Das Handwerk macht daraus einen Drink. Eine eigene Bar wäre deshalb für mich keine Abkehr von meiner bisherigen Arbeit, sondern vielmehr eine konsequente Weiterentwicklung. Dann fehlte nur noch der passende Name. Warum ausgerechnet Clover Club? Die Antwort führt über einen Cocktail: Clover Club heißt ein klassischer Gin-Cocktail, dessen Geschichte bis zum Ende des 19. Jahrhunderts zurückreicht. Namensgeber war der gleichnamige Herrenclub in Philadelphia, der 1882 gegründet wurde und in dem sich Geschäftsleute, Juristen, Politiker und Journalisten trafen. Der Cocktail entwickelte sich in diesem Umfeld und wurde zu einem Klassiker der amerikanischen Barkultur. Frühe schriftliche Rezepte lassen sich bis in die ersten Jahre des 20. Jahrhunderts zurückverfolgen. Seine klassische Rezeptur ist erstaunlich überschaubar: Gin, Zitronensaft, Himbeersirup und Eiweiß beziehungsweise eine entsprechende Alternative. Gerade diese Kombination macht den Clover Club interessant. Der Gin bringt botanische Aromen, die Zitrone sorgt für Säure und Frische, die Himbeere für Frucht und Süße. Das Eiweiß gibt dem Drink seine charakteristische seidige Textur und die feine Schaumkrone. Ein Cocktail, der gleichzeitig botanisch, fruchtig und handwerklich anspruchsvoll ist, passt natürlich ziemlich gut zu meiner Geschichte. Was hat der Klee damit zu tun? Clover bedeutet Klee. Damit schließt sich für mich die Verbindung zur Pflanzenwelt. Klee gehört zu den Pflanzen, die wir beinahe überall sehen und trotzdem oft übersehen. Wer sich näher mit Pflanzen beschäftigt, erkennt schnell, dass auch hinter einem vermeintlich gewöhnlichen Kleeblatt eine interessante botanische und ökologische Geschichte steckt. Genau dieses bewusste Hinschauen gehört zu meiner Arbeit. Als Kräuterpädagogin möchte ich Menschen für Pflanzen begeistern, die ihnen längst vertraut erscheinen. Als Naturcoach geht es mir darum, Natur bewusst wahrzunehmen und mit allen Sinnen zu erleben. Als Gärtnerin interessiert mich, wie Pflanzen wachsen und welche Bedingungen sie benötigen. Clover verbindet diese Pflanzenwelt mit der Cocktailwelt. Der Name macht damit genau das, was auch meine zukünftige Bar können soll: zwei Bereiche zusammenbringen, die auf den ersten Blick vielleicht nicht selbstverständlich zusammengehören und bei genauerem Hinsehen erstaunlich gut harmonieren. Ein Cocktail mit Geschichte und ein Name mit persönlichem Bezug Der Clover Club selbst hat im Laufe der Zeit eine bemerkenswerte Reise hinter sich. Nach seiner Blütezeit geriet er weitgehend in Vergessenheit und erlebte erst mit der Renaissance klassischer Cocktails eine neue Aufmerksamkeit. Dass ein alter Cocktail irgendwann wiederentdeckt wird, gefällt mir besonders. Denn auch meine Arbeit mit Pflanzen hat viel mit dem Wiederentdecken zu tun. Wildkräuter stehen schon immer vor unseren Füßen. Alte Anwendungen, traditionelle Pflanzenkenntnisse und vergessene Aromen warten darauf, wieder wahrgenommen zu werden. Der Clover Club passt deshalb nicht nur wegen seines Namens zu meiner Idee. Auch seine Geschichte passt. Eine Bar, die aus meiner bisherigen Arbeit wächst Wenn ich an meine zukünftige Bar denke, sehe ich deshalb keinen Ort, der nur klassische Cocktails serviert. Ich sehe einen Ort, an dem meine verschiedenen Themen zusammenfinden. Dort darf die Kräuterpädagogin über Pflanzen sprechen, die Naturcoachin die Natur als Inspiration mitbringen und die Gärtnerin über saisonale Zutaten nachdenken. Die Cocktailgärtnerin darf schließlich überlegen, wie aus diesen Pflanzen und Aromen ein guter Drink entsteht. Dabei möchte ich nicht einfach möglichst viele Kräuter in Cocktails verstecken. Entscheidend ist für mich, dass jede Zutat einen geschmacklichen und möglichst auch einen erzählerischen Sinn hat. Ein Cocktail darf nach einer Sommerwiese duften. Ein anderer kann die Aromen des Waldes aufnehmen. Saisonale Früchte können zu Sirupen werden, Kräuter zu Infusionen und bekannte Pflanzen zu völlig neuen Geschmackserlebnissen. So entsteht eine Bar, in der die Natur nicht nur Dekoration ist. Sie wird Teil des Geschmacks. Warum Clover Club für mich mehr als ein schöner Name ist Ich möchte einen Namen, der meine bisherige Arbeit nicht verleugnet, sondern sichtbar weiterführt. Clover Club verbindet Pflanzen und Cocktails, Natur und Genuss, Garten und Aromen. Der Begriff „Clover“ schafft die Verbindung zur Pflanzenwelt. Der historische Clover Club bringt die Geschichte der klassischen Barkultur dazu. Der „Club“ steht zugleich für einen Ort, an dem Menschen zusammenkommen, miteinander sprechen, genießen und eine gute Zeit verbringen. Das vierblättrige Kleeblatt darf dabei natürlich ebenfalls mitspielen. Es gilt als Glücksbringer und bringt genau die kleine Portion Leichtigkeit und Augenzwinkern mit, die eine Bar meiner Meinung nach ebenfalls braucht. Vor allem aber steckt hinter dem Namen meine eigene Geschichte. Die Geschichte beginnt mit meiner Abschlussarbeit über Wildkräuter-Cocktails. Sie führt über meine Arbeit als Kräuterpädagogin, Naturcoach und Gärtnerin weiter zu meiner Beschäftigung mit Aromen und Cocktails. Eine zukünftige Bar wäre deshalb kein völlig neuer Weg. Sie wäre der nächste Schritt auf einem Weg, der längst begonnen hat. Vielleicht steht irgendwann tatsächlich Clover Club über der Tür. Dann erzählt dieser Name nicht nur die Geschichte eines alten Cocktails. Er erzählt auch meine. Von den Wildkräutern zum Cocktail. Vom Garten ins Glas. Von der Natur an die Bar. Genau dafür soll Clover Club stehen. Clover Club Zutaten für 1 Cocktail 4,5 cl Gin (zum Beispiel Tanqueray London Dry Gin oder Brockman’s Premium Gin) 1,5 cl frisch gepresster Zitronensaft 1,5 cl Himbeersirup 1 Eiweiß alternativ: 20 ml Aquafaba oder 4 Tropfen Cocktail Foamer Zubereitung Gin, Zitronensaft, Himbeersirup und Eiweiß zunächst ohne Eis kräftig shaken. Dieser sogenannte Dry Shake sorgt dafür, dass sich das Eiweiß gut mit den übrigen Zutaten verbindet und eine feine, stabile Schaumkrone entsteht. Anschließend Eiswürfel dazugeben und den Cocktail erneut kräftig shaken. Durch das zweite Shaken kühlt der Drink ab und erhält seine charakteristische cremige Textur. Den Clover Club ohne Eis in ein gekühltes Cocktailglas abseihen und sofort servieren. Glas: Coupette bzw. klassisches Cocktailglas Servierweise: Straight up – gekühlt und ohne Eis Quellen: Die Geschichte des Clover Club: Ein Drink mit Gentlemen-Genen - Cocktailbar Wien bestens | Cocktails, Geburtstagsparty feiern & private Feiern Clover Club Cocktail - Rezept, Zubereitung & passende Gins - GINspiration.de Einfach, erfrischend, erfrischend einfach: Der Clover Club Clover Club Cocktail | Rezept für den Gin-Cocktail mit Himbeeren Clover Club cocktail - Wikipedia
von Alexandra Abredat • 1. Mai 2026
Es gibt Küchenfenster und es gibt mein Küchenfenster. Meines ist kein einfaches Fenster. Es ist eine Einladung, die jeden Tag neu erscheint, sich leicht verändert und trotzdem vertraut bleibt wie ein alter Pullover, der bleiben darf, egal wie viele kleine Löcher er inzwischen hat. 
von Alexandra Abredat • 1. Mai 2026
Dieses Mal ging es um die Küche. Früher war hier allerdings kein Raum, der diesen Namen verdient hätte. Stattdessen eine Kombination aus ehemaligem Schlafzimmer und einem Bereich mit Ausgussbecken, der sich nie so ganz entscheiden konnte, was er eigentlich sein wollte. Die Farben waren… engagiert. Eine Mischung aus Zeitgeist und Mut zur Eskalation. Die Elektrik ergänzte das Bild hervorragend: vorhanden, aber eher als Konzept. Licht gab es gelegentlich. Steckdosen wirkten wie zufällige Ereignisse. Die Ausgangslage war also hervorragend – wenn man gerne bei null anfängt. Der Plan klang zunächst vernünftig: zwei Räume verbinden, Struktur schaffen, Technik erneuern. Am Ende sollte es aussehen, als wäre es schon immer genau so gedacht gewesen. Ein Klassiker. Funktioniert in der Theorie erstaunlich gut. Dann kam die Praxis.
von Alexandra Abredat • 19. April 2026
Die zweite Hälfte beginnt nicht neu, sondern vertieft, was bereits angelegt ist. Routinen sind vorhanden, Abläufe gefestigt, die Handgriffe sitzen. Genau darin entsteht eine andere Form von Spannung. Die Arbeit wird präziser, Abweichungen werden schneller sichtbar und Zusammenhänge treten deutlicher hervor. Der Arbeitsalltag bleibt körperlich fordernd. Beim Heben und Tragen des Pflanzenmaterials, beim Befüllen der Destillen und beim Entleeren der noch heißen Anlage sind Kraft, Ausdauer und Aufmerksamkeit gleichzeitig erforderlich. Meine Schultern, mein Rücken und meine Arme werden dabei dauerhaft beansprucht. Die Abläufe wiederholen sich, die Belastung bleibt konstant. Am Ende eines Tages ist im gesamten Körper spürbar, was diese Arbeit tatsächlich bedeutet. Zugleich verlangt die Destillation in jedem einzelnen Schritt ein hohes Maß an Präzision. Desinfizieren, Befüllen, Erhitzen, Entleeren und Reinigen greifen ineinander. Fehler lassen sich nicht ausgleichen, sondern zeigen sich unmittelbar. Die Phase der Weißtanne ist abgeschlossen. Zehn Destillationen liegen hinter dem Team und mir. Jeder Durchgang folgt einem klar strukturierten Ablauf, bei dem das Pflanzenmaterial vorbereitet, die Anlage befüllt, der Destillationsprozess gesteuert und am Ende ätherisches Öl und Hydrolat voneinander getrennt werden. Anschließend wird die Anlage sorgfältig gereinigt und für den nächsten Prozess vorbereitet. Dieser Übergang stellt keinen Abschluss dar, sondern bildet die Voraussetzung für das, was folgt. Mit Rosmarin setzt sich die Arbeit fort. Sein Duft ist würzig, frisch und von einer leicht kampferartigen Note geprägt. Kampfer gehört zu den Inhaltsstoffen vieler ätherischer Öle und wirkt anregend auf Kreislauf und Aufmerksamkeit. Während der Destillation wird diese Wirkung unmittelbar spürbar. Müdigkeit tritt in den Hintergrund, der Kopf wird wach und die Wahrnehmung gewinnt an Klarheit. Parallel dazu arbeite ich mit Lavendelöl. Dessen Duft ist weich und ausgleichend. In der Kombination entsteht ein ruhiges Gleichgewicht zwischen Klarheit und Stabilität. 
von Alexandra Abredat • 15. April 2026
Es beginnt nie mit einem Flakon. Es beginnt mit einer Pflanze. Wenn ich draußen stehe, irgendwo zwischen Rosmarin, Beifuß oder wild wachsendem Thymian, dann ist Parfüm plötzlich nichts Abstraktes mehr. Es ist unmittelbar da. Zerreibt man ein Blatt zwischen den Fingern, steigt ein Duft auf, der frisch ist, herb, manchmal fast scharf und zugleich erstaunlich vielschichtig. Genau hier liegt der Ursprung dessen, was wir heute als Parfüm bezeichnen: in der direkten Begegnung zwischen Mensch und Pflanze. Ein Parfüm ist im Kern ein meist flüssiges Gemisch aus Alkohol und Riechstoffen, geschaffen, um Gerüche zu formen, zu verändern oder bewusst zu überdecken. Der Begriff selbst trägt seine Herkunft bereits in sich. Er leitet sich vom französischen parfum ab, das wiederum auf das italienische perfumare und das spätlateinische per fumum zurückgeht, was so viel bedeutet wie „durch den Rauch“. Diese sprachliche Spur führt direkt zu den Anfängen zurück, in eine Zeit, in der Duft nicht aus Flakons kam, sondern aus Feuer. Bereits vor mehreren Jahrtausenden, etwa um 3000 v. Chr., wurden in Mesopotamien und im alten Ägypten Harze, Hölzer und Kräuter verbrannt. Der aufsteigende Rauch war Träger von Bedeutung. Duft wurde geopfert, gesendet, verstanden als Verbindung zwischen Menschen und einer anderen Ebene. In Ägypten, besonders während des Neuen Reiches zwischen 1550 und 1070 v. Chr., entwickelte sich daraus eine hochkomplexe Duftkultur. Priester stellten Mischungen her, die weit mehr waren als angenehme Gerüche. Sie waren Medizin, Ritual und Ausdruck von Weltverständnis. Kyphi ist eines der bekanntesten Beispiele. Eine aufwendig komponierte Mischung aus Weihrauch, Myrrhe, Styrax, Zimt, Opoponax, Sandelholz, Rosen und weiteren Bestandteilen, oft ergänzt durch Wein, Rosinen oder Öle. Der Aufwand, diese Zutaten zu beschaffen, war erheblich. Handelswege über große Distanzen waren notwendig, um diese Rohstoffe zusammenzuführen. Duft war kostbar, selten und bedeutungsvoll. Mit der Zeit veränderte sich die Rolle des Duftes. Was zunächst den Göttern vorbehalten war, wurde zunehmend auf den lebenden Körper übertragen. Inschriften aus der Zeit der Pharaonin Hatschepsut, die zwischen 1490 und 1469 v. Chr. regierte, zeigen, wie eng Duft mit Reinheit, Schönheit und spiritueller Ordnung verknüpft war. Wohlgeruch wurde als Ausdruck von Lebendigkeit verstanden. Parallel entwickelte sich in Indien seit der vedischen Zeit, etwa ab 1500 v. Chr., eine Duftkultur, die stark auf körperliche Erfahrung ausgerichtet war. Pflanzen wurden nicht nur verräuchert, sondern direkt auf die Haut aufgetragen. Duft war Teil von Pflege, Medizin und sozialem Ausdruck. Texte wie das Kamasutra beschreiben sehr konkret den Umgang mit aromatischen Substanzen. Duftende Öle, parfümierte Salben und mit Blüten versehene Kleidung gehörten zum kultivierten Leben. Die technische Grundlage all dieser Anwendungen lag zunächst in einfachen Verfahren wie der Mazeration. Pflanzenteile wurden in Öle oder Fette eingelegt, um ihre Duftstoffe zu übertragen. Diese Methode ist bis heute Teil der Kräuterarbeit. Sie erfordert Geduld, Aufmerksamkeit und ein Verständnis dafür, dass Zeit ein wesentlicher Faktor ist. Einen entscheidenden Fortschritt brachte die Destillation. In der arabischen Welt wurde sie zwischen dem 9. und 11. Jahrhundert systematisch weiterentwickelt. Avicenna beschrieb um das Jahr 1000 Verfahren, mit denen sich ätherische Öle, insbesondere aus Rosen, gewinnen ließen. Damit wurde es möglich, Duft in konzentrierter und reproduzierbarer Form zu isolieren. Rosenwasser und Rosenöl wurden zu zentralen Bestandteilen der Duftkultur. Im europäischen Mittelalter, insbesondere zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert, wurde Duft zunehmend medizinisch interpretiert. Die Vorstellung, dass Krankheiten durch schlechte Luft entstehen, führte dazu, dass aromatische Pflanzen gezielt eingesetzt wurden, um diese Luft zu „reinigen“. Lavendel, Rosmarin, Salbei und Thymian wurden getragen, verräuchert oder als Essenzen genutzt. Wohlgeruch galt als Zeichen von Gesundheit. In genau diesem Kontext entsteht eines der ersten alkoholbasierten Parfums Europas: das Ungarische Wasser, auch bekannt als Hungary Water oder Aqua Reginae Hungariae. Seine Ursprünge werden meist in das späte 14. Jahrhundert datiert, häufig um das Jahr 1370. Die genaue Entstehung bleibt unklar. Überliefert ist eine Legende, die es mit Elisabeth von Ungarn verbindet. Erzählungen berichten von einer alternden Königin, die durch ein von einem Einsiedler oder Alchemisten hergestelltes Elixier Linderung fand und zugleich eine bemerkenswerte Vitalität zurückgewann. Die Rezepturen dieses Wassers sind erstaunlich klar strukturiert. Im Zentrum steht Rosmarin, meist frisch destilliert, kombiniert mit Thymian und Alkohol, häufig in Form von gebranntem Wein. Spätere Varianten erweitern diese Basis um Lavendel, Minze, Salbei, Majoran, Orangenblüten und Zitrusschalen. Diese Zusammensetzung wirkt aus heutiger Sicht fast modern, mit einer klaren Gliederung aus frischen, krautigen und leicht floralen Komponenten. Das Ungarische Wasser wurde nicht nur äußerlich angewendet, sondern auch in kleinen Mengen eingenommen. Es galt im 17. Jahrhundert als eine Art universelles Heilmittel. Anwendungen reichten von Kopfschmerzen über Zahnschmerzen bis hin zu Ohrgeräuschen und allgemeinen Schwächezuständen. Diese breite Nutzung zeigt deutlich, dass Duft und Medizin zu dieser Zeit nicht getrennt waren. Ein Duft war immer auch eine Wirkung. Seine Verbreitung in Europa war erheblich. Über Jahrhunderte hinweg gehörte es zu den bekanntesten Duft- und Heilwässern, bis im 18. Jahrhundert das Eau de Cologne zunehmend an Bedeutung gewann. Besonders geschätzt wurden Varianten aus Montpellier, bei denen die Qualität des verwendeten Rosmarins entscheidend war. Zeitgenössische Quellen berichten sogar von Fälschungen, was den hohen Stellenwert dieses Produktes deutlich macht. Aus meiner praktischen Arbeit mit ätherischen Ölen ist dieser Zusammenhang unmittelbar nachvollziehbar. Rosmarin ist eine Pflanze mit klarer, durchdringender Präsenz. Er wirkt anregend, fördert die Durchblutung und bringt Struktur in eine Mischung. Seine antioxidativen Eigenschaften können sich positiv auf die Haut auswirken, was einen Teil des historischen „Schönheitsversprechens“ erklärbar macht. Mit der Renaissance, etwa ab dem 15. und 16. Jahrhundert, verändert sich die Rolle des Parfüms erneut grundlegend. Duft wird zunehmend zu einem Ausdruck von Kultur, Status und persönlicher Inszenierung. Der Handel erweitert die Verfügbarkeit von Rohstoffen erheblich. Gewürze, Harze, Hölzer und Blüten aus verschiedenen Regionen werden kombiniert und neu interpretiert. Städte wie Grasse entwickeln sich zu Zentren der Parfümherstellung. Ein wichtiger Impuls geht auch von Katharina von Medici aus, die im 16. Jahrhundert Duftkultur aus Italien nach Frankreich bringt. Mit ihr gelangen nicht nur Rezepturen, sondern auch spezialisierte Alchemisten und Parfümeure an den französischen Hof. Die Kompositionen dieser Zeit sind oft schwer und intensiv. Tierische Duftstoffe wie Moschus, Ambra oder Zibet werden eingesetzt, um Tiefe und Haltbarkeit zu erzeugen. Diese Stoffe unterscheiden sich deutlich von pflanzlichen Komponenten, da sie weniger flüchtig sind und länger auf der Haut verbleiben. Mit dem 19. Jahrhundert beginnt eine neue Phase. Die organische Chemie ermöglicht es, Duftstoffe gezielt zu synthetisieren. Moleküle wie Vanillin oder Cumarin können isoliert und nachgebildet werden. Parfüm wird dadurch stabiler, günstiger und reproduzierbarer. Gleichzeitig entsteht eine gewisse Distanz zur Pflanze, da der Duft nicht mehr zwingend aus ihr gewonnen werden muss. Moderne Parfüms bestehen heute überwiegend aus Ethanol, Wasser und einer Mischung aus natürlichen und synthetischen Riechstoffen. Diese werden durch verschiedene Verfahren gewonnen, darunter Destillation, Extraktion oder Enfleurage. Die Struktur eines Duftes wird häufig über die sogenannte Duftpyramide beschrieben. Zunächst zeigt sich die Kopfnote, geprägt von flüchtigen Bestandteilen. Darauf folgt die Herznote, die den eigentlichen Charakter bestimmt. Abschließend entfaltet sich die Basisnote mit langanhaltenden Komponenten wie Harzen oder Hölzern. Diese Struktur entspricht in vieler Hinsicht den Eigenschaften pflanzlicher Rohstoffe. Zitrusöle verfliegen schnell, Kräuter halten länger, während Harze und Hölzer besonders persistent sind. Die Parfümerie nutzt hier ein Prinzip, das in der Natur bereits angelegt ist. Auch die Verwendung von Düften hat sich erweitert. Parfüm dient nicht nur der persönlichen Anwendung, sondern findet sich in Räumen, Produkten und sogar Lebensmitteln wieder. In der sogenannten funktionalen Parfümerie werden Duftstoffe eingesetzt, um Produkte angenehmer wirken zu lassen. Gleichzeitig bleibt die individuelle Wirkung zentral, da sich ein Duft auf jeder Haut anders entfaltet. Die Kulturgeschichte des Parfüms zeigt trotz aller Veränderungen eine bemerkenswerte Kontinuität. Es geht immer um Wahrnehmung, Wirkung und Erinnerung. Duft spricht Bereiche des Gehirns an, die eng mit Emotionen verbunden sind. Seine Wirkung ist unmittelbar und oft schwer in Worte zu fassen. In der Arbeit mit historischen Parfums geht es daher nicht darum, Rezepte exakt zu kopieren. Entscheidend ist das Verständnis der Prinzipien dahinter. Warum bestimmte Pflanzen kombiniert wurden, welche Wirkung angestrebt war und wie Duft in einen kulturellen Kontext eingebettet war. Am Ende bleibt eine einfache, fast unspektakuläre Erkenntnis. Parfüm ist keine isolierte Erfindung. Es ist das Ergebnis einer langen Entwicklung, die tief in der Pflanzenwelt verwurzelt ist. Der Ausgangspunkt hat sich dabei nie verändert. Er liegt nicht im Flakon, sondern in der Pflanze. Wichtige Fachbegriffe und Namen – kompakt erklärt Mazeration Auszug von Pflanzenstoffen durch Einlegen in Öl oder Alkohol über längere Zeit. Destillation Verfahren zur Gewinnung flüchtiger Inhaltsstoffe durch Verdampfung und Kondensation. Hydrolat Nebenprodukt der Destillation; enthält wasserlösliche Duft- und Pflanzenstoffe. Enfleurage Historische Methode zur Duftgewinnung über Fettbindung, besonders für empfindliche Blüten. Extraktion Gewinnung von Duftstoffen mithilfe von Lösungsmitteln (z. B. für Absolues). Expression (Kaltpressung) Mechanisches Auspressen von Duftstoffen, typisch für Zitrusschalen. Absolue Hochkonzentrierter pflanzlicher Duftstoff aus Extraktion, sehr intensiv und komplex. Resinoid Harzartiger Duftstoff aus pflanzlichen Rohstoffen, meist warm und balsamisch. Duftpyramide Strukturmodell eines Duftverlaufs: Kopf-, Herz- und Basisnote. Kopfnote Leichtflüchtige Duftphase, die unmittelbar nach dem Auftragen wahrnehmbar ist. Herznote Mittlere Duftphase, prägt den eigentlichen Charakter eines Parfüms. Basisnote Lang anhaltende, schwere Duftbestandteile, die Tiefe und Stabilität geben. Fixateur Stoffe (oft Harze oder schwere Duftnoten), die die Haltbarkeit eines Parfüms verlängern. Kyphi Altägyptische Duftmischung aus Harzen, Gewürzen und Blüten mit ritueller und medizinischer Bedeutung. Avicenna Gelehrter (ca. 980–1037), der die Wasserdampfdestillation von Rosen maßgeblich entwickelte. Hildegard von Bingen Benediktinerin (1098–1179), die Heilpflanzen systematisch beschrieb und Duft als Teil von Gesundheit verstand. Elisabeth von Ungarn Mit dem Ungarischen Wasser verbundene Königin; Symbolfigur für die Verbindung von Duft und Heilwirkung. Ungarisches Wasser (Aqua Reginae Hungariae) Frühes alkoholbasiertes Parfüm (spätes 14. Jahrhundert) auf Rosmarinbasis mit medizinischer und kosmetischer Nutzung. Katharina von Medici Brachte im 16. Jahrhundert italienisches Duftwissen nach Frankreich und prägte die höfische Parfümkultur. Eau de Cologne (EdC) Leichtes Duftwasser (ca. 3–5 % Duftstoffanteil), seit dem 18. Jahrhundert verbreitet. Eau de Toilette (EdT) Mittlere Duftkonzentration (ca. 6–9 %), für den täglichen Gebrauch. Eau de Parfum (EdP) Höher konzentrierter Duft (ca. 10–14 %), intensiver und länger haltbar. Extrait de Parfum Sehr hohe Duftstoffkonzentration (bis 30 % und mehr), besonders intensiv. Fougère Duftfamilie mit lavendelbetonter Frische, kombiniert mit moosigen und holzigen Noten. Chypre Duftstruktur aus Zitrus, Labdanum und Eichenmoos; komplex und kontrastreich. Gourmand-Noten Duftnoten, die an Lebensmittel erinnern, z. B. Vanille, Karamell oder Schokolade. Ambra (Ambergris) Seltene, ursprünglich tierische Duftsubstanz mit warmem, tiefem Charakter. Zibet Tierischer Duftstoff mit intensiver, animalischer Note; heute überwiegend ersetzt. Aldehyde Synthetische Duftstoffe, die Parfüms eine strahlende, oft „luftige“ Qualität verleihen. Ernest Beaux Parfümeur von Chanel No. 5, der Aldehyde prägend in die Parfümerie einführte. Terpene Wichtige Bestandteile ätherischer Öle, verantwortlich für viele pflanzliche Duftprofile. INCI (International Nomenclature of Cosmetic Ingredients) EU-weites System zur einheitlichen Deklaration von Inhaltsstoffen in Kosmetika. Quellen: Geschichte des Parfums ❤️ Von der Antike bis heute | DOUGLAS Geschichte des Parfums | Beauty.at Die Geschichte der Parfümerie | Musées de Grasse Die Geschichte des Parfüms: Von der Antike bis zu TikTok DIE SAMMLUNG DES PARFÜMEURS - Fragonard Parfumeur Die Entstehung von Parfüm Die faszinierende Geschichte des Parfums: Eine Reise durch die Welt der Düfte - Kosmetik transparent Zur Geschichte der Parfümerie: Historischer Start der Parfümerie im Abendland - haut.de Zur Geschichte der Parfümerie: Der frühe Handel mit Riechstoffen - haut.de melanie_parfum.pdf Parfüm – Wikipedia Ungarns Wasser – Wikipedia Book of Perfumes - Deutsches Museum Das Geheimnis der Königin von Ungarn und ihr Schönheitswasser - Mit Liebe gemacht by Doris Kern - Kräuter & Hausmittel www.mitliebegemacht.at/ungarn-wasser/
von Alexandra Abredat • 14. April 2026
Nach der Weißtanne stand Rosmarin auf meinem Destillationsplan. Schon allein die Pflanze trägt das Versprechen von Licht, Klarheit und einer Landschaft in sich, die mehr nach Duft als nach Ort wirkt. Es klingt nach Süden, nach trockener Wärme, nach einem Zweig zwischen den Fingern, der sofort seinen Duft freigibt. In der Woche nach Ostern war ich krank und mehr im Bett als draußen. Meine Energie war gering, und meine Bewegung beschränkte sich meist auf das Notwendige im Zimmer. Alles ging langsamer, jeder Schritt war mühsam. Zurück auf der Arbeit an der Destille wurde deutlich, wie fordernd diese Tätigkeit ist. Desinfizieren, befüllen, erhitzen, leeren – heiß natürlich –, reinigen und wieder von vorn. Eine Destille verlangt Aufmerksamkeit, saubere Abläufe und ein genaues Arbeiten. Zu zweit dauert es mehrere Stunden, bis alles durchgelaufen ist, und gerade nach der Krankheit ist das körperlich deutlich spürbar. In diesem Ablauf beginnt sich der Raum zu verändern. Erst kaum merklich, dann immer deutlicher. Der Duft baut sich auf, legt sich in die Luft, bleibt stehen. Rosmarin ist dabei nichts Zurückhaltendes. Er ist klar, würzig, fast kühl, mit dieser markanten Frische, die an Kampfer erinnert. Ein Duft, der nicht schmeichelt, sondern aufrichtet. Einer, der sofort wach macht. Während der Rosmarin destillierte, habe ich ätherisches Lavendelöl abgefüllt. Die Kombination war intensiv und roch nach mediterraner Landschaft. Rosmarin klar und wach, Lavendel weich und tragend. Zwei Düfte, die sich nicht überdecken, sondern sich halten. Den Termin für einen abendlichen Onlinekurs hatte ich mir Wochen zuvor gesetzt. Yoga in Verbindung mit ätherischen Düften. An diesem Tag war die Entscheidung nicht selbstverständlich. Müdigkeit, ein voller Kopf und der Wunsch, einfach nichts mehr zu müssen, standen deutlich im Raum. Ich habe mich trotzdem dafür entschieden. Während der Meditation war Rosmarin wieder da, diesmal als Cineol-Typ. Die Reise durch den Körper wurde von diesem klaren, fast kühlen Duft begleitet. Welch ein Erlebnis. Danach fühlte ich mich frisch und in einer ruhigen, positiven Stimmung. Mit dem Duft bin ich später am Abend auch eingeschlafen. Gerade nach diesen Tagen zwischen Müdigkeit, Anstrengung und wenig Kraft war das mehr als nur angenehm. Es hat sich stimmig angefühlt, als würde sich etwas ordnen, das vorher durcheinander war. Diese klare, fast kühle Wirkung ist typisch für den Cineol-Typ. Die Pflanze bildet je nach Standort unterschiedliche Chemotypen aus, und genau diese Unterschiede sind spürbar. Der Cineol-Typ wirkt vor allem im Kopf, ordnend und klärend. Der Campher-Typ hingegen wirkt deutlich körperlicher, wärmer und durchblutungsfördernd, besonders im Bereich von Muskeln und Gelenken. Es ist dieselbe Pflanze, aber mit unterschiedlicher Ausrichtung. Rosmarin ist seit jeher mehr als nur ein Küchenkraut. In der Antike war er der Liebesgöttin Aphrodite geweiht und galt als Zeichen für Treue und Schutz. Diese Bedeutung hat sich gehalten, bis heute wird Rosmarin in Brautsträuße gebunden. Sein intensiver Duft machte ihn früh zu einer Pflanze für Rituale und Räucherungen, später auch für die Pflege von Kranken. In Zeiten der Pest wurde Rosmarin zur Reinigung der Luft eingesetzt – ein Gedanke, der gar nicht so fern liegt, wenn man selbst erkältet im Bett liegt und sich nach genau dieser Klarheit sehnt. Auch in der Kulturgeschichte bleibt er präsent. Als Bestandteil der „Kräuter der Provence“ ist er aus der mediterranen Küche nicht wegzudenken, zugleich war er eine wichtige Zutat im sogenannten „Ungarischen Wasser“, einem der ältesten bekannten Parfüme Europas. Nach diesem Tag bleibt vor allem eines: Rosmarin wirkt nicht spektakulär, sondern präzise. Gerade nach der Krankheit, nach der Müdigkeit und der körperlichen Anstrengung zeigt sich diese Klarheit deutlich. Der Kopf wird ruhig, der Körper kommt nach, und beides findet wieder zusammen. Mehr braucht es manchmal nicht. PS: Das Geheimnis der Königin von Ungarn und ihr Schönheitswasser erzähle ich ein anderes Mal. Quellen: Rosmarin – Wikipedia Rosmarin Campher Bio - Ätherisches Öl für Klarheit | PRIMAVERA Bio-Ätherisches Rosmarin Cineol Öl - Belebend & Klärend | PRIMAVERA Rosmarin | PRIMAVERA Pflanzenglossar
von Alexandra Abredat • 11. April 2026
Zwischen Dampf und Duft – über Hydrolate, ätherische Öle und die stille Präzision der Destillation: Wissen über Pflanzen entsteht nicht zufällig. Es wächst über Jahre, wird gesammelt, geprüft, angewendet und weitergegeben. Als Kräuterpädagogin habe ich genau diesen Weg hinter mir: Wildkräuter in der Küche, in der Naturkosmetik, in Workshops, in der Praxis. Inhaltsstoffe, Wirkweisen und Anwendungen sind vertraut. Dieses Wissen ist tragfähig. Es ist präzise, nachvollziehbar und verlässlich. Was im Rahmen meines Erasmus-Aufenthalts in Österreich geschieht, führt darüber hinaus. Hier verlässt dieses Wissen die sichere Ordnung der Theorie und wird im Prozess überprüfbar. Nicht im Sinne eines groben Funktionierens, sondern in der wesentlich anspruchsvolleren Frage: Trägt es unter realen Bedingungen? Die Destillation erweist sich dabei als bemerkenswert ehrlicher Maßstab. Denn sie lässt sich nicht überreden. Eine Destille reagiert nicht auf gute Absichten, sondern auf Temperatur, Material und Timing. Sie übersetzt das, was man tut, unmittelbar in ein Ergebnis. Sehr direkt. Sehr zuverlässig. Man könnte sagen: angenehm unbestechlich. Auf dem Papier ist ihr Prinzip schnell erklärt: Ein Gemisch wird erhitzt, flüchtige Bestandteile verdampfen, kondensieren und werden als Destillat aufgefangen. Ein thermisches Trennverfahren, sauber definiert. In der Praxis beginnt es genau dort interessant zu werden, wo diese Erklärung zu kurz greift.
von Alexandra Abredat • 8. April 2026
Passau liegt auf dem Weg. Für meinen Erasmus-Aufenthalt im März und April 2026 in Österreich führt kein sinnvoller Weg daran vorbei. Die Autobahn endet, und mit ihr das gleichmäßige Vorankommen. Es wird enger, langsamer, dichter. Straßen winden sich, Häuser rücken näher zusammen, und plötzlich ist Wasser da – nicht als Blickfang, sondern als klare Ansage: Hier ist Schluss mit Ausweichen. Donau, Inn und Ilz treffen aufeinander und regeln ziemlich eindeutig, wie viel Platz bleibt. Die Fahrt geht mitten hindurch. Altstadt, dann Innstadt. Spätestens dort ist klar, dass Geschwindigkeit keine Rolle mehr spielt. Die Straßen sind schmal, die Abstände knapp, und mein Fiat Panda wirkt plötzlich wie eine strategisch hervorragende Lebensentscheidung. Anhalten kommt nicht in Frage. Dafür bin ich zu gespannt auf den Ort, an dem ich die nächsten Wochen verbringen werde.
von Alexandra Abredat • 6. April 2026
Ostermontag ist wie ein Sonntag, der so tut, als wäre nichts Besonderes – und genau darin ist er erstaunlich gut. Man steht auf, der Tag wirkt harmlos, fast beiläufig. Kein großes Programm, kein gesellschaftlicher Druck. Und gerade deshalb passiert etwas, das an lauteren Tagen oft untergeht: Gedanken bekommen Raum. Ostermontag gehört liturgisch zu den höchsten Festtagen der Osteroktav, kein Nachklang, sondern ein zweiter Blick auf das, was vorher kaum zu fassen war. Im Evangelium gehen zwei Jünger nach Emmaus. Nicht zielstrebig, nicht hoffnungsvoll. Eher weg von dem, was sie nicht verstehen. Ein Fremder schließt sich ihnen an, hört zu, stellt Fragen, erklärt. Sie erkennen ihn nicht. Erst beim Brotbrechen begreifen sie, wen sie die ganze Zeit begleitet hat. Und in genau diesem Moment ist er verschwunden. Erkenntnis hat selten einen dramatischen Auftritt. Sie kommt leise und oft erst dann, wenn man nicht mehr damit rechnet. Vielleicht ist genau deshalb der Emmausgang geblieben. Kein Pflichttermin, sondern ein Weg, auf dem sich Gedanken sortieren dürfen. Mein eigener Weg begann zwei Tage vorher – zwischen Holzoberflächen, die so präzise gearbeitet sind, dass man unwillkürlich langsamer wird, und Räumen, die zeigen, wie durchdacht Wohnen sein kann. Der Besuch bei TEAM 7 in Ried war beeindruckend. Möbel, die nicht nur gut aussehen, sondern aus einem klaren Anspruch heraus entstehen: nachhaltige Materialien, ehrliches Handwerk, technische Lösungen, die nicht protzen, sondern funktionieren. Auch das Gebäude folgt dieser Haltung. Reduziert auf das Wesentliche, ressourcenschonend gedacht, ohne überflüssige Technik. Kein Showeffekt, sondern Konsequenz. Man spürt dort sehr deutlich, dass hochwertiges Design und echte Nachhaltigkeit sich nicht ausschließen, sondern gegenseitig tragen. Und ja, diese Möbel sind ihren Preis wert. Nur ist dieser Preis für mich nicht erreichbar. Der Gedanke kam nüchtern. Kein Neid, kein Ärger, eher ein inneres Abhaken: beeindruckend, absolut stimmig – und außerhalb meiner Reichweite. Und dann stand sie plötzlich im Raum, diese leise, unangenehme Frage: Habe ich in meinem Leben etwas falsch gemacht, oder vergleiche ich einfach nur falsch? 
von Alexandra Abredat • 4. April 2026
Es beginnt nicht mit Glocken. Nicht mit Schokolade. Nicht einmal mit dem Osterhasen, der sich seit Jahren erfolgreich jeder ernsthaften Befragung entzieht. Es beginnt viel früher. Irgendwo zwischen einem zaghaften Sonnenstrahl und dem ersten Vogel, der morgens plötzlich wieder klingt, als hätte er einen Plan. Ostern liegt genau in diesem Moment. Offiziell ist es das höchste Fest des Christentums. Gefeiert wird die Auferstehung Jesu Christi am dritten Tag nach seinem Tod am Kreuz. Ein Thema, das zunächst nach schwerem Stoff klingt und dann doch erstaunlich nah wird. Im Kern geht es um etwas sehr Menschliches: Dass nach dunklen Zeiten wieder etwas aufbrechen kann. Dass Entwicklung möglich ist, auch wenn sie sich zwischendurch überhaupt nicht so anfühlt. Der Termin dieses Festes wirkt dabei fast wie ein poetischer Kompromiss zwischen Himmel und Erde. Ostern findet am Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond statt. Frühestens am 22. März, spätestens am 25. April. Kein starres Datum, sondern ein beweglicher Moment. Als würde man sagen: Dieses Fest braucht die richtige Stimmung, nicht nur den richtigen Tag. Mit der Nacht zum Ostersonntag beginnt die österliche Freudenzeit, die sich bis Pfingsten zieht. Freude wird hier nicht als kurzer Höhepunkt verstanden, sondern als etwas, das sich entfalten darf. Auch das wirkt erstaunlich lebensnah. In der Osternacht wird es zunächst dunkel. Bewusst. Dann wird ein Feuer entzündet. Kein symbolisches Flämmchen, sondern ein echtes, lebendiges Feuer. Daran wird die Osterkerze entzündet, und dieses Licht wird weitergegeben. Von Mensch zu Mensch. Ohne große Worte. Es funktioniert trotzdem. Parallel dazu läuft die zweite, sehr erfolgreiche Version von Ostern. Eier werden versteckt. Kinder suchen. Erwachsene tun so, als ginge sie das nichts an, und freuen sich dann doch über das letzte Stück Schokolade. Der Osterhase bleibt dabei ein Phänomen, das man besser nicht zu genau hinterfragt. Das Ei selbst ist allerdings alles andere als Zufall. Es ist eines der ältesten Symbole überhaupt. Geschlossen, unscheinbar, und gleichzeitig voller Leben. Wenn man lange genug darüber nachdenkt, wird es fast ein bisschen philosophisch. Wenn man hungrig ist, bleibt es einfach ein Ei. Was oft übersehen wird: Ostern steht nicht für sich allein. Es ist eng mit einem anderen, viel älteren Fest verbunden – dem Pessachfest im Judentum, auch Passa, Passach, Passah oder Pascha genannt. Dieses Fest erinnert an den Auszug der Israeliten aus Ägypten. An die Befreiung aus der Sklaverei. An den Moment, in dem aus Abhängigkeit plötzlich Freiheit wird. Pessach wird im Frühling gefeiert, im Monat Nisan, und dauert mehrere Tage. Es beginnt mit dem Sederabend, einem bewusst gestalteten Familienfest. Dort wird die Geschichte des Auszugs erzählt, gegessen, gefragt und erklärt. Besonders schön ist, dass die jüngste Person am Tisch Fragen stellt. Nicht aus Höflichkeit, sondern weil Fragen ausdrücklich dazugehören. Diese Erzählung wird nicht nur erinnert, sondern immer wieder neu erlebt. Jeder soll sich fühlen, als wäre er selbst Teil dieser Geschichte gewesen. Nicht Zuschauer, sondern Beteiligter. Das ist keine kleine Idee. Das ist Identität. Auch die Speisen tragen Bedeutung. Ungesäuertes Brot, sogenannte Matzen, erinnert daran, dass beim Aufbruch keine Zeit blieb, Teig gehen zu lassen. Bitterkräuter stehen für die Härte der Sklaverei. Nichts daran ist zufällig. Alles erzählt. Und genau hier berühren sich Pessach und Ostern. Denn die Ereignisse rund um Jesus fanden während einer Pessachwoche statt. Das letzte Abendmahl wird in den Evangelien als Pessachmahl beschrieben. Die Vorstellung vom „Lamm Gottes“ greift das Pessachlamm auf, das ursprünglich als Zeichen des Schutzes und der Rettung galt. Selbst zentrale Elemente der christlichen Tradition – gemeinsames Mahl, Segensbecher, Deutung von Speisen – haben ihre Wurzeln im jüdischen Seder. Man könnte sagen: Ohne Pessach kein Ostern. Beide Feste erzählen auf ihre Weise von Befreiung. Im Judentum ganz konkret aus der Sklaverei in Ägypten, im Christentum in einer übertragenen, spirituellen Form als Hoffnung auf neues Leben. Unterschiedliche Perspektiven, aber eine gemeinsame Grundbewegung. Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Stärke dieses Festes. Es verbindet Zeiten, Geschichten und Erfahrungen miteinander. Es erinnert daran, dass Aufbruch selten laut beginnt und dass Hoffnung oft leise wächst. Manchmal genügt es, diesen Moment wahrzunehmen. Der Rest geschieht ohnehin. Quellen: Ostern – Wikipedia Pessach – Wikipedia
Mehr anzeigen